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Sklave184

Fortsetzung des Romans "Jugendsünden" von Manuel Magiera

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Manuel Magiera

Fortsetzung des Romans: Jugendsünden

 

Erlebnisse und Geschichten

Wir erzählten kurz von unserem Date mit der Mafia. „Mein Alter kennt einige davon. Er hat mir mal was von einer weißen Yacht erzählt. Die gehört einem Unternehmer aus Palermo, der ist wohl tatsächlich eine Art Pate. Kurt kann uns da sicher mehr zu sagen. Wir fragen ihn morgen früh mal.“ Conny zeigte mit der Hand zu den Scheinwerfern, die die Stricherkurve ausleuchteten. Brav setzten sich seine drei Ponys in Bewegung. Ich deutete einen Galopp an und wieherte. Die anderen fingen an zu lachen. So langsam kam ich wieder auf den Billigstrich zurück. Drei weitere Freier bezahlten artig ihren Obolus und erhielten, was sie sich wünschten. Rene und Andy arbeiteten ebenfalls sehr fleißig. Um drei Uhr nachts saßen wir müde bei Conny. Der zählte genüsslich sein Geld, erlaubte uns danach ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen. Rene und ich kuschelten gemütlich auf dem abgewetzten Sofa, knutschten ausgiebig, um in die richtige Stimmung für Connys Pornosammlung zu kommen. Rene nahm wie immer die Auswahl vor. Ein Filmchen war perverser als der andere und ich wunderte mich stets, woher Conny das Zeug bezog. Ob die Filmfritzen damit etwas zu tun hatten? Wenn ja, dann konnten wir uns glücklich schätzen, rechtzeitig die Reißleine gezogen zu haben. Das Material gehörte wirklich in die Rubrik unterste Schiene. „Andy, ich bin nicht unzufrieden mit dir. Du hast gut gearbeitet und fürs erste Mal, hast du sogar anständig verdient. Aber ich kann es nicht zulassen, dass meine Ponys bestimmen, wie viel Futtergeld sie bekommen. Ich bin hier der Stallbesitzer und ich gebe euch euer Taschengeld. Komm her zu mir. Die beiden anderen wissen, was ich jetzt tun muss.“ Connys Stimme klang fest und duldete keine Widerrede. Andy gehorchte und kniete sich devot vor ihn. „Willst du noch einmal ungezogen sein?“ Er schüttelte den Kopf. Conny gab ihm links und rechts eine Ohrfeige. Demütig senkte Andy seinen Kopf und blickte schluchzend auf den Boden. Er spielte seine Rolle total perfekt. Wenn er gleich eine Tracht Prügel auf seinen nackten Arsch erhält, müsste er eigentlich auch heulen, dachte ich. Genauso war es. Conny zeigte auf die Sofalehne. Andy zog die Hosen runter und legte sich drüber. Er schrie bei jedem Schlag auf und hinterher hörte es sich an, als wenn er tatsächlich weinte. Nach der Bestrafung rutschte er auf Knien zu Conny, küsste dessen Hand und beteuerte immer wieder, ein gehorsames Pony werden zu wollen. Na, also. Auch er wurde gefügig. Conny streichelte ihm über den Kopf, öffnete seinen Hosenschlitz und fütterte sein drittes Pferdchen mit seinem Schwanz. Andys Augen blickten feucht vor Tränen auf seinen Herrn und mit dem Mund begann er inbrünstig, mit voller Hingabe und Wonne zu lecken. Conny sah uns zufrieden an. Im Fernseher lief ein weitaus schweinischerer Film und Rene und ich beschlossen, uns diese herrliche Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und uns um unseren Zuhälter zu bemühen. „Was tut mein Pony als erstes?“, fragte Conny und hob mit dem Zeigefingers Andys Kinn etwas an. „Ich nehme einen Gummi“, antwortete der artig. Er schaute sich im Zimmer um. Ich hatte die Packung bereits in der Hand, riss eine auf und kniete mich vor meinen Herrn. Geschickt trug dieser einen Augenblick später ein kleines rotes Tütchen mit Erdbeergeschmack. Aber ich durfte nicht als erster ran. Das war Andy vorbehalten. Conny setzte sich aufs Sofa und ließ sich von uns dreien verwöhnen. Nachdem er seinen Höhepunkt ausgekostet hatte, balgten wir drei uns umeinander. Ich zeigte ihnen, was ich bei Sensei lernen durfte und jeder wollte es einmal ausprobieren. Am Schluss lagen wir alle drei abgekämpft auf dem Boden und küssten Andy aus großer Dankbarkeit für sein Sperma, welches Rene und ich uns teilten. Ich rieb meinen Anteil, den ich mir von Rene nahm, zwischen die Oberschenkel. Auf diese Weise konnten Rene und ich das Abspritzen fantasieren. Conny holte Decken. Wir schmusten miteinander auf dem Boden und kuschelten uns eng aneinander. Irgendwann schliefen alle. Als ich um halb elf Uhr am anderen Morgen erwachte, lag ich nackt inmitten meiner ebenfalls splitternackten Freunde. Eine Welle des Glücks rollte auf mich zu, schüttelte mich durch und ich sah von einem zum anderen. Etwas Schöneres konnte es doch gar nicht geben, als nach einer solchen Nacht miteinander aufzuwachen. Nun ja, Jenny? Eigentlich war es auch sehr schön gewesen, als wir das erste Mal zusammen geschlafen hatten. Aber dies hier, das war wieder etwas anderes. Eine Welt, wie sie nicht alle Menschen erleben konnten. Welcher Junge ging schon mit Sechzehn für seinen besten Freund auf den Strich? Unsere Erfahrungen in Hamburg auf dem Kiez waren einzigartig und würden es auch immer bleiben. So etwas gab es nicht oft und ich wünschte mir in diesem Augenblick nichts sehnlicher, als das diese Nacht nie enden mochte. „Oar, wo bin ich?“ Andy stand plötzlich senkrecht. „Cool, Alter, es ist alles in Ordnung. Du bist zu Gast bei guten Freunden“, beruhigte ich ihn. Er gähnte, blickte mich an und streckte seine Hand nach mir aus. Ich kroch zu ihm. Wir begannen uns zu küssen und zu streicheln. Andys Schwanz legte sich wie von selbst in meine Hand. Wenn die anderen jetzt auch wach wurden und das so weiterging, würden wir heute wahrscheinlich nicht mehr aufstehen, dachte ich. Als Andy kam, wachte Rene auf, gleich nach ihm blinzelten Connys Augen unter der Decke hervor. „Hey, ihr Ferkel, könnt ihr es denn gar nicht lassen? Bumsen, immer nur bumsen. Es gibt doch noch andere Dinge!“, meinte Rene in gespielter Empörung. „Und was?“, fragte ich. „Rudelbumsen!“, lachte Rene und warf sich auf mich. „So, Pferdchen, alles hört auf mein Kommando. Aufstehen, duschen, Max holt Brötchen. Rene besorgt Aufschnitt und Käse. Andy, du deckst den Tisch und ich koche uns Kaffee, damit wir endlich wieder einen klaren Kopf kriegen“, bestimmte unser Reitstallbesitzer.

