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Tom4712

"Daddy" (Fetisch?)

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Tom4712
Geschrieben

Ich lese in letzter Zeit, hier und auch an anderer Stelle, dass ein "Daddy" gesucht wird.

Was ist das für ein Fetisch? Ich kann mir recht wenig darunter vorstellen.

irgendwiedevot
Geschrieben

Da gibt es - wie so oft - verschiedene Ausprägungen. Zunächst mal gibts den ganz klassischen Sugar-Daddy... also alter Sack (keine Beleidigung - bin ja selber ein alter Sack ;) ) mit viel Kohle hält sich junge Geliebte.

Es gibt aber auch diverse andere Ausprägungen. Im Fetisch-Bereich inzwischen häufiger zu finden, ist die "DDLG"-Ausprägung = DomDaddyLittleGirl. Das hat viel mit Age-Play (also Altersunterschied) zu tun, kann aber im Einzelfall recht "schräg" werden. So gibt es tatsächlich Frauen, die gerne öfters wie ein kleines Mädchen auftreten wollen. Also sich mit ihrem Dasein, also Verhalten, Sprache und ggfs sogar Kleidung tatsächlich wie ein kleines Mädchen im einstelligen Altersbereich verhalten wollen. Also vollkommen impulsgesteuert, ohne viel Verstand... aber eben einem väterlich, oft eher strengen, aber trotzdem gutmütigen DOM die Kontrolle übergeben möchten.

Es kann aber auch sein, daß die junge Frau als Frau behandelt werden möchte, aber trotzdem eher eine "Vaterfigur" sucht. Es gibt sogar einige junge Frauen, die extra einen älteren Mann als Sub suchen, der dennoch väterliche Anteile hat.

Letztlich ist "Daddy" allein viel zu unpräzise um die exakten Vorstellungen von allen widerzugeben, die solch einen "Fetisch" nennen. Das gilt es im Einzelfall einfach herauszufinden.

Tom4712
Geschrieben

Danke schön für Deine ausführliche Antwort! Tatsächlich habe ich einen Teil davon schon live erlebt, ohne das als Fetsich erkannt zu haben:

vor 16 Stunden, schrieb irgendwiedevot:

Es kann aber auch sein, daß die junge Frau als Frau behandelt werden möchte, aber trotzdem eher eine "Vaterfigur" sucht. Es gibt sogar einige junge Frauen, die extra einen älteren Mann als Sub suchen, der dennoch väterliche Anteile hat.

Beides sogar. Im ersten Falle war es eine junge Frau, die sich mir als Fotomodell vorgestellt (bin semiprof. Fotograf) und dann aber auch sehr schnell gefragt hat, ob sie meine "Schülerin" sein darf. Sie war erst 17, als sie mich fragte und ich habe gesagt, sie soll noch mal fragen wenn sie 18 ist. Zum einen weil ich nichts mit U18 zu tun haben will und zum anderen um zu schauen, ob das echt war. Es war echt, ein halbes Jahr später kniete sie an ihrem 18. Geburtstag nackt vor mir... Wir hatten eine wunderbare Zeit, sie war extrem devot und ich habe ganz neue Seiten an mir kennengelernt. Irgendwann endete es, sie fand einen gleichaltrigen Freund, wir sind aber noch heute befreundet. Sie hatte eine Vaterfigur gebracht, der sie besschützt und führt, aber auch bestraft, wo nötig. Ein Mann der ihr - ganz wichtig - erfahrener Ratgeber und Gesprächspartner war, der sie ernst genommen hat.

Die andere habe ich auch über die Fotografie kennengelernt, in etwas anderem Zusammenhang. Wir kannten uns schon eine Weile, bis sie mir von Ihren Vorlieben für deutlich ältere Männer erzählte. Ihre dominante Ader war auch so recht schnell erkennbar. :D
Auch wir kamen uns näher, diesmal für mich mit umgekehrten Vorzeichen, was die Rollenverteilung anging, aber auch das hat mit recht gut gefallen. Auch sie hat eine Vaterfigur gebraucht, allerding auch eine gewisse finanzielleGroßzügigkeit gewollt. ;) Kein Problem, ich fand auch das in Ordnung, aber auch diese Beziehung endete irgendwann.

Es waren zwei sehr glückliche Zufälle für mich, so etwas kann man nicht suchen, man wird schlicht und ergreifend gefunden.

Geschrieben (bearbeitet)

Ich kann mich den beiden oberen nur anschliessen, allerdings möchte ich noch einen weiteren Punkt in den Topf werfen.

"...so etwas kann man nicht suchen, man wird schlicht und ergreifend gefunden."

DAS unterschreibe ich sofort, das Schicksal offenbart manchmal merkwürdige Wege. Ich habe einen gewissen Faible für "Gestörte" und ich ziehe sie auch magisch an, das "Daddy" Phänomen ist mir schon mehrfach in meinem Leben begegnet, und meistens hatte es mit tiefgründigen Problemen zu tun.

Der "krasseste" Fall  muss mal als Beispiel zur Erläuterung herhalten. Ich habe die "jüngere" Schwester einer Bekannten kennengelernt (die Geschichte war ähnlich, allerdings ist sie die mental stärkere und egoistisch genug sich selbst durchzuboxen, inzwischen verheiratet mit mehreren KIndern, aber zurück zur jüngeren Schwester). Einblick in die Vorgeschichte & Situation: Mitte 20, Mutter so jung verstorben das sie sich nichtmal an ihre Mutter erinnern konnte, Vater ein Arschloch (einfach formuliert), Kindheit & Jugend die "typische" Heimgeschichte, keine Ausbildung, Drogenabhängig (quer a bet), abgemagert (wenn man sich quasi nur von Alkohol und Toastbrot ernährt), schlechte Zähne (teilweise "genetisch", aber auch durch schlechte Pflege, und wir reden nicht von ein paar Löchern in den Zähnen sondern "komplett" Restauration durch einen Kieferchirugen/Zahntechniker) und vorherige Beziehungspartner haben sie nur sexuell ausgebeutet, dementsprechend ein "gestörtes" Sexualverhalten. Dazu kamen noch ein paar andere "Kleinigkeiten"...

Wie erwähnt ich habe eine Schwäche für solche Menschen, wir verstanden uns und ich nahm mich ihrer an, und es war gewiss kein einfacher Weg und der Höhepunkt des Ganzen, war das ich einen Anruf aus der Psychiatrie des lokalen Krankenhauses bekam ob ich eine gewisse Frau xy kannte, sie wurde unter Drogeneinfluss halbnackt blutüberströmt mit aufgeschlitzten Armen auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrum gefunden. Natürlich bin ich sofort hin und habe sie da wieder "rausgeredet" und durfte auch div. Zettel unterschreiben das ich die Verantwortung für sie übernehme. Der Punkt war der, das nach so kurzer Zeit (ich hatte sie erst 3-4 Monate unter meiner Fittiche) ich DIE Kontaktperson im Notfall war, statt Familie (die "große" Schwester) und Freunde (die Ortmäßig sogar näher waren als ich) die sie länger kannten, sagt wohl einiges. Ich habe nach dieser Geschichte meine Bemühungen der Kontrolle und Fürsorge entsprechend erhöht.

Es hat nicht ewig gehalten (knapp über 2 Jahre), ich sage auch nicht das ich sie "geheilt" habe, für mich persönlich war es sogar ein Fehlschlag, vieles lässt sich nicht heilen aber zumindestens kann man Menschen helfen Kapitel der Vergangenheit abzuschliessen und sie zu akzeptieren und nicht jedes "Aschenputtel" kann eine Prinzessin werden, aber man kann es probieren.

