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Wird mit male Doms härter ins Gericht gegangen? 


Br****

Empfohlener Beitrag

Es ist wie überall im Leben: Frauen müssen sich stärker beweisen und in diesem Fall müssen Männer beweisen, dass sie nicht ernsthaft gefährlich sind. Frauen werden da gerne unterschätzt. Erst wenn die Leute mit Frauen schon selbst grenzüberschreitende Erfahrungen gemacht haben, werden sie auf einmal vorsichtiger, zurückhalten, wollen mehr Absicherung, achten auf einen achtsamen Umgang. Und dazu denken männliche Bottoms wohl auch es ist quasi ein Zeichen von Männlichkeit möglichst viel einzustecken. Weibliche Bottoms erlebe ich da ganz anders, die suchen nicht nach der unbarmherzigen Strenge, auch nicht bei Femdoms, sondern Wertschätzung, Respekt, Achtsamkeit.

Vorab: Ich versuche mit diesem Text Erklärungen für die Fragen des TE zu geben. Diese Beispiele spiegeln nicht zwangsläufig meine Meinung wider. 

Es ist eine gehörige Portion Sexismus und Vorurteile was dazu führt, dass die gleichen Handlungen unterschiedlich gedeutet werden.

Es fängt damit an, dass Frauen als weniger Gefährlich wahrgenommen werden. Ihnen wird nach wie vor Fürsorglichkeit, Verantwortung und Mitgefühl zugeschrieben. Damit werden auch die Handlungen und Aussagen wohlwollender bzw. als nicht bedrohlich wahrgenommen.

Auch werden Frauen nach wie vor als körperlich schwächer gesehen. Gedanken wie "er kann sich ja problemlos verteidigen, deswegen muss es freiwillig sein" helfen die Situationen unkritischer zu sehen.

All dies und noch so viel mehr Vorurteile sorgen einfach dafür, dass die Handlungen von Frauen als insgesamt viel weniger bedrohlich wahrgenommen werden egal, ob sie es sind oder nicht.

 

Meiner Meinung nach spielt da auch die nach wie vor starke gesellschaftliche Tabuisierung von Gewalt gegen Männern eine Rolle. Laut einer Studie des KFN Niedersachsen wird jeder zweite Mann im Laufe seines Lebens Opfer partnerschaftlicher Gewalt. Aber darüber gesprochen wird sehr ungern. Das fördert auch, dass man die Handlungen von Frauen eher positiv deutet um nicht zu den unangenehmen Gedanken zu gelangen ("die hat ihren Mann im Griff" usw.). Das war z.B. früher ganz typisch bei Gewalt gegen Kinder, da wurden auch Beschönigungen genutzt wie "die Eltern sind sehr streng" oder "er muss es halt lernen". Irgendwie hatten alle ein Gefühl, dass es falsch ist, aber es wurde gesellschaftlich akzeptiert und verharmlost.

 

Dazu kommt, dass Männer im Allgemeinen und insbesondere seit einigen Jahren, unter einem gewissen Generalverdacht stehen. In Situationen, in denen jemand Verletzlich ist, ist das noch gesteigert. Mann stelle sich die unterschiedlichen Reaktionen vor, wenn das andere Geschlecht mal eine öffentliche Toilette oder Umkleideraum versehentlich betritt.

Ob und warum so ein Generalverdacht berechtigt ist, möchte ich jetzt hier nicht zum Thema machen. Aber Fakt ist, dass dieser besteht und die Wahrnehmung von Aussagen/Handlungen die von Männern vorgenommen werden, sehr viel kritischer ist. 

Historisch betrachtet kommt noch dazu, dass die Schutzbedürftigkeit von Frauen sehr viel größer ist. Entsprechend wurde das auch in der Erziehung so weitergegeben, in der Gesellschaft so gelebt (Siehe Märchen, alte Filme, alte Literatur usw.). Die Menschen werden dazu programmiert (Vorurteile) die hilflose Frau und den Starken ggf. Gewalttätigen Mann zu sehen.
Es ist deswegen einfacher einer Frau Stärke zuzuschreiben, wenn Sie Kontrolle zeigt und augenscheinlich übergriffig ist.

 

Das waren jetzt mal genug Beispiele, es gibt aber noch unzählige mehr. Am Ende ist die Problematik, die du beschreibst ein Spiegel der Gesellschaft und der gesellschaftlichen Ansichten. Dem kann sich auch die Welt des BDSM nicht entziehen.

Mit dem gleichen Hintergrund aber umgekehrt gibt es aber auch viele Vorurteile die Frauen treffen. Z.B. bei finanziellen Themen, werden Frauen, insbesondere Femdoms schnell als ausnutzend betrachtet, bei Männern wird das nicht so schnell kritisch gesehen.

 

Im Übrigen finde ich, dass Vorurteile ein extrem spannendes Thema an sich sind. Auch wenn das Wort Vorurteil sehr negativ besetzt ist, wenn man den wissenschaftlichen, neurologischen Hintergrund dazu etwas genauer anschaut, wird deutlich wie elementar wichtig Vorurteile für unsere geistige Gesundheit und unsere Leistung sind.
Vorurteile wird man daher nie abschaffen können da diese ein Teil der Funktionsweise unseres Gehirns ist. Es ist nur eine Frage, welche Vorurteile eine Gesellschaft akzeptabel findet und somit kultiviert oder abgestraft werden.

Vor 1 Stunde, schrieb jpxiii:

Alles richtig beobachtet. Woran das aber liegt ist die strukturelle gesellschaftliche Dynamik zwischen Männern und Frauen (manche nennen das auch Patriarchat) und die Historie.
Frauen wurden und werden tendenziell unterdrückt, Männer sind tendenziell übergriffig, exploitativ, prädatorisch.
Wäre das alles ausgeglichen und nicht eindeutig, bzw ungleich verteilt, dann würde das Phänomen was du beschreibst nicht existieren

Danke für die Verallgemeinerungen, die genau das, was im Eingangspost steht bestätigen - und Male Doms, auf die es nicht zutrifft, ungerechtfertigt mitverurteilen...

Vor 48 Minuten , schrieb Violet_Fog:

Es ist wie überall im Leben: Frauen müssen sich stärker beweisen und in diesem Fall müssen Männer beweisen, dass sie nicht ernsthaft gefährlich sind. Frauen werden da gerne unterschätzt. Erst wenn die Leute mit Frauen schon selbst grenzüberschreitende Erfahrungen gemacht haben, werden sie auf einmal vorsichtiger, zurückhalten, wollen mehr Absicherung, achten auf einen achtsamen Umgang. Und dazu denken männliche Bottoms wohl auch es ist quasi ein Zeichen von Männlichkeit möglichst viel einzustecken. Weibliche Bottoms erlebe ich da ganz anders, die suchen nicht nach der unbarmherzigen Strenge, auch nicht bei Femdoms, sondern Wertschätzung, Respekt, Achtsamkeit.

Wurde ich deswegen von weiblichen Subs schon als zu soft bezeichnet? (Ironischerweise aber auch schon von sich als sehr toleranten Personen als das genau Gegenteil...)

vor 5 Minuten, schrieb Handcuffs_1985:

 

Wurde ich deswegen von weiblichen Subs schon als zu soft bezeichnet? (Ironischerweise aber auch schon von sich als sehr toleranten Personen als das genau Gegenteil...)

Du ziehst den Vergleich an der falschen Stelle. