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Wahrnehmung BDSM in der Gesellschaft


Wö****

Empfohlener Beitrag

Ich verstehe sehr genau was du meinst. Bei mir ist es vorallem die Ängste die mir mein Umfeld ungefragt um die Ohren schmeißen, weil sie nicht verstehen, dass ich genau diese unmoralischen, verwerflichen Spiele so genieße. Am meisten hasse ich, dass sie meinen Partner, der dass ja mit mir in einem sicheren Rahmen auslebt, mit Worten und Blicken und Gedanken Verachtung entgegenbringen. Weil sie nur sehen, was "er" mir "antut" und ihn als Böse erachten. Ich hasse diese verdrehte Wahrnehmung. Und lächerlich finde ich es von Frauen, die einen dafür schräg angucken, aber gleichzeitig eigentlich die Badboy aus den DARK Romance Geschichten idealisieren, aber es sich in Reallife aus Neid nicht zugestehen können, dass sie es eigentlich auch wollen, aber nicht trauen.
Von Männern hab ich oft übergriffige Sprüche erhalten mit "dass kann ich dir auch jederzeit geben, wenn du das Brauchst". Lachhaft. Die haben gar nicht verstanden, was das wirklich bedeutet, was ich für eine Härte in meinen Spielen durchziehe und es sich ihrer wirklichen Vorstellung entzieht, wenn sie sich selbst mit der Thematik BDSM nicht richtig auseinander gesetzt haben.
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Ich denke dass es vorallem daran liegt das die Menschen das Thema von sich wegschieben, weil sie sich nicht "anders" fühlen wollen, weil sie sich ihrer eigenen Fantasien und Vorstellungen entziehen/nicht eingestehen können. Oder weil ihnen das unbekannte Angst macht. Weil die noch nicht die richtige Erfahrung gemacht haben und sie alles unwissend über einen Kamm scheren und verteufeln und die Andersartigkeit von dich geschoben wird. Dabei ist im BDSM so eine große Bandbreite und Vielfältigkeit an Bedürfnissen, Neigungen, Wünschen und Herangehensweise, dass man dazu eine eigene Bibliothek der Möglichkeit öffnen konnte und die Leute vor diesen unüberwindbaren Dschungel eher unsicher zurück Schrecken, als sich damit auseinander zu setzen. Und da ist Ablehnung natürlich einfacher zu vertreten, als sich selbst zu hinterfragen.

Tatsächlich spreche ich kaum mit jemandem, der nicht hier, oder an entsprechenden Treffpunkten (Messen, Geschäfte oder Studios) zu finden ist, über dieses Thema. Genau aus diesen Gründen. Und so geht es Vielen anderen auch, wie ich weiß.
Und selbst hier, online, finde ich es auch schon schwer genug, Leute zu finden, die einen verstehen.
Manche meinen, nur ihre (manchmal sehr extreme Art) sei richtig und alles andere sei ja gar kein BDSM. Das hast du ja offenbar auch schon erlebt.
Die heutzutage so hochgehaltene Toleranz allem gegenüber, ist von Vielen nur in der Theorie zu finden. Sieht man ja auch oft, wenn es um andere Themen geht.

Ich gehe auch offen damit um. Heißt nicht, dass ich es jedem erzähle, aber wer fragt, bekommt keine Lügen erzählt. Und wenn ich es erkläre, lauschen die meisten ganz gebannt. Meistens fang ich an mit den Worten: "Es ist kein verprügeln. Es ist ein Wunsch von einer Dame, etwas unterwürfig oder devot zu sein (bzw. sie hat diese Veranlagung) und ich biete ihr die Erfüllung des Wunsches." ...

(bearbeitet)

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Gesellschaft begonnen hat, Beziehungsge.walt und Mis.sbra.uch als etwas zu sehen, dass es erstens gibt und zweitens verachtenswert ist. 

Es ist noch nicht lange her, dass Verge.waltigu.ng in der Ehe überhaupt eine Straftat wurde. 

Davor wurde es tot geschwiegen oder als normal betrachtet.

Und auch heute noch erkennen manche emotionalen Mis.sbrau.ch oder Ern.iedri.gung des Partners nicht mal oder halten es für einen (gesellschaftlich akzeptierten) Witz.

 

Ich glaube, solange es Mis.sbrau.ch in Beziehungen gibt, muss dieser bekämpft werden. Dass BDSM sich dafür rechtfertigt und über den Unterschied von Mis.sbrau.ch und BDSM aufklärt, halte ich für notwendig. 

Dir Alternative wäre, dass Mia.sbrau.ch und toxische Beziehungen zu leicht anerkannt werden und kein Hinterfragen mehr stattfindet. Und das wäre in meinen Augen fatal für Opfer von Ge.walt.

Wer in diese Aufklärung und Auseinandersetzung nicht gehen will, sollte es dann vielleicht auch eher privat halten. Was ich auch vollkommen in Ordnung finde. 

bearbeitet von Teaspoon

Erstmal stelle ich die Frage, warum sollte es jemanden interessieren, welche Neigungen ich habe und warum sollte ich darüber mit Dritten sprechen?

Das BDSM für die meisten gesellschaftlichen Normen und Einstellungen erstmal ein massiver Widerspruch ist, das ist ja jetzt nichts überraschendes.

Frauen, die sich unterwerfen? Das kollidiert schon mal kräftig mit Feminus und Gleichberechtigung.
Männer die sich unterwerfen? Noch 'schlimmer', denn da greifen alte übernommene Rollenbilder, auch bei einigen BDSMlern.