Sie hat einen Job (nichts zum angeben, aber man kommt damit über die Runden), hat einen gesunden Umgang mit Alkohol und "weichen" Drogen gelernt und lässt die harten Dinge weg, ernährt sich vernünftig und hat wieder etwas auf den Rippen (sogar ein wenig zuviel), ihre Zähne, die zwar zum größtenteils künstlich sind, sind jetzt besser als meine und ihre Beziehung zur Sexualität ist definitiv besser geworden.

Ich könnte noch mehr aus dem Nähkästchen plaudern, aber ich denke ich konnte verdeutlichen, was "Daddy" sein heissen kann, nämlich eine helfende und führende Hand wenn jemand Probleme auf dem Weg des Lebens hat, und selbst wenn man nur ein kleines Stück jemanden begleitet. Jedenfall heisst es das für mich, allerdings bin ich auch nicht der gute Samariter der sich selbstopfert und alles hat seinen Preis. Ich zwinge niemanden sich in meine Obhut zu begeben oder ewig in dieser zu verweilen,  aber solange sich jemand dafür entscheidet, betritt er meine Welt in der meine Regeln herrschen. Auch bin ich nicht perfekt und fehlerfrei, aber ich bin stolz keine verbrannte Erde und Wracks zu hinterlassen, wie es andere Menschen oder auch gewisse "Doms" es machen.

Darum mit abschliesseden Worten:

"Daddy kümmert sich um sein Mädchen"

 

bearbeitet von AndersimNorden
Tom4712
Geschrieben

Vielen Dank für diesen Einblick!

Allerdings ist das auch ganz weit weg von irgendwelchen Fetischen, die ja - so verstehe ich es - Freude oder Befriedigung bereiten sollten.

Auf jeden Fall, Hut ab vor Deinem Einsatz!

Geschrieben (bearbeitet)
vor 1 Stunde, schrieb Tom4712:

Vielen Dank für diesen Einblick!

Allerdings ist das auch ganz weit weg von irgendwelchen Fetischen, die ja - so verstehe ich es - Freude oder Befriedigung bereiten sollten.

Auf jeden Fall, Hut ab vor Deinem Einsatz!

Sorry, aber da liegst du falsch, sicher kannst du das nicht mit Rollenspielen oder Sessions vergleichen, aber es gibt Leute denen reicht es auch nicht mehr, nur zu spielen. Dann verlässt das Machtgefälle das Schlafzimmer und es kann andere Dimensionen annehmen in vielen verschiedenen bunten Farben und Formen. Ich verurteile niemanden der anders denkt oder es nicht verstehen kann/will, aber es gibt einen gewissen "Macht/Unterwerfungsfetisch" (so bezeichne ich das mal), und der ist in der Daddy/Little Fraktion öfter vertreten als man denkt. Ab dann werden dann div SM-Praktiken zu "Werkzeugen und Hilfen" degradiert und wer sagt das es keine Freude und Befriedigung bringt ? ;-) Vielleicht extreme Ausmasse aus der Sicht eines anderen, aber für mich heisst Dom/Daddy/"was auch immer" eben auch eine Führungs/Vorbild/Helfer Rolle zu übernehmen, und nicht nur die das Benutzen oder Bestrafe aus fiktiven Gründen, wenn ich bestrafe, hat es einen Grund. Ich gebe viel, ich verlange viel... und "spielen" gibt mir einfach nichts mehr. Aber das geht jetzt wirklich weit weg vom Thema... ;-)

bearbeitet von AndersimNorden
lilimarleen
Geschrieben

Daddy steht für mich eher für den Begriff Mentor.

Quasi ein ... Ich lasse eine beratende Position in meinem Leben zu. (Ich höre da - ausnahmsweise - mal nicht weg) 

Das ist sehr besonders.  "Übernahmeversuche" meiner Systeme blockiere ich sonst und überhaupt total.

Daddy ist also etwas, was ich mir anschaue ...  okay, er interessiert sich für Schutz/Schützen etc. ... wäre es also möglich, mit ihm ungeschützte (mir noch zu wenig klare) Postionen zu bereden?