Der Startschuss hätte nicht perfekter sein können. Gegen Mittag saßen wir zusammen in Connys kleiner Stube und ergötzten uns an frischen Brötchen. „Planung, was machen wir heute mit dem angebrochenen Tag, bitte keine sexuellen Ausschweifungen!“, rief Conny in die Runde. Das Wetter war herrlich. Die Sonne schien warm durchs Fenster hinein. „Eine Segeltour auf der Alster“, schlug ich vor. „Einstimmig angenommen“, meldete sich Rene. Ich dachte kurz nach. „Ich muss um sechs Uhr bei Kurt sein. Er wollte mir etwas zu einem Date sagen und außerdem sollte ich die Monatsabrechnung bei ihm anschauen“, warf ich aufgekratzt ein. „In Ordnung. Das lässt sich machen. Wir fahren bis um halb fünf Uhr zur Alster und dann geht’s zurück zu Daddy an die Arbeit“, ließ sich Conny vernehmen. So müsste jeder Tag sein! Was für herrliche Ferien. Das Abitur und der ganze Stress waren vergessen. Auf der Straße liefen schon ein paar Mädels herum und begrüßten uns anzüglich. „Sorry, wir sind alle schwul“, meinte Andy und küsste mich demonstrativ. „Haut bloß ab, ihr macht uns das Geschäft kaputt“, lachten sie uns hinterher. Ich fühlte mich frei und ungezwungen, wie selten nicht mehr. Der Segeltörn entpuppte sich als Highlight für Conny. Er hatte im Gegensatz zu uns, die aus dem tiefsten Bayern an die Küste nach Hamburg gekommen waren, keinen blassen Schimmer, wie man eine Jolle startklar machte. Ich war mehrfach in Starnberg bei meiner Oma gewesen und durfte das Segeln schon als Kind am Starnberger See auf den kleinen Optimisten üben. Andy lernte dann alles von mir. Unser Schlossteich diente als bester Ausbildungsort. Rene kannte Segeln von einer Jugendgruppenfreizeit am Timmendorfer Strand. Es war aber schon lange her und er musste sich alles neu abschauen, doch nach einer Weile konnte er Ruder und Großsegel wieder bedienen. Conny durfte als unerfahrener Schiffsjunge mal am Vorsegel ziehen. Er stellte sich allerdings sehr ungeschickt an und ich befürchtete bereits das Schlimmste. Es ging gerade noch einmal gut, weil Andy das Ruder stark gegen hielt. Aber als dann plötzlich eine Windboe auftauchte und ein Wendemanöver notwendig machte, war das Unglück geschehen. Conny fiel über Bord. Wir konnten mit gemeinsamen Kräften gerade noch verhindern, dass Andy mitsamt Boot umkippte. Conny schwamm ans Ufer und fluchte dabei wie ein Rohrspatz. Wir anderen lachten uns halb tot über ihn. „Das kommt davon, wenn ein Reitstallbesitzer zur See fährt!“, rief Rene aufgedreht. „Zieh dich aus Conny. Wir geben dir jeder etwas von uns. Du brauchst trockene Sachen und dann sollten wir zu dir nach Hause fahren, damit du dich umziehen kannst“, meinte ich und versuchte durch vernünftige Gedanken meinen Lachanfall in den Griff zu bekommen. Es gelang mir nur schwer. Wir brachten die Boote zurück. Der Vermieter lachte auch. Es war gottseidank nichts weiter passiert und Conny hatte eine Schwimmweste getragen, wie wir alle. Doch wir schrieben erst April und das Wasser war noch zu kalt. Wir durften uns in seinem Bootshaus umziehen. Conny wurde an die Heizung geschickt und in eine warme Decke gehüllt. Einen Moment später stand für jeden von uns ein heißer Grog auf dem Tisch, Der Bootsvermieter freute sich, dass er auf diese Weise auch einen mittrinken konnte. „Prost, Jungs. Ich bin Jan“, sagte er. Wir nannten unsere Namen und erzählten auch, dass Connys Dad eine Kiezgröße war. Jan kannte Kurt. Sie waren im selben Alter und Jan erzählte uns sofort Geschichten, aus der guten alten Zeit. Einiges hörte sich auch für Conny interessant an. Sein alter Herr hatte ihm lange noch nicht alle Stücke aus seiner Jugend, Sturm und Drangzeit gebeichtet. Nach dem dritten Grog rief ich mit letzter Kraft zum Aufbruch. Wir mussten Jan versprechen, Kurt zu grüßen und wieder zu kommen. Am besten mit ihm, damit die beiden uns ihr Seemannsgarn spinnen konnten. Gerade noch rechtzeitig stand ich bei Kurt im Laden. Conny sprudelte alle Erlebnisse heraus. Kurt schlug die Hände überm Kopf zusammen. Ja, mit Jan hatte er so manche Nacht zum Tag gemacht, berichtete er uns. Es war gut, dass wir aufbrechen mussten, denn wir hätten sonst unweigerlich noch einige Grog mehr trinken müssen und die wären uns unerfahrenen und ungewohnten Trinkern sicher schnell zu Kopf gestiegen. „Sag mal, Kurt. Etwas anderes. Wir sind ja mit Andy aufm Parkplatz gewesen und da kamen zwei Italiener, die uns mit zum Hafen genommen haben. Die waren beide schwul und suchten zwei Jungs für ‘n Date. Ging auch alles super gut. Giorgo und Allessandro nannten sie sich. Und sie hatten wirklich eine supertolle schneeweiße Yacht. Die sagten, der Kahn gehört ihrem Boss und der kommt aus Palermo. Weißt du etwas darüber?“, fragte ich, als wir an der Theke in der Tabledancebar saßen. „Hach, ja. Und ob. Ihr Boss heißt Alfredo Razzi und gehört zu den größten Mafiagangstern Italiens. Die unterhalten hier einige Pizzerien und die Bullen haben sie auf der Liste, wegen Schutzgelderpressung und paar anderen Sachen. Razzi benimmt sich bei mir sonst unauffällig. Ich weiß aber, dass er auch im Drogengeschäft mithält und immer neue Absatzmärkte sucht. Bis jetzt konnte ich ihn gut abwimmeln. Ich hab auch durchblicken lassen, dass ich auf der Davidswache kein Unbekannter bin. Ich will damit nichts zu tun haben. Conny, bleib vom Parkplatz weg. Du kriegst alles von mir, was du zum Leben brauchst. Ich weiß, ihr wolltet Andy einreiten. Ist auch okay. Aber diese Jungs sind nicht ungefährlich und ich möchte sie weder zum Freund noch zum Feind haben.“ „Ich dachte, ich kannte alle auf dem Kiez, anscheinend muss auch ich noch viel lernen. Nichts für ungut, Kurt. Ich werde dich in Zukunft erst fragen, bevor ich etwas anstelle.“ Conny legte seinem Vater den Arm um die Schulter. Kurt erwiderte die Geste und drückte ihn fest an sich. „Ich bring dir alles bei, was du wissen musst, um in diesem Geschäft erfolgreich zu bestehen, mein Junge. Genauso, wie ich es von meinem Vater gelernt habe.“ Ich fragte nach der Monatsabrechnung und was es mit dem Date für mich auf sich hatte.

Wir gingen alle in Kurts Büro. Die Abrechnung war auch für Conny und Rene interessant. Selbst Andy hörte interessiert zu. Er wollte allerdings Jura studieren und mein Vater hatte ihm durch seine Beziehungen bereits den Weg zur Uni München geebnet. Nicht ganz uneigennützig, wie ich vermutete. Ich würde BWL studieren und im Anschluss daran Land-und Forstwirtschaft. Vater wollte mich bei meinem Jugendfreund in sicheren Händen wissen. Oh je, wenn der wüsste, was Andy und ich alles verbrochen hatten, der hätte den einen nach Amerika und den anderen nach China geschickt. Aber mir sollte es recht sein. Ich hatte meinen besten Kumpel dabei. Wir wollten uns eine WG- Wohnung teilen und hätten auf diese Weise sturmfreie Bude, falls uns zwei gewisse Herren aus Hamburg mal besuchen wollten. Ich dachte auch an Jenny. Dad sicher ebenfalls, wahrscheinlich noch mehr, als an männliche Besucher. In den letzten Herbstferien durfte ich ihre Familie kennen lernen und ich hatte auf ihre Eltern einen gewaltig guten Eindruck gemacht. Meine transsexuelle Problematik fiel nicht ins Gewicht. Sie sahen einen jungen Mann in mir und die Nachwuchsfrage war bereits geregelt. Jenny lachte, als ich sie vor die Wahl stellte, wer der Vater ihrer Kinder werden sollte: Andy oder Hubertus. Ihre Entscheidung schloss den armen Andy sofort aus. Wie gesagt, Jenny dachte wie unsere Eltern. Mir gefiel ihre Familie gut. Sie besaßen ein nettes kleines Schlösschen und züchteten nebenbei Holsteiner Springpferde. Das passte auch meinem Vater hervorragend ins Programm. Beide Elternpaare verabredeten sich zu Pfingsten bei uns und freuten sich darauf, einander kennen zu lernen. Gottlob hatte ich mir meine Braut ja selbst ausgesucht. Aber es war schon witzig, wie sich eines zum anderen ergab. Ich ahnte, dass meine Zukunft, wenn ich erst in München studierte und mit Jenny offiziell verlobt war, nichts spannendes mehr bereithalten würde. Ein biederes Leben auf Schloss Wildenstein, im Kreise meiner Pferde, erwartete mich. Vielleicht könnte ich mich mit Andy weiter amüsieren und ich dachte daran, auch Rene und Conny weiterhin zu besuchen. Auf Eskapaden müsste ich schon allein um Jenny willen, verzichten. Außerdem durften keine Skandale bekannt werden. Ich schluckte. Wenn ich irgendwann einmal in der Öffentlichkeit stand und irgendjemand hier erkannte mich und plauderte meine Strichervergangenheit aus, war das mit Sicherheit nicht optimal.  „Kurt, du hattest da noch etwas für mich? Kann ich mich auch auf vollste Diskretion verlassen?“, fragte ich deshalb mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. „Die Freier von mir sind alle integer, allerdings gibt es niemals im Leben Garantien. Dein Vater hat Großes mit dir vor. Du hast bei Conny ziemlich abgehalfterte Typen kennen gelernt. Nun, du wirst dich in Kürze mit den Hormonen noch weiter männlich entwickeln und taugst dann für diese Zwecke eh nichts mehr. Versuche dich bereits jetzt aus dem Sumpf zu ziehen und lasst alle den Parkplatz und die Pädos in Ruhe. Conny wird immer dein Freund sein und ich denke, die beiden anderen Herren sind auch nicht erpicht darauf, dass ihre Neigungen bekannt werden. Wenn ihr also noch ein wenig arbeiten wollt, dann tut das bei meinen Kunden und ich schlage euch vor, nach dem Abitur damit aufzuhören. Wenn Andy schwul ist, sollte sich auch ein netter gleichgearteter junger Mann in München für ihn finden. Eine feste Lebenspartnerschaft zählt heute zum Normalen und hindert niemanden mehr an seiner beruflichen Karriere. Wie viel hast du für deine Operation zusammen, Rene?“ „Genug, danke. Ich brauche es eigentlich nicht mehr, denn die Krankenkasse hat grünes Licht gegeben. Aber ich lasse das Geld auf meinem Konto. Vielleicht kann ich es wirklich später für mich beruflich verwenden. Ich bin ja mit Kerrin zusammen. Sie ist transsexuell wie ich, nur anders herum. Wir wollen zusammen bleiben.“ Kurt schmunzelte. „Sehr gut. Dann krieg ich euch Bande langsam auf einen geraden Weg. Willst du noch ein Date, Rene?“ Wir sahen uns an. Andy schob die Unterlippe vor. Er hatte verstanden. Aber irgendwie reizte ihn doch auch das Verbotene. Uns allen ging es nicht anders. „Lasst uns die Osterferien jetzt noch als versaute Jungs genießen. Danach hört der Spaß von selbst auf, denn das Abi wird uns voll in Anspruch nehmen. Und im Sommer kommt das Messer!“, sagte Rene. Andy nickte mit dem Kopf. „Okay, das ist ungefähr auch das, was ich mir gerade dachte“, meinte ich. 