Ja, mein Umfeld weiss Bescheid über meine Neigungen und das ist okay. Aber dazu muss ich auch erwähnen, die meisten meiner Freunde und Bekannten kommen aus der gleichen Bubble. Die wenigen 'Stinos', die haben jedoch kein Problem damit. Wobei das auch kein Thema ist, warum ich so bin.

Und die anderen? Muss ich meine Andersartigkeit wie ein Schild vor mir hertragen und bin auf einem Kreuzzug für die gerechte Sache der Akzeptanz oder ist es meinem Ego wichtig, meine 'Besonderheit' hervorzuheben und zu zeigen, wie toll ich doch bin?

Ich sehe keinen Grund, warum ich ArbeitskollegInnen oder irgendwelchen Menschen, denen ich irgendwo begegne, meine Sexualität aufzuzwingen. Wenn mich eine Frau außerhalb meiner Bubble kennenlernen möchte, dann teile ich ihr früh mit, dass ich nicht der Norm-Mann bin. Das ist für mich ein Grund, darüber zu sprechen.

Und ja, ich habe früher auch viel öffentlicher das Thema behandelt und habe echtes Interesse erleben können aber auch totale Verurteilung.

Du versuchst, etwas zu erklären, das man nicht über Worte versteht!
Die Menschen von außen sehen Schmerz, Machtgefälle und Kontrollverlust. Was sie nicht sehen, ist Entscheidung, Vertrauen und bewusste Hingabe. Sie projizieren ihre eigenen Grenzen auf etwas, das sie nie selbst erlebt haben. Du versuchst immer noch, etwas zu erklären, das die meisten nur aus zweiter Hand kennen, oft geprägt von einem Film, der mit der Realität ungefähr so viel zu tun hat wie ein Drehbuch mit echtem Leben. Dass BDSM gesellschaftlich wirklich verstanden ist, steht nicht zur Debatte. Viele glauben, sie hätten einen Einblick, dabei sehen sie nur eine inszenierte Oberfläche. Und ja, selbst innerhalb der Szene ist es nicht automatisch besser.
Messen, Clubs, Plattformen, das sind Räume, in denen man finden kann, was man sucht. Aber auch dort triffst du auf Menschen, die ihre eigene Vorstellung für die einzig richtige halten und versuchen, andere kleinzureden.
Das ändert aber nichts am Kern:
BDSM ist weit. Sehr weit.
Und genau darin liegt seine Stärke, nicht in starren Regeln, sondern in der Freiheit, es bewusst so zu leben, wie es für einen selbst stimmig ist. Was ich daran respektiere, ist nicht die konkrete Ausprägung, sondern die Klarheit dahinter. Zu wissen, was man will. Zu wissen, wo die eigenen Grenzen sind. Und dazu zu stehen, ohne sich von außen formen zu lassen.
Ich gebe dir in einem Punkt recht!
Wenn etwas nach außen sichtbar wird, darf man das einordnen und auch kommentieren, aber mit Respekt, nicht mit Urteil. Der Unterschied ist entscheidend. Und genau da scheitern viele.
Sie urteilen über etwas, das sie weder verstanden noch selbst erlebt haben.
Du brauchst nicht, dass sie es verstehen.
Du brauchst nur, dass du es tust.
Alles andere sind nur Nebengeräusch.

(bearbeitet)

Ich habe das Glück, einen Freundeskreis zu haben, der weitgehend ähnlich drauf ist.
Es ist schwierig, jemandem sowas begreiflich zu machen, der so gar nichts damit zu tun hat. Und da wir Menschen leider nicht besonders offen für andere Sichtweisen sind und auch immer Gründe suchen, kommen dann oft die üblichen Sätze. Innerhalb der Szene ärgert mich das allerdings nioch mehr als bei Vanillas.
Einen Ratschkag für besonders einleuchtende Agumentationslinien kann ich aber nicht geben. Höchstens, sich selbst zu sagen, dass man nicht sein Leben für andere Leute führt und auch nicht alle überzeugen muss.

@Schneeflöckchen Übergriffige Nachrichten gehören nicht zum BDSM, ja, aber zu sagen, dass das keine BDSMer sind, verkennt, dass es überall Idioten gibt, auch bei uns.

bearbeitet von Tizaar

Ich denke diese instinktiv abwehrende, verurteilende und herabsetzende Weise resultiert aus einer Mischung aus Unkenntnis, Einer Art der Überforderung, eventuell eigenen, nie ausgelebten Fantasien und der Erziehung und Sozialisierung der/des Gegenüber.

Primär denke ich ist es aber ein Schutzmechanismus. Wir neigen dazu, uns die Welt einfach zu machen, um sie uns erklären zu können. Das passiert auf allen Ebenen, und eben auch wenn es um solche Themen geht. Für viele ist es wohl die einfachere Lösung, es als „pervers“, „unmoralisch“ und „krank“ zu kategorisieren. Somit muss man sich nicht weiter mit der Materie auseinandersetzen, die sehr komplex und überwältigend sein kann, und sich on top auch noch ein bisschen besser fühlen als die andere Person. Objektiv ist dies natürlich nicht in Ordnung, andere Personen direkt zu diffamieren und persönlich anzugehen. Rein psychologisch ist es aber verständlich, handelt es sich doch um einen unserer ureigenen Schutz Reflexe.

Umso dankbarer bin ich, dass viele Menschen in meinem Umfeld offen und wertungsfrei an dieses Thema herangehen, auch wenn sie selber nicjt unbedingt involviert sind. Und der Austausch auf dieser Plattform ist unglaublich erfüllend, da die anderen ein ähnliches Mindset haben und im Gegensatz zu vielen verstehen, was es bedeutet, Vorlieben und Interessen zu haben, welche sich „abseits der Norm“ bewegen.

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