Ach ... Und sonst so ... Nur weil man manche Hasen auf der erfrorenen Flur besser sehen und daher leicht er/schießen kann, ist man noch lang kein guter Jäger. ^^

Geschrieben
vor 9 Minuten, schrieb lilimarleen:

Ach ... Und sonst so ... Nur weil man manche Hasen auf der erfrorenen Flur besser sehen und daher leicht er/schießen kann, ist man noch lang kein guter Jäger. ^^

Solche Hasen erschiesst man auch nicht, die sammelt man ein und peppelt sie wieder auf, bevor sie wieder zurück in die Freiheit entlassen werden ;-)

lilimarleen
Geschrieben
vor 2 Minuten, schrieb AndersimNorden:

Solche Hasen erschiesst man auch nicht, die sammelt man ein und peppelt sie wieder auf, bevor sie wieder zurück in die Freiheit entlassen werden ;-)

ich glaube, es gibt keine freiheit. für nichts und keinen bevor wir mit der sache "es ist krank und/oder gesund" keinen weg gefunden haben.  meiner ist ja kunst. aber die mit mir allein. aber nicht alle verstehen zum beispiel, warum ich male und das gemälde dann unter die dusche stelle. ich schaffe ein bild und spüle es weg. man kann so etwas üben. das loslassen.

lilimarleen
Geschrieben

macht sich mit acryl übrigens besser als mit öl ... falls man die badewanne auch normal braucht :smiley:

Geschrieben

Das könnte man jetzt tot philosophieren, geht wohl aber am thema vorbei ;-)

"Der Weg ist das Ziel" bzw der Prozess des Erschaffens, man freut sich über das Endergebnis aber dadurch das es "fertig" ist... nichts ist für die ewigkeit. Wenn du die leinwand nicht mehr brauchst, würde ich die bilder sogar verbrennen. mehr symbolik und dramatik ;-) aber Spaß beiseite, ich glaube ich kann es verstehen warum du es tust... was das loslassen angeht, das muss aber von einem selbst kommen aus dem inneren. Wenn der Wille, Wunsch oder auch Grund dazu nicht vorhanden ist, dann wird das nichts. Und in einer Welt wo "mehr", teilweise durch den naturgegebenen Instinkt, teilweise durch unsere Gesellschaft, das eigene Ich definiert, wirst du wenige Menschen finden, die loslassen können, egal in welcher Form. Das ist eine der Freiheiten, die jeder von uns hat sich selbst zu entdecken und zu entwickeln, auch wenn es einfacher ist, es sich bequem zu machen in unserem erschaffenem Zoo und erzählen zu lassen was nun richtig oder falsch ist und wie etwas zu sein hat, schliesslich werden auch genug Ziele vorgegeben, die man im großen Zoo anstreben sollte und Leckerlies versprechen. Ich glaube daran, das es Freiheit gibt, bis auf Essen, Schlafen, Scheissen und Atmen (blöde Natur, gibt Regeln vor) muss man gar nichts,  wenn man bereit ist auf gewisse Dinge zu verzichten und seine Komfortzone zu verlassen. So lebe ich zum Beispiel ohne Smartphone, hatte nie eins in Besitz und habe auch nicht vor mir eins anzuschaffen... und bevor wer denkt, der hat keine Ahnung wie toll so ein Ding ist, bevor ich mich umorientiert habe, arbeitete ich in der IT bei einem der größten Telekommunikationsanbieter und durfte mit den Dingern schon spielen bevor sie auf den Markt für Sklav... ich mein Endverbraucher verfügbar waren ;-) Und solange ich mit meiner Umwelt agieren kann ohne Smartphone, brauch ich es nicht. Man muss nicht alles anstreben was einem als "muss" verkauft wird. Die Freiheit da zu entscheiden hat man... wie bei vielen andere Dinge auch. Und NEIN, ich sage damit nicht, werdet alle Clochards und Penner ... ;-)


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