Kurt öffnete seine Schreibtischschublade. Er gab mir einen Umschlag. „Dein Freier ist Russe und heißt Dimitri. Er hat Geschäftliches in Hamburg zu regeln und kommt morgen am frühen Nachmittag am Flugplatz an. Conny kann dich dahin begleiten. Er hat keine großen Wünsche. Er will nur einen Jungen, der noch nicht so alt aussieht und sich wie ein Vierzehnjähriger benimmt. Trimm dich auf Teenie. Lass dir ein paar kleine Ohrstecker stechen. Am besten, ihr geht erst mal auf den Dom. Da kann er dir die Fahrgeschäfte bezahlen und hinterher geht ihr um 20 Uhr ins Kino. Irgendetwas, was kleine Jungs interessiert. Danach wirst du müde und fragst ihn, ob du bei ihm schlafen darfst. Er nimmt dich dann in sein Hotel mit. Da ist für dich bereits gebucht. Pass brauchst du nicht. Dimitri gibt dich als seinen Neffen aus. Alles andere auf dem Zimmer ist Routine, wobei du bitte weiter den kleinen Jungen spielst. Also, keine professionellen Handlungsweisen. Denk dir auch für den Gummi etwas aus. Du kannst bei ihm Frühstücken und den nächsten Tag mit ihm verbringen. Geht zur Eisbahn, zum Segeln oder zum Fußball. Er will einen Jungen und wird zärtlichen, liebevollen Sex mit dir machen. Rene, du triffst dich morgen Mittag schon mit deinem Mr. Brian. Macht, was ihr wollt. Er freut sich auf dich, ich glaube, ihr habt auch schon Unternehmungen abgesprochen.“ Rene nickte. „Ja, wir gehen in die Oper. Tim ist Opernfan. Es ist alles sehr edel. Ich hab immer Schwierigkeiten mit dem Besteck im Restaurant. Kennst du dich damit aus, Max?“ Ich lachte. „Ja, wir gehen gleich rüber ins Hotelrestaurant vom Mercator. Die haben auch die Gläser und Bestecke. Ich zeig dir alles. So schwer ist das nicht, wenn man es einmal kapiert hat.“ Kurt nahm seinen letzten Umschlag heraus. „Andy. Monsieur Lapine ist Franzose und du hast Französisch in der Schule gehabt.“ „Nicht nur das, ich war in den Sommerferien ein paar Mal in Südfrankreich und einmal auch in Paris auf Sprachurlaub. Ich spreche eigentlich fließend Französisch.“ „Super“, meinte Kurt. „Monsieur ist an Hamburger Geschichte interessiert, isst gerne gut, wie alle Franzosen und liebt die Liebe. Allerdings ist er homosexuell und wünscht sich einen netten gebildeten jungen Mann.“ „Soll ich ihn fragen, wie wir den Tag gestalten wollen?“, fragte Andy. „Das kannst du. Aber du hast morgen Zeit, dir eine Tour durch die Museen auszudenken. Ob er auch am Ende so etwas wie den Dungeon sehen will, weiß ich nicht. Er ist mehr der seriöse Typ. Arbeitet im Weingeschäft. Ein gehobenes Lokal, so wie Max es kennt, ist sicher eine gute Idee. Also, sei kein kleiner Junge, sondern ein junger Gentleman, aber das wird dir nicht schwer fallen. Ihr werdet euch auch mögen und alles Weitere findet sich. Du wirst ihn in sein Hotel begleiten. Meine Herren, ihr habt Freizeit. Ich erwarte nach getaner Arbeit eure Berichte.“ Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. In der Bar übten die Mädchen bereits an der Stange. Es war bemerkenswert, was man mit so einem metallenen Stab alles anstellen konnte. Wahnsinn. Das musste ich auch mal probieren. Aber es tanzten ja nur Mädchen. Von Männern hatte ich das noch nie gehört. Corinne und Suzanne zeigten fast schon Akrobatik. Sie trugen dabei noch sehr enge Trainingsanzüge. Ich sah ihnen bewundernd zu. Suzanne zog, als sie ihren Part durchgetanzt hatte, erst Rene und dann Andy zu sich rauf. Sie sollten auch tanzen, stellten sich aber beide ziemlich dumm an. „Jetzt du, Max. Komm, sei kein Frosch“, meinte Corinne. Unter gespieltem Protest kletterte ich auf das Podest und versuchte der Stange etwas Erotisches abzugewinnen. Plötzlich kam mir eine Idee. „Sag, Babs, hast du nicht irgendetwas Musikalisches mit Sexappeal?“ „Einen Augenblick, ich schau in meine Datenbank. Ja, geht gleich los. So, meine Damen und Herren, Sie sehen jetzt eine Dame, die ein Herr wird. Lassen Sie sich von transsexueller Erotik inspirieren. Wir wechseln unsere Geschlechter: Mal erscheint der Tänzer als Mann, mal als Lady. Erleben Sie eine einzigartige Darbietung: Graf Max als faszinierendes Boygirly!“ Die Musik setzte ein. Ich begann im Rhythmus der CD Hüften, Arme und Hintern zu bewegen, fing dann vor meinen staunenden Freunden an, langsam, Stück für Stück, mein Hemd aufzuknöpfen. Zwischendurch versuchte ich mich an akrobatischen Übungen. Es war nicht leicht, sich an der Stange zu halten und dabei eine Art rückwärtigen Handstand zu machen. Aber durch mein Kampfsporttraining war ich extrem beweglich und konnte meine Beine sehr weit hoch legen. Langsam nahm ich meine Arme nach hinten, sprang ganz sacht ab und hatte dabei einen klassischen Überschlag geschafft. Ich wurde jetzt immer sicherer. Meine Hände fassten vorne auf die Hose, fingerten über den Schlitz und die stramme Wölbung, dann flog erst einmal das Hemd ins Publikum, welches inzwischen johlte. Die Mädchen klatschten begeistert. Der erste Knopf meiner Jeans öffnete sich, Babs ließ das Lied immer wieder abspielen. Das machte Laune. Ich lag alsbald auf dem Tisch, streckte den Mädels abwechselnd die gespreizten Beine hin, damit sie mir die Hosen ausziehen konnten. Andy wollte auch anfassen. Ich haute ihm gespielt auf die Finger. Die Mädels fingen an zu kreischen. Mein Dildo stand nun aufrecht im Tanga. Ich zeigte meinen Hintern, ließ mich dann auch nach und nach von den Boys betatschen. Zuckend wie ein Popstar bewegte ich mich über die Bühne, probierte einen Bauchtanz und die Mädchen benahmen sich wie Wahnsinnige. Sie versuchten nach meinem Schwanz zu greifen, streichelten zärtlich und geil über das pralle schmale Vorderteil aus Leder. Corinne schob ihren Kopf davor, kniete und wollte mich darauf küssen. Zärtlich strich ich ihr über den Kopf und ließ mich verwöhnen. Ich fasste unter das Lederstück, stellte dabei meine Erregung nach und rieb mich solange, bis der Song ein letztes Mal seinen Schlussakkord aushauchte. Währenddessen lief ich zwischen Suzanne und Corinne hin und her und bezog dann Andy mit ein. Die Jungs hatten sofort verstanden. Sie steckten mir Zehneuroscheine in den Tanga. Plötzlich stand Kurt in der Bar, völlig aufgelöst und verblüfft, kam er mit großen Augen aus seinem Büro, wedelte mit Fünfzig Euro und schob sie mir als Rolle hinten hinein. Dankend und jubelnd ließ ich mich in seine Arme fallen. Gespielt fassten wir unsere Hände und ich schob ihn die Treppe nach oben. Der Jubel in der Bar kannte keine Grenzen mehr. Kurt und ich liefen zurück, ich kletterte auf den Tisch, drehte mich einmal um die Stange und verbeugte mich galant vor meinem durchgeknallten Publikum. „Junge, so etwas Geiles hab ich noch nie gesehen. Hör zu, du behältst deinen Tanga an und spielst die Szene genauso heute Abend, wenn die Leute da sind. Die Ankündigung machen wir, wie Babs es vorgespielt hat. Da kann gar nichts passieren. Du bleibst untenrum angezogen. Lass dir ruhig Geld zustecken, ich gehe immer mit einem höheren Schein drüber. Das wird eine Gaudi!“ Kurt war sprachlos, die anderen auch. Ich hatte noch nie einen solchen Spaß erlebt und fühlte mich großartig. Meine zweite Karriere als Stripteasetänzer wurde gerade geboren. Mir fiel meine Mutter ein. Die würde einen Nervenzusammenbruch kriegen. Aber Vater würde sich totlachen, da war ich mir sicher. Und Jenny hatte garantiert auch nichts dagegen. Für sie wäre das alles nur ein großer Jux. Ich konnte es wagen, öffentlich damit aufzutreten. Die Zuschauer sollten das Wichtigste ja nur erahnen und sich in ihrem Kopfkino ihr eigenes Programm dazu machen.

„Das wird eine neue Attraktion auf dem Kiez, Pa. Wir machen das Geschäft unseres Lebens, bis die anderen Clubs nachziehen und ebenfalls Jungs an der Stange zeigen“, freute sich Conny und nahm mich begeistert in die Arme. „Er muss etwas anderes anziehen. Nicht mit so einer einfachen Jeans. Mehr Kleidung und mehr Pep“, gab Suzanne zu bedenken. „Lasst uns doch rüber in den Laden gehen, da finden wir garantiert etwas Geiles“, schlug Rene vor. Wir verabschiedeten uns in Windeseile von Kurt. „Lass anschreiben, Conny. Ich bezahl den Kram morgen Mittag“, konnte der uns gerade noch zurufen. Einen Moment später standen wir bei Isabell im Erotikgeschäft. Suzanne sprach sie gleich auf unser Vorhaben an, Conny grüßte von Kurt und der würde den ganzen Plunder morgen auslösen. Isabell fing an zu lachen, als sie hörte, was die Mädchen sich für mich ausgedacht hatten. Aber sie lotste mich gleich in die Umkleidekabine. Nach und nach begann eine Modenschau der Sonderklasse. Ich sollte zu Anfang eine Mädchenmaske und ein langes Kleid mit eingenähten Brüsten tragen. Nach meinem spektakulären Überschlag sollte ich das Kleid ausziehen, die Maske Andy geben und als Mann weiter tanzen. Ich konnte alles zeigen, wie vorhin. Suzanne wollte noch ein paar Übungen an der Stange mit mir einstudieren. Den Rest durfte ich nach der Musik improvisieren. Babs suchte, während wir einkauften, in der Bar mehrere passende Musikstücke heraus, damit wir nicht nur an einem einzigen Song hängen blieben. Eigentlich hasste ich es, wenn ich Klamotten anprobieren musste. Aber heute war es anders. Es machte einfach nur Spaß, sich zu verkleiden. Nach einer halben Stunde hatten wir alles beisammen. In der Bar stieg ich mit Suzanne auf den Tisch. Die Bewegungen fielen mir nicht schwer. Ich tanzte fließend und weich, als wenn ich nie etwas anderes gemacht hätte. „Also, ich dachte, ich wäre schon gut. Aber du bist die absolute Krönung. Du solltest Tänzer werden“, meinte Corinne begeistert. Wir spielten alles noch einmal mit der Musik durch, wechselten einige Stücke aus und dann musste ich zu den Mädchen ins Umkleidezimmer. Corinne sagte, ich solle besser die Augen schließen, denn Suzanne wollte mich zusätzlich schminken. Statt einer Maske trug ich nun doch eine lange blonde Perücke und als ich die Augen wieder öffnete, erkannte ich mich nicht mehr. Ich war zu einer Frau geworden, wenngleich ziemlich offensichtlich Travestie, aber es sah einfach geil aus. Corinne wollte mir während der Show einen Spiegel vorhalten, damit ich mich abschminken konnte. Kleine Wattepads steckten sie mir in den eingenähten Busen. Kurz vor Mitternacht war es soweit. Ich hatte nun doch etwas Lampenfieber bekommen. Die Bar war gerammelt voll. Suzanne und Corinne kamen halbnackt in die Umkleide und nahmen ihr Geld aus dem Slip. Sie wünschten mir Glück. Ich stöckelte auf High Heels zur Bühne. Babs kündigte mich an. Die Musik begann und ich startete meine Show. Vor mir standen und johlten vorwiegend junge Männer und als ich meinen Überschlag machte, steckten sie mir die Scheine unter die Riemchen, die die Hose hielten. Ich trug erst lange weite weibische Pluderhosen. Noch wusste keiner, dass ich ein Mann war. Dann begann ich mich demonstrativ abzuschminken, holte Pad um Pad aus meiner Brust, bis sie ganz flach wurde. Am Schluss ging nichts mehr. Auch alle Oberteile verloren sich. Die Perücke landete in Andys Hand. Er blickte gespielt erschrocken aus der Wäsche. Ein seidenes Männerhemd gab nun endgültig meine Geschlechtszugehörigkeit preis. Die Hose flog, nachdem ich sämtliche Reisverschlüsse heruntergezogen hatte, zwischendurch animierte ich auch die männlichen Gäste dazu. Alle klatschten jetzt rhythmisch in die Hände. Ich stand im Tanga vor ihnen, baggerte die wenigen Frauen an und kitzelte dann die Männer am Kinn, deutete an, zu allem bereit zu sein. Kurt kam wie abgesprochen und rollte einen Hunderteuroschein zusammen. Ich zeigte ihm meinen Hintern, die Jungs im Laden grölten. Kurt küsste den Schein, machte seine Finger im Mund nass, streichelte meine Fuge und steckte ihn hinein. Ich schüttelte mich, kniff die Arschbacken zusammen und warf mich in seine Arme. Er trug mich zur Treppe. Dort drehten wir um. Ich ließ mir von einem Gast den Schein aus dem Hintern ziehen und verbeugte mich auf dem Tanztisch vor dem begeisterten Publikum. Der Umsatz an Getränken stieg für Kurt in astronomische Höhen, denn ich blieb so halbnackt, wie ich war und setzte mich an die Bar, umringt von Frauen und Männern, die mich nur anfassen wollten. Whow. Was für ein Auftritt. Kurt drückte mich. „Wahnsinn, Junge, das war die größte Show, die der Kiez je gesehen hat. Die Damen von der Travestie drüben werden dich gleich anheuern.“ „Ich hoffe nicht. Aber es war wirklich toll. Ich wusste gar nicht, dass ich das Talent zum Tanzen und Theaterspielen habe. Danke, Kurt. Das werde ich hier nie vergessen und irgendwann meinen Enkeln erzählen!“ Um halb zwei Uhr machte ich mich auf den Weg in Connys Wohnung. Er wollte bei Kurt übernachten und hatte mir seine beiden kleinen Zimmer zur Verfügung gestellt, damit ich mich für mein Date mit Dimitri ausschlafen konnte. Glücklich fiel ich nach dem Duschen ins Bett. Wie mochte mein Luxusfreier wohl aussehen? War er groß oder klein? Dick oder dünn? Mit Sicherheit besaß er eine pädophile Ader, so viel war klar. Ansonsten hätte er nicht auf einen noch sehr jung aussehenden Begleiter bestanden und ein kindliches Verhalten gewünscht. Ich dachte daran, mir morgen früh tatsächlich zwei kleine Löcher in ein Ohr stechen zu lassen. Jungenhafte Klamotten besaß ich. Zur Not konnte ich mir auch noch ein Sweatshirt aus der Twenabteilung im Kaufhaus holen. Ein Dombesuch klang gut und am Abend gab es einen neuen Starwars im Kino. Danach würden wir sicher ins Hotel gehen. Er sollte wie ein Onkel über mich bestimmen, denn ich war ja erst gerade mal vierzehn Jahre jung. Für den nächsten Tag hatte ich mir einen Besuch im Tierpark ausgedacht und später sollte es in den Dungeon gehen. Essen natürlich bei Mac Donald, wie es sich für einen Jugendlichen gehörte und früh zu Bett, mit dem Onkel, verstand sich. Ich stand noch einmal auf und nahm mir ein Bier aus dem Kühlschrank. Doch dann fielen mir die  Augen endgültig zu und ich merkte nichts mehr. Wir tobten in Moskau auf der Eisbahn herum. Irgendwann lag ich auf der eisigen weißen Fläche, mein Onkel Dimitri beugte sich über mich und lachte, er hielt etwas Weißes in der Hand. Ein Schneeball wurde über mein Gesicht gerieben und das kalte Wasser rann mir langsam durch den Ausschnitt meines Pullovers hinunter. Quiekend schlug ich die Augen auf. Das Eis war real in Form eines Eiswürfels, nur mein Onkel war keiner. Conny grinste und ließ das kalte Eis auf meine Brust tropfen. Meine Hand schnellte hoch, riss ihn zu mir aufs Bett und einen Moment später balgten wir uns. Allerdings hatte er keine Chance gegen mich. Durch die Kampfsporterfahrung war ich ihm so überlegen, dass er wie ein Ferkelchen unter mir lag und sich nur rührte, wenn ich es zuließ. „Gnade, Hilfe, Aua“, rief er und versuchte immer wieder frei zu kommen. „Nur, wenn du mir Frühstück machst“, sagte ich. „Niemals, ich bin dein Herr und Meister,…aaaah.“ „Wer ist der Boss?“, fragte ich und drückte seinen Kopf aufs Bett. „Du, okay, Frieden, ich tu alles, was du willst“, gluckste der strengste Zuhälter aller Zeiten. Na also. Auch den konnte man zähmen. Ich ließ los.

Nach dem Frühstück musste ich mich auf den Weg machen. Conny kannte einen guten Frisör auf dem Kiez, der mir die Ohrläppchen durchstechen konnte. Die Prozedur dauerte tatsächlich nicht lange. Ich kaufte mir zusätzlich auch noch ein paar Inliner und steckte meine Schuhe in einen Rucksack. Conny wuschelte durch meine Haare, damit sie nicht zu gepflegt aussahen. Wir fuhren mit der S-Bahn zum Flugplatz und warteten in der Ankunftshalle auf die Maschine aus Moskau. Ich sollte ein Cappy vom HSV tragen und hoffte, dass es nicht noch mehr Jungen damit gab. Herrjeh, Conny zog mich vielleicht mit dem Ding auf. Aber ich war der einzige, der sich damit auf den Flughafen wagte. Mein Zuhälter lotste uns zum verabredeten Treffpunkt. Dimitri sollte einen Handkoffer mit einem markanten Aufkleber bei sich haben. „Da ist er“, sagte Conny und zeigte auf einen ungefähr fünfzigjährigen untersetzten dunkelhaarigen Mann. „Dimitri?“, hörte ich ihn fragen. Der andere bejahte. Conny stellte sich vor und führte ihn zu mir in die Ecke der Eingangshalle. „Hello, I’m Max.“ Ich drehte mich unauffällig vor ihm herum. Er lächelte, nahm mich gleich freundschaftlich in den Arm. Ohne Scheu begann ich meinen üblichen Smalltalk, nur diesmal etwas kindlicher als sonst. Conny hörte sprachlos und interessiert zu. Mit der S-Bahn fuhren wir ins Hotel nach St. Pauli. Kurt hatte uns das Mercator gebucht. Conny war zufrieden und verabschiedete sich noch in der Empfangshalle von uns. Ich begleitete meinen neuen Onkel auf sein Zimmer, geradeso, als wenn er tatsächlich mein Onkel wäre und alles seine Richtigkeit besaß. Er hatte mich bereits als seinen Neffen eingecheckt und ein Doppelzimmer für sich reserviert. Die Dame an der Rezeption kannte mich natürlich und lächelte vielsagend. Sie dachte sich ihren Teil. Nicht wenige Gäste brachten abends Besuch mit ins Hotel. Meistens waren es Damen, die mit den männlichen Hotelgästen mitkamen. Solange der Aufenthalt bezahlt wurde, stieß sich im Hotel niemand daran. Man lebte schließlich auf St. Pauli und so etwas gehörte dort dazu. „Ich will erst mal duschen, du auch?“, fragte er, als wir aufgeschlossen hatten. „Klar, hilfst du mir beim Ausziehen, ich bekomme den blöden Reisverschluss von meiner Hose nie auf, da klemmt immer etwas.“  Er stellte seinen Koffer ab, zog mich an sich und küsste mich zärtlich auf Mund und Wangen. Ich ließ ihn alles machen. Es gefiel mir, einmal ganz passiv zu sein und die Rolle eines kleinen dreizehnjährigen und unerfahrenen Schülers zu spielen. Etwas ängstlich und verspannt sah ich zu, wie er geschickt erst meine Hose öffnete und sie mir dann auszog. Er führte mich auf das große Bett, streichelte meinen Körper und entkleidete mich dabei vollständig. Als er meinen Dildo bemerkte, lächelte er. Dann nahm er meine Hand, legte sie auf seine Hose und animierte mich, es ihm gleich zu tun. Vorsichtig, wie man es beim ersten Mal erlebt, tat ich, was er verlangte. Als wir nackt nebeneinander lagen, zog er mich plötzlich hoch und schob mich in die Dusche. Ich stand passiv, ließ es geschehen, dass er mich einseifte, mir das Haar und am Schluss die Geschlechtsteile und den Po wusch. Nachdem ich sauber vor ihm stand küsste er mich und rubbelte mich mit einem großen Badehandtuch ab.  Meine gespielte Starre blieb ihm nicht verborgen. Aber er sagte nichts, sondern, ich hatte den Eindruck, es erregte ihn  und auch er ließ sich in seine Rolle fallen, in die, des erwachsenen Verführers. „Habe keine Angst, mein kleiner Schatz, ich tue  dir nicht weh. Ich will dich nur ein bisschen lieb haben“, sagte er mit warmer weicher Stimme. Ich nickte. „Ich, ich war noch nie mit einem Erwachsenen zusammen. Zeigst du mir alles?“, fragte ich. Hilflosigkeit, Neugierde und eine Portion Schüchternheit lagen in meinem Tonfall. „Ich werde dich jetzt zärtlich küssen und streicheln und du tust dasselbe mit mir. Nimm dann meinen Schwanz in die Hand und reibe ihn, danach beugst du dich zu ihm runter und berührst ihn mit dem Mund. Wenn ich soweit bin, zeig ich dir, wie sich ein Junge vor einen Mann kniet. Du brauchst gar nichts tun. Lass dich nur in meine Hände fallen. Siehst du, ich hab auch Creme für dich.“ Er legte eine teure Gleitcreme neben sich aufs Bett. Ich gehorchte, nahm aber geschickt einen Gummi aus meiner Hosentasche und zog ihn über seinen festen Schwanz. Er ließ es lächelnd geschehen und stöhnte auf, als ich ihn danach zärtlich liebkoste. Ich musste aufpassen, dass ich nicht zu viel Professionalität an den Tag legte und mich immer wieder zurücknehmen, damit er die Führung und die Oberhand behielt. Es war ungewohnt. Normalerweise waren Stricher abgebrüht und bestimmten, wo’s lang ging. Diesmal verhielt ich mich umgekehrt. „Ist es so richtig?“, fragte ich in gespielt kindlicher Weise. Hey, das war nicht schlecht, ausnahmsweise mal wie ein kleiner Junge behandelt zu werden. Er nahm mich, ich stöhnte auf. Am Schluss ließ er mich auch kommen. „Hast du etwas zu trinken?“, fragte ich, als wir erschöpft im Bett lagen. „Schau im Kühlschrank nach.“ Ich nahm mir eine Cola heraus, griff die Fernsteuerung und schaltete den Fernseher ein. „Du bist großartig“, sagte er. „Man könnte auf die Idee kommen, du wärst wirklich noch ein Junge. Und der Dildo stört mich nicht. Im Gegenteil. Komisch, obwohl ich stockschwul bin und ausschließlich auf kleine Boys stehe.“ „Ich bin ja auch ein Junge. Erst, wenn der Dildo weg ist und ich operiert bin, werde ich männlicher. Noch ist der Stimmbruch nicht so stark. Und Körperbehaarung hab ich auch noch keine. Ich muss mich nirgends rasieren. Es war schön bei dir. Was hast du noch mit mir vor? Wollen wir auf den Dom gehen und vielleicht danach ins Kino?“ „Was gibt es denn?“ „Den neuen Starwars Film, aber wenn du nicht willst, machen wir, was du möchtest“, beeilte ich mich zu sagen. „Nein, Dom ist schön, da können wir auch etwas essen. Du bist mein Junge und darfst dir wünschen, was du willst. Im Hotel schenkst du mir dafür eine kleine Gefälligkeit, wie die eben. Es war auch schön mit dir.“

Eine halbe Stunde später waren wir auf dem Heiligengeistfeld angekommen. Ich wurde wirklich wieder zu einem Kind. Die Buden und Fahrgeschäfte, die Lichter und die vielen Gerüche der Leckereien übten eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Was wollte ich zuerst? Autoscooter, dachte ich. Einen Moment später saßen wir drinnen. Ich lenkte und fuhr bewusst die anderen Fahrer an. Dimitri griff mir mehrfach ins Lenkrad und bugsierte uns aus kniffligen Situationen heraus. „Lass uns etwas essen. Magst du eine Bratwurst?“, fragte er, als wir ausgestiegen waren. „Gerne, darf ich auch eine Pommes dazu haben?“ Er lachte. Wir setzten uns in eine Bude. Dimitri spielte den Onkel perfekt und benahm sich fast schon fürsorglich wie ein Vater. Wir wären für Vater und Sohn durchgegangen. Ich wollte Schießen. Er bezahlte und schoss mit. Er war sehr gut darin und ich fragte mich, welcher Art seine Geschäfte wohl waren. In Russland bekamen Homosexuelle Probleme, wenn sie sich dazu bekannten und auf Sex mit Jugendlichen stand Knast. Dimitri musste zuhause vorsichtig sein, mit seiner Neigung. Das wusste er und ich kam ihm natürlich gerade recht. Fahrgeschäfte, Losbuden, Eis, ich ließ nichts aus und amüsierte mich köstlich. Es gefiel ihm allerdings auch und um halb acht Uhr brachte ich ihn wieder zur U- Bahn. Wir fuhren zum Kinocenter. Er hatte seinen Arm um mich gelegt. „Mach ruhig. Nimm gute Plätze und kaufe dir zu Naschen. Geld spielt bei mir gar keine Rolle. Zu Hause ist das, was wir tun, verboten. Es stehen schwere Strafen auf Liebe mit Jungen. Auch erwachsene Männer dürfen sich nicht outen. Ich bin sehr glücklich mit dir, mein kleiner Schatz“, raunte er mir ins Ohr. Ich schmiegte mich fest an ihn. Während der Vorstellung übersetzte ich ihm das Meiste ins Englische. Dimitri sprach ganz gut Englisch, sein Deutsch ließ zu wünschen übrig. Auf dem Heimweg ins Hotel gab ich ihm Unterricht. Ausgelassen landeten wir um elf Uhr auf unserem Zimmer. Er nahm mich wieder und auch am anderen Morgen stand ich seiner Lusterfüllung zur Verfügung. War das ein herrliches Weekend. Er wollte nicht in den Zoo, sondern erst in den Dungeon und danach auf die Gokartbahn. Ich erlebte alles, was einen Jungen glücklich machen konnte. Am Abend blieb ich allein im Hotel. Er hatte um acht Uhr einen geschäftlichen Termin und konnte mich nicht mitnehmen. Diesmal lief ich nicht weg, sondern tobte ins Schwimmbad und schaute Fernsehen. Um elf Uhr kam er gutgelaunt zurück. „Die anderen wollten noch auf die Reeperbahn. Ich habe ihnen gesagt, dass ich meinen jungen Neffen bei mir habe und auf ihn aufpassen muss. Das will ich jetzt tun. Komm, hab mich lieb.“ Ich tat ihm den Gefallen gerne, denn ich hatte mich inzwischen an unser Familienleben gewöhnt. So ein Onkel war nicht verkehrt. Und erwachsen würde ich noch früh genug werden. Mein kindliches Aussehen hatte doch sein Gutes. Ich dachte an die Operation. Noch fünf Tage, dann war Schluss mit Hamburg. Ich sollte in zwei Tagen Ken treffen. Am Sonntag hieß es dann, Abschied nehmen. Das Abi stand an und kurz danach zu Beginn der Sommerferien, am 8. Juli, mussten Rene und ich in Berlin sein. Am 9. sollte ich operiert werden, einen Tag später Rene. Omas Worte aus meinen Kindertagen fielen mir ein. Ob es wehtun würde? Sicherlich. Es war eine große Operation, die um die zehn Stunden dauerte. Hinterher kamen wir auf die Intensivstation und natürlich musste es Schmerzen geben. Je näher der Termin rückte, umso intensiver wurden meine Gedanken an den Eingriff. Ich lag lange wach im Bett, blickte ins funkelnde Licht der Reklameschilder, das durch die Vorhänge in unser Hotelzimmer fiel und fühlte Dimitris feste Arme um meine Hüften. Er schlief bereits und irgendwann schloss auch ich die Augen. Ich träumte von der ersten Bekanntschaft mit Conny, die just hier vor etwas mehr als zwei Jahren ihren Anfang genommen hatte. Ich fühlte Druck in mir, roch Kais Atem, öffnete die Augen und lag auf dem Bauch, während sich Dimitri in mir abmühte. Es war bereits früher Morgen. Ein letztes Aufstöhnen, dann hieß es auch für uns adieu zu sagen. Ich würde ihn sicher nicht mehr wieder sehen. Ken sollte mein Edelstricherleben hier beenden. Mit ihm hatte es ja auch begonnen. Ich wollte vor dem Sommer nicht wieder hierherkommen und nach der Operation musste ich mir viel Erholung gönnen. Im September begann unser Studium in München. Dort erwartete mich dann das Leben eines biederen jungen Studenten. Zudem war ich ja auch schon so gut wie verlobt.  Ein tiefer Seufzer und ich dachte bereits mit Wehmut an die schöne Zeit hier in Hamburg. Nicht mehr lange und ein neuer Lebensabschnitt fing für mich an. Niemand konnte sich dem entziehen. Das war wenigstens ein kleiner Trost. Ich fühlte mich noch gar nicht so alt und reif für die Reifeprüfung. Eigentlich passte die Rolle des Dreizehn-Vierzehnjährigen viel besser zu mir. Ich brachte Dimitri zum Flugplatz und nahm dankend den Umschlag in Empfang. In der Bar wartete mein Zuhälter Conny auf sein Geld. Ich gab ihm allerdings nicht alles. Kurt zahlte ihm ein großzügiges Gehalt, Moana schaffte für ihn an und auch von Rene und Andy bekam er etwas. Nein, ich wollte mir meinen letzten Verdienst aufbewahren, um heimlich für mich noch ein paar Rücklagen zu behalten. Auch von Ken würde er nur einen kleinen Teil abbekommen. Da konnte er ruhig murren. Aber er tat es merkwürdigerweise nicht. Wir saßen zusammen an der Bar. „Heb dir dein Geld jetzt auf, vielleicht brauchst du es in München. Ich will euch mit Rene besuchen kommen, dich und Andy. Er erzählte schon von eurer WG.“

Meine Gedanken lösten sich langsam auf und die Realität nahm mich wieder ein. „Danke, es ist nicht billig in der heimlichen Hauptstadt. Ihr könnt bei uns pennen und wir werden euch in der Mensa mit uns futtern lassen. Vielleicht ergeben sich ja doch noch Dates. Ken will mich auch in München besuchen. Dimitri hat sich nun doch meine Telefonnummer geben lassen und mein Sensei natürlich ebenfalls. Eigentlich möchte ich diese Art Arbeit dort nicht mehr machen, aber ich bin dann ja vollkommen auf meinen Vater angewiesen und es ist natürlich leicht verdientes Geld. Ich bin im Augenblick etwas gespalten, wobei, vielleicht ist es auch die Aufregung vor dem Studium.“ „Solange es keiner merkt, ist es doch eine gute Einnahmequelle. Ich kann Kurt fragen, ob wir nicht eine Kneipe in München aufmachen wollen, im Studentenviertel. Dann sind wir öfter zusammen und Rene wird nach seinem Studium tatsächlich schwuler Geschäftsführer mit Federboa!“ Ich fing bei dem Gedanken an zu kichern. „Dass du das noch weißt! Ich hatte damals wirklich Angst, du würdest nie wieder etwas mit uns zu tun haben wollen.“ „Ich war auch sauer auf dich, das kannst du mir glauben. Allerdings dachte ich dabei ja auch nur an mich. Ich gefiel mir in der Zuhälterrolle, obwohl ich genau wusste, dass ihr beide mitgespielt habt. Wenn ihr nicht gewollt hättet, wäre ich kläglich gescheitert. Und so kam es ja auch und ich wollte es nicht wahrhaben, schämte mich dann vor euch und um meinen Kummer noch zu vergrößern, machte ich zusätzlich diesen blöden HIV Test. Wenn ihr an dem Abend nicht aufgekreuzt wärt, hätte ich mir vielleicht das Leben genommen. So bekam ich Hilfe und dann fand ich auch noch zu Kurt. Schon merkwürdig, wie das Leben so spielt. Max, ich liebe dich. Danke für alles, was du für mich getan hast.“ Wir sahen uns mit Tränen in den Augen an und lagen uns küssend in den Armen. Ja, ich liebte meinen Conny genauso. Und ich freute mich, über die vielen Freunde, die ich gefunden hatte. Es waren Freundschaften, die ein ganzes Leben halten würden. Das ahnte ich in diesem Augenblick bereits. Egal, was auch passierte, egal, wo wir beruflich und privat landeten, wir würden immer Freunde sein und einander helfen, wenn es nötig war. Moana schob sich zwischen uns und kletterte auf Connys Schoß. Sie nahm ein Bündel Geldscheine aus ihrem Dekolletee und steckte es Conny zu. „Kurt war im Laufhaus und ich soll dir sagen, dass er es schön fände, wenn du heute Abend wieder tanzt“, sagte sie zu mir. „Na, wenn er so bittet, muss ich das ja wohl“, entgegnete ich. „Aber nur, wenn du mir noch einmal einen solchen Cocktail mixt. Dann werde ich mich in Connys Wohnung zurückziehen und noch etwas schlafen. Die Nächte werden sehr lang in eurer Bar.“ Sie gab mir einen Kuss und verließ ihren Zuhälter. Einen Moment später prosteten wir uns alle drei mit frischen Getränken zu. „Soll ich dich begleiten?“, fragte Conny. „Besser nicht, sonst lässt du mich nicht zur Ruhe kommen. Da ist noch etwas Büroarbeit für dich. Sei deinem Daddy ein braver Junge und lerne die geschäftliche Seite.“ Conny seufzte. Es war nicht weit zu seiner Wohnung. Ich stellte mir den Handywecker auf halb sieben Uhr und schlief nach kurzer Zeit ein. Plötzlich klingelte es Sturm an der Haustür, irgendjemand hämmerte sogar mit der Faust dagegen. Scheißtraum, wer macht da solchen Krach, dachte ich und zog mir im Halbschlaf das Kissen über den Kopf. Von weit her drangen Stimmen an meine Ohren. „Polizei, machen Sie die Tür auf!“ Huch, das war real und kein Traum. Ich stand plötzlich senkrecht und sah auf den Wecker. Es war erst fünf Uhr durch. „Einen Moment“, rief ich völlig neben mir. Die Hosen lagen hier doch irgendwo herum. Ach, da. Ich schlich die Treppe nach unten, öffnete die Tür einen Spalt.

Zwei Männer in Zivil standen draußen. Sie zeigten mir ihre Polizeiausweise. „Herr Konrad Peters?“, fragte der Jüngere. Das war eine gute Frage. Endlich wach. „Nein, der ist in der Bar und arbeitet. Ich schlaf hier nur“, antwortete ich trotzdem noch völlig perplex. „Und wer sind Sie?“ Gute nächste Frage. Eh, was soll das, was wollen die Bullen von mir? Sind das überhaupt welche? Beunruhigt versuchte ich, mir nichts anmerken zu lassen. Ich griff in den Rucksack und zog meinen Ausweis hervor, reichte ihn durch die Tür. Stirnrunzeln auf der anderen Seite. „Hier steht Maximiliane, aber das Foto sieht nach Ihnen aus?“ Ja, ach Gott. Das muss doch auch so sein.  „Ich bin Frau zu Mann transsexuell und werde im Sommer nach meinem Abitur operiert. Dann stelle ich die Anträge auf Vornamens-und Personenstandsänderung. Ende des Jahres oder Anfang des Nächsten liegen wahrscheinlich die Gerichtsbeschlüsse vor, so dass ich die Geburtsurkunde und danach den Personalausweis umschreiben lassen kann“, erklärte ich. „Ich bin bei Doktor Reimers in Behandlung.“ Innerlich kehrte etwas Sicherheit zurück, als ich auch noch ein kurzes Schreiben vom Doc aus dem Rucksack fischen konnte, welches meine Aussage bestätigte. Er las und machte sich Notizen. „Wenn Sie zu Conny wollen, warten Sie einen Augenblick. Ich ziehe mich an, denn ich muss auch in die Bar. An Schlafen brauche ich jetzt nämlich nicht mehr zu denken“, setzte ich nach. „Nichts für ungut, Herr von Wildenstein. Es ist nichts Schlimmes. Wir brauchen nur eine Auskunft von Herrn Peters.“ Ich nickte mit dem Kopf. Die zwei waren echte Bullen, das spürte man. Hoffentlich hatte Conny nichts ausgefressen, dachte ich trotzdem. „Ich würde Sie gerne hereinbitten, nur, es ist nicht meine Wohnung. Wenn Sie möchten, lass ich die Tür auf und Sie warten hier im Flur. Es dauert nicht lange“, sagte ich. „Ist nicht nötig. Wir kennen die Bar. Dann sehen wir uns gleich dort. Vielleicht können Sie uns auch noch weiterhelfen.“ Die beiden gingen genauso schnell, wie sie gekommen waren. Ich überlegte. Zielgerichtet nahm ich dann mein Handy aus dem Rucksack. Zuhälters Nummer war eingespeichert. „Conny, du bekommst gleich Besuch von zwei Bullen. Die sind echt, also mach keinen Scheiß. Kurt hat mit denen ein gutes Auskommen. Die tun ihm nichts und er hält sich an die Gesetze. Die sagten, es ist auch nichts Schlimmes, sie brauchen nur eine Auskunft von dir.“ „Ach, wie nett. Was muss man als Zuhälter nicht alles erleben. Nein, aus dem Alter, wo ich vor der Polente türme, bin ich raus. Haben die sonst was gesagt?“ „Nein, bis gleich.“ Er legte auf. Langsam wurde ich wieder lebendig und konnte nach einer Weile das Haus verlassen. Als ich in die Bar kam, saßen die drei bereits an einem Tisch in einer Nische. Conny winkte mir gleich zu. „Max, es geht um den Idioten, von damals“ sagte er und wandte sich wieder an die Polizisten. „Der junge Mann hier ist Kampfsportler und hatte den Kerl so flink zu Boden gebracht, so schnell konnte ich gar nicht gucken. Der Typ ist mit der Masche weiter gereist, Max. Die Bul… die Polizei sucht Zeugen.“ Ich setzte mich. „Ja, das stimmt. Er wollte uns abzocken und Conny hatte ihm erklärt, dass er abhauen sollte. Da zückte er ein Messer. Das konnte ich nicht zulassen und hab ihm das Ding weggenommen.“ „Und wo ist das Messer jetzt?“, fragte der ältere Polizist. „Ich hab‘s erst Conny gegeben und dann kam Kurt und hat es eingesteckt. Vielleicht liegt es hier irgendwo. Kurt bewahrt einiges an Müll in seinem Safe auf, den er Gästen abgenommen hat, damit die keinen Scheiß damit machen können. Ist er schon da?“, fragte ich Conny. Der schüttelte den Kopf. „Ich rufe ihn kurz an. Es ist sein Safe und ich weiß zwar, wo die Kombi liegt, aber da möchte ich nicht selbst rangehen, auch wenn er mein Vater ist.“ Conny telefonierte und erklärte Kurt, worum es ging. Er stellte sein Handy laut.

„Das hab ich in meinen Safe gelegt. Da liegt ein ganzes Arsenal an Waffen, von verrückten Kunden. Eigentlich können die Herren den ganzen Plunder gleich mitnehmen und wer etwas wiederhaben will, den schick ich zur Davidswache. Ich bin in zehn Minuten da. Versorg die Jungs mit Getränken, Conny.“ Babs kam bereits mit einem Drink für mich. „Dann war es ja doch gut, dass wir Sie angetroffen haben. Der Mann hat in einem anderen Stadtteil ebenfalls einen Passanten angesprochen und wollte Geld. Als dieser ähnlich wie Sie reagierte, griff er ihn mit einem Messer an. Leider hatte der ältere Herr weniger Glück und liegt jetzt schwer verletzt im Krankenhaus. Aber wir haben den Täter gefasst und er hat nicht nur diesen Überfall gestanden, sondern auch andere Versuche zugegeben.“ Bedauerlich, dachte ich. Vielleicht hätten wir den Typen schon damals anzeigen sollen. Aber mit was sollten wir unsere Anwesenheit auf dem Kiez erklären? Ich wollte auch als Zeuge nicht gerne vor Gericht aussagen und meine Identität dazu preisgeben müssen. Conny erriet schnell meine Gedanken. „Was wird nun? Müssen wir auch als Zeugen vor Gericht?“, fragte er. „Möglicherweise, aber es reicht, wenn einer kommt. Ich kann natürlich dem Richter nicht vorgreifen. Wenn der Staatsanwalt Sie beide als Zeugen vorlädt, müssen Sie auch beide kommen. War noch jemand bei Ihnen?“ Ich grinste, blickte Conny an. „Ja, mein Freund Rene. Er wohnt in Norderstedt und geht noch zur Schule. Wenn Sie einen Moment Zeit haben, rufe ich ihn an. Dann kann er seine Aussage auch gleich mit abgeben. Hier versucht man mit der Polizei einvernehmlich auszukommen und geht ihr eigentlich aus dem Weg. Egal, ob als Opfer, Täter oder Zeuge.“ Die beiden lachten. „Der Kiez hat seine eigenen Gesetze, ich weiß. Manchmal kooperieren wir ganz gut. Und mit Herrn Röttger hatten wir noch nie Schwierigkeiten. Allerdings ist der auch mit allen Wassern gewaschen“, meinte der Ältere. „Rufen Sie ihren Freund ruhig an. Wenn er sowieso hergekommen wäre, dann brauchen wir nicht zu ihm nach Hause fahren.“ Conny lächelte. Behutsam erklärte er Rene, der bereits in der S-Bahn saß, was passiert war. Wir unterhielten uns nach dem Gespräch über Kampfsport und mein Training. „Guten Abend, die Herren. Ach, das ist Herr Kommissar Specht, dachte ich mir. Und den Herrn, kenne ich noch nicht“, Kurt gab beiden Männern die Hand. „Mein Kollege, Kommissaranwärter Schulz“, erklärte Specht. Babs stellte ein Bier vor ihren Chef. „Was kann ich euch noch Gutes tun?“, fragte sie in die Runde. Wir wollten alle noch einmal dasselbe. Kurt lachte. „Das sag ich dir nachher, mein Schatz. Conny, hier sind die Safeschlüssel. Auf den Klamotten sind ohnehin auch meine Fingerabdrücke drauf, aber lass dir von Babs ein paar Latexhandschuhe geben und packe den ganzen Plunder in eine Plastiktüte. Das Messer kennst du ja, das geben wir gleich gesondert ab. Mir wäre es am liebsten, wenn ich alles loswerde. Was soll ich mit dem Müll? Da sind Schlagringe dabei, Schreckschusswaffen und Pfefferspraydosen. Ich nehm‘ den Kunden die Sachen ab, wenn ich sehe, dass einer damit rumfuchtelt und zu meinen Mädels will“, erklärte Kurt. Conny tobte gleich los. „Kennst du den Typen, der deinen Jungen angegriffen hat?“, fragte Specht. Hey, was war das? Ich traute meinen Ohren nicht. Die duzten sich? „Jein, Sandy, eine meiner Deerns, kam so zwei Wochen vor dem neuen Vorfall zu mir und berichtete, dass sie ein Kerl abziehen wollte. Sie ist daraufhin nicht mit ihm gegangen, kam hierher und ich hab ihn mir nach ihrer Beschreibung zur Brust genommen, als er gerade dabei war, ein anderes Mädel anzuquatschen. Ich drohe erst mit Kiezverbot, meistens kommen die danach auch schnell zur Besinnung und haben Angst vor uns alteingesessenen Lokalbesitzern. Wir helfen uns hier gegenseitig. Anders funktioniert das auch nicht auf der Sündenmeile.“ „Ja, das reicht uns auch schon. Dein Junge hat Glück gehabt, dass sein Freund schneller war als der Messerstecher. Der hat drüben in St. Georg einen älteren Mann angegriffen und schwer verletzt. Der Mann hatte gar nichts mit dem Strich zu tun, sondern wohnte dort nur. Danke, Kurt, das langt sicher für den Staatsanwalt und natürlich auch für die U- Haft. Ist der Junge dort, der dritte im Bunde?“, fragte er. Ich nickte. Rene kam auf uns zu. „Gib deinen Ausweis und erzähl Herrn Kommissar Specht, was an dem Abend passiert ist, als ich euch aufgelesen hab“, fordert Kurt ihn auf. Rene setzte sich. „Wo ist Conny? Aber ist egal. Der Typ wollte Geld von uns, Conny hat gesagt, er soll sich verpissen, er wär garantiert kein Bul…kein Polizist. Dann zog der ein Messer aus der Jacke und das andere ging ziemlich schnell. Max hat ihn gleich aufs Kreuz gelegt, der Penner sah vielleicht überrascht aus, als er vor uns auf dem Boden kauerte. ‘N Augenblick später war Kurt da.“ Conny brachte eine Plastiktüte und legte sie auf den Tisch. Er zog sich die Handschuhe aus. „Meine Güte, Pa, damit kannst du einen ganzen Waffenladen aufmachen. Dein Safe sieht jetzt richtig leer aus.“ „Gottseidank, dann ist ja wieder Platz fürs Geld da.“ Wir mussten alle lachen. Specht blickte neugierig in die Tüte. „Welches ist denn das Messer?“ „Hier“, Conny zog es mit einem Handschuh heraus. „Packen Sie ein, Herr Schulz, und dann werden wir uns verabschieden.“ Der Anwärter legte die Waffe in einen durchsichtigen Beutel. „Was habt ihr Jungen eigentlich dort auf der Straße gemacht?“, fragte er danach in die Runde. Upps. Die Frage hatte ich gerne vermeiden wollen. Doch noch ehe wir antworten konnten, kam unerwartet Hilfe. „Das tut für unsere Ermittlungen nichts zur Sache, Schulz! Kurt, vielen Dank für Drinks, Auskünfte und“, er zeigte auf die pralle Tüte, „für die Blumen!“ „Immer wieder gerne, Thorsten. Unsere Zusammenarbeit macht das Leben hier sehr erholsam. Wenn du mal Bedarf hast, und Luftveränderung brauchst, komm her, meine Mädels stehen dir gerne zur Verfügung.“ Specht knuffte ihn. „Sag das nie meiner Andrea, die kauft sich sonst schwarze Stiefel und eine Peitsche, wenn ich fremdgehe.“ Die Stimmung konnte nicht ausgelassener sein. Kurt schob uns grinsend ins Büro.

„So, Max geht an die Stange und probt, wie sich das für einen meiner Tänzer gehört. 500 für deinen Auftritt, okay?“ Ich sperrte die Augen auf. „Ja, natürlich. Ich krieg auch noch Geld für den Spaß? Danke, I’ll do my very best!“ „Hey, Pa, und was ist mit mir?“, fragte Conny. „Du kannst etwas an die Ohren haben. Du und Rene, ihr wolltet ja nicht tanzen. Corinne sagt, ihr habt euch selten so dämlich angestellt. No dance, no money, und jetzt ‘raus mit euch. Rene kann dir bei den Getränken helfen. Und Andy stellt ihr hinter die Bar zu Babs. Er soll sich sexy schwul anziehen und die männlichen schwulen Gäste bedienen. Da ist er in seinem Element.“ Conny schüttelte seufzend den Kopf. Ich legte den Arm um ihn. „Komm, mein Zuhälter, ich geb‘ dir 200 ab. Damit du mich nicht wieder über das abgewetzte Sofa legen kannst.“ „200? Dafür kriegst du eine Tracht Prügel, die sich gewaschen hat, mir steht dein ganzer Verdienst zu, du ungezogenes Pony!“ Wir balgten uns. Ich klopfte bei den Mädchen an und durfte mich bei Ihnen umziehen. Corinne begleitete mich an die Stange. Wir mussten uns erst warm tanzen, bevor wir einzelne akrobatische Übungen trainieren konnten. Nach einer halben Stunde tanzte ich so gelenkig, als wenn ich nie etwas anderes getan hatte. Suzanne gesellte sich zu uns. Ich hob beide Mädchen abwechseln hoch. Was für ein Vergnügen. Die Verrenkungen machte uns so leicht keiner nach. Ich wunderte mich zeitweilig, wie gut ich meinen Körper kontrollieren konnte und der Spaß, den wir hatten, war für unsere Zuschauer offensichtlich. So bekam ich also meine täglichen Trainingseinheiten für den Kampfsport und fürs Reiten auch noch gratis. Lächelnd bemerkte ich Andy. Er stand bewundernd in der Bar und himmelte mich an. Ihm gefiel sein neuer Ferienjob, das sah man. Ich baggerte ihn an, wohl wissend, was ich bei ihm damit auslöste. Als ich in der Pause einen Drink bestellte, zog er mich gleich zu sich. „Ich würde gerne mit dir mal kurz aufs Klo“, raunte er mir zu. Warum, konnte ich an seiner Hose fühlen. Das war mit Sicherheit kein Schlüssel, was sich da so hart abzeichnete. Warum also nicht? Die Mädchen grinsten. Wir schlichen uns schnell nach hinten. Die Bar war ja auch noch nicht geöffnet. In einer Kabine machten wir es uns gemütlich. Andy bediente sich an meinem Hintern und kam schneller, als es ihm und mir lieb sein konnte. Schnaufend zog er sich die Hosen wieder hoch. Gerade als wir aus der Tür hinausgehen wollten, stutzte ich. Hatte sich in der anderen Kabine nicht etwas bewegt? Auch Andy spitzte die Ohren. Hier half nur die Feuerleiter. Ich kletterte an ihm hoch und sah hinüber. Schitt. Ein junger Mann lag zusammengekrümmt auf der Erde neben dem Klobecken. Daneben eine leere Spritze. Sein linker Arm war von Einstichen übersät und am Oberarm abgebunden. „N’Junkie“, flüsterte ich ich zu Andy. „Kurt?“, fragte er. „Ist besser“, meinte ich nach kurzem Nachdenken. Ich wusste, dass Kurt nicht gleich die Bullen holen würde und er meistens auch großes Mitleid mit den Drogenabhängigen hatte. Andy ging und kam einen Augenblick mit Kurt und Conny zurück. Die Tür war abgeschlossen. Ich musste wieder hoch und in die andere Kabine hinunterklettern. Der Junge durfte um die Zwanzig sein. Er bewegte sich nicht, als ich ihn vorsichtig am Arm berührte. „Ist er tot, Pa?“ Conny blickte fast ängstlich auf den reglosen Körper. Kurt fasste an dessen Hals und schüttelte erleichtert den Kopf. „Nein, der hat sich nur einen ordentlichen Schuss gegeben. Kommt, helft mir mal. Wir bringen ihn in mein Büro, aufs Sofa.“ Wir fassten alle an. Der Junge schlug auf der Liege die Augen auf. „Ganz ruhig, keiner tut dir was. Aber im kalten Klo kannst du nicht bleiben“, meinte Conny und lächelte ihn beruhigend an. Moana kam mit einer Cola herbeigeeilt. „Eigentlich wäre ein heißer Tee besser“, erklärte sie und setzte sich zu dem Jungen. „Wie heißt du?“ „Mark“, er griff dankbar nach dem Getränk. „Ich bin gleich wieder fit. Das Zeug war sehr stark und hat mich umgehauen“, grinste er perfide. Es war nicht zu fassen. „Du hättest auch tot sein können. Niemand weiß, was in dem Zeug drin ist. Das kommt aus Kolumbien oder sonst wo her. Am Anfang ist es noch rein und wird von Chemikern untersucht. Aber dann ist Schluss. Jeder, der es in der Folge in die Hände bekommt, will daran verdienen und streckt es mit Mehl oder Stärke. Von den Dealern hat keiner mehr Chemie studiert. Die wissen selbst nicht, was sie da tun. Du solltest schleunigst damit aufhören!“, versuchte ich ihn zu überzeugen. Kurt nickte. „Ja, Max hat Recht. Wir kennen einen Sozialarbeiter und ich hab auch Kontakte zu Ärzten, du müsstest in eine Entzugsklinik, damit du clean wirst.“ Der Junge sah fürchterlich aus und er stank. Moana rümpfte die Nase. „Kleiner, du solltest erst einmal duschen und etwas ordentliches anziehen. Ich schau mal nach, ob ich was finde. Hier vergessen Kunden oft sogar ihre Unterhosen.“ Das war auch kein Wunder, im Puff. Ich konnte nicht mehr vor Lachen und küsste Moana. „Stopp“, meinte Conny und schob seine Hand zwischen uns, „oder bezahlen.“ „Kurt, kannst du deinem Sohn mal einen Satz warme Ohren spendieren? Der wird komisch!“ „Womit hab ich euch nur verdient. Geh an deine Arbeit, Max und du auch Andy. Conny, hilf Mark in die Dusche, wenn er wieder laufen kann. Du kannst danach gehen, wenn du okay bist. Aber setz dir deine Schüsse woanders. Meine Bar ist kein Junkiehotel.“

Als ich später an der Stange trainierte kam unser ungewollter Besuch zu uns. Er wollte sich bedanken und entschuldigte sich sogar bei Kurt. Das war für den keine Ursache wert. Kurt half gerne. Mark blickte mich bewundernd an. „Ich hab auch mal getanzt“, erzählte er. „Aber im Ballett, als Junge. Ich komme aus der Ukraine. Meine Eltern wollten in den Westen, damit ich mal ein besseres Leben führen könnte. Irgendwie ging alles schief. Sie starben kurz hintereinander und ich sollte zu meinem Onkel nach Kiew abgeschoben werden. Als der Rückführungstermin da war, bin ich dem Jugendamtsheini abgehauen und untergetaucht. Seitdem leb ich auf der Straße, hab geklaut, angeschafft und häng jetzt auch noch an der Nadel. Manchmal hoffe ich auf den goldenen Schuss, der mich zu meinen Eltern bringt.“ Corinne und Suzanne saßen still neben uns. „Daran darfst du gar nicht denken. Warum fragst du nicht Kurt und gehst zum Arzt. Der hat Connections. Du musst in ein Krankenhaus und danach kannst du arbeiten, zur Schule gehen oder was du immer magst. Es liegt ganz bei dir, ob du dich zugrunde richten willst. Deinen Eltern hilfst du damit nicht, dir erst recht nicht und ich glaub, deine Mutter würde sich im Grabe umdrehen, wenn sie wüsste, wie schlecht es dir geht.“ Uff. So viel hatte Corinne noch nie von sich gegeben. Man sah ihr an, dass sie Mark mochte. Der schaute sichtlich bedrückt und beschämt auf den Boden. „Ich überleg es mir. Ich komm wieder. Danke noch mal, für alles“, stammelte er und lief zur Tür. Das war besser als nichts. Wir wussten alle, wie schwer es die Junkies hatten. Wer aussteigen wollte, brauchte einen Arzt und einen Therapieplatz und musste den Kiez ganz schnell verlassen, denn die Dealer lauerten ihnen immer wieder auf, um sie ins Drogengeschäft zurückzuholen. Es war neun Uhr geworden. Ich musste mich umziehen und schminken. Um halb zehn Uhr machte Kurt den Laden auf. Um zehn Uhr war es schon gerammelt voll. Mein Bild hing seit Tagen im Fenster. Kurt hatte gewaltig auf die Werbetrommel geschlagen, das zahlte sich jetzt aus. Der Abend wurde großartig für uns alle. Die Leute klatschten, tobten und verlangten immer neue Zugaben von mir. Die Boys steckten mir grinsend ihre Scheine in den Slip und auch die Frauen wollten mich überall anfassen. Ich tanzte sie bewusst erotisch an und baggerte, als wenn es ums Leben ging. Um zwei Uhr schlich ich mich ausgepowert in die Umkleide. Morgen, eigentlich heute, sollte ich ja Ken vom Flugplatz abholen. Ich freute mich auf ihn und ein wenig Schlaf würde mir guttun, dachte ich, beim Abschminken. Conny gab mir seinen Schlüssel. „Ich schlaf bei Kurt. Da hab ich mehr Luxus, wie sich das für den Sohn eines Kiezladenbesitzers gehört. Ponys pennen im Stall.“ Ich drehte mich und deutete das Ausschlagen mit dem Huf an. Und fiel in seiner Hütte kraftlos aufs Bett. Traumlos schlief ich bis zum Morgen. Um halb zehn Uhr kitzelten Sonnenstrahlen an meiner Nase. Heute und morgen durfte ich Ken wieder verwöhnen. Ende der Woche ging es dann für Andy und mich heim. Wann wir uns hier alle wiedersehen würden, stand in den Sternen. Gleich nach unserem Abi im Juli wurden Rene und ich operiert. Er würde direkt mit seinen Blutwerten, Röntgenbildern und allem, was er sonst noch mitzubringen hatte, von Hamburg anreisen. Ich seufzte.

Der große Tag war nicht mehr fern. Wie würde es sein, wenn ich endlich mit meinem eigenen angewachsenen Schwanz pinkeln konnte? Neugierde, Vorfreude und doch ein klein wenig Ängstlichkeit vermischten sich. Aber die Freude überwog. Es konnte gar nichts schief gehen. Nach der Dusche kochte ich mir einen schwarzen Kaffee. Hunger hatte ich noch keinen, aber ich wollte unterwegs zum Flughafen noch kurz in ein Cafe gehen und etwas essen. Der Flieger mit Ken sollte erst um zwei Uhr mittags ankommen. Mein Handy klingelte. Vater war dran und fragte, ob alles in Ordnung war. Ja, alles paletti. Ich will heute Abend ins Theater, erzählte ich ihm. Das stimmte auch. Er fragte nicht nach und ich musste nicht lügen. Wahrscheinlich dachte er, ich ginge mit Rene oder Andy. Mein Strichjungenleben als Luxusboy-Escortservice blieb mein großes Geheimnis. Ich bekam inzwischen nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei, denn Vater wollte mir auch nichts über seine Techtelmechtel mit Förster Hartmut erzählen. Ich ahnte, was die beiden im Bootshaus getrieben hatten und dass sich ihre Beziehung nur dadurch von meinen unterschied, dass sie kein Geld dafür nahmen. Ken würde sicher wieder gut zahlen. Ich war käuflich, na und? Wer arbeitete heute noch umsonst? Ich kannte niemanden. Ob Ken mich als männliche Prostituierte ansah und mehr oder weniger oberflächlich als Ware, für die er gutes Geld hinlegte, wusste ich nicht. Aber das wäre auch nur von Bedeutung, wenn ich mich für meinen Job schämen würde. Das war mitnichten der Fall. Es machte Spaß, mit Männern Sex zu haben. Und es machte noch mehr Vergnügen, wenn diese Männer reich und sauber waren. Irgendwie schlich sich dieselbe Unbekümmertheit ein, wie damals, als ich den Schnaps für unseren Messwein klaute. Ja, Max. Du musst vorsichtig sein, damit du keine Fehler machst. Fehleinschätzungen und das Leben durch eine zu rosa rote Brille zu betrachten, können unvorhergesehene dramatische Folgen haben. Ich sah in den Spiegel, während ich leise mit mir sprach und mich zu mehr Wachsamkeit ermahnte. Das blaue Sakko saß gut, die helle Hose ebenfalls. Eine farblich dazu passende Krawatte zum weißen Hemd machte einen jungen Gentleman aus mir. Ich konnte mich sehen lassen. Ken war auch immer sehr gut angezogen. Er legte viel Wert auf sein Äußeres. Ich band meine neue Uhr ums Handgelenk. Ein Geschenk von ihm. Es wird ihn freuen, wenn er sieht, dass ich sie trage. Kurz vor ein Uhr. Unten auf der Straße, Leere. Tagsüber liefen nur die üblichen Touristen auf der Reeperbahn herum. Problemlos der Abstieg in die S-Bahn. Sie war jetzt am Mittag nicht groß besucht. Um viertel vor Zwei stand ich am Flughafen vor der Ankunftshalle, blickte zielgerichtet auf die Tafel, die oben drüber hing und stellte zufrieden fest, dass alles programmgemäß lief. Die American Airways war gerade gelandet. Gate 3. Ein junger Mann, um die Zwanzig, gutaussehend, braunes gewelltes Haar, gepflegte Erscheinung, sprach mich an, fragte, ob ich wüsste, ob hier alle Passagiere aus den Staaten ankämen? „Das ist sicher unterschiedlich, je nachdem, wo die Flugzeuge abgefertigt werden.“ Er sah wirklich hübsch aus, war sehr gut angezogen. Seine weiche Art gefiel mir. Nicht aufdringlich und doch persönlich. Sanft berührten seine Finger meine Hand. Dann zeigte er auf die ersten Passagiere, die noch in der Halle auf ihre Koffer warteten. „Mein Freund ist Journalist. Wir haben uns seit drei Monaten nur per Skype gesprochen. Ich bin so aufgeregt und freue mich, ihn endlich wieder zu sehen“, erzählte er und wirkte tatsächlich ziemlich durchgedreht. „Geht mir ebenso. Ich hole auch einen guten Freund ab“, erwiderte ich und entgegen meiner eigentlichen Absicht, war ich einem kleinen Plausch nicht abgeneigt. „Wo arbeitet Ihr Freund?“ „In Washington. Er war sogar im Weißen Haus auf der Pressekonferenz dabei. Aber er erzählt nichts, die wollen sich ihren Platz dort erhalten. Eigentlich genau das Gegenteil von gutem Journalismus. Aber ich frag ihn besser nicht danach.“ Klar, was er damit meinte. „Die Amerikaner haben schon vieles auf der Welt bewegt, die werden sicher auch mit so einem Problem fertig. Heuern und Feuern, ist drüben die Devise.“ Er nickte. „Ich heiße Jakob. Ryan, mein Kumpel, sagt immer Jake.“ „Max, angenehm. Eigentlich Maximilian, also bayerischer Adel!“ „Du klingst auch so. München?“ „Aus der Nähe, östlich davon.“

 

 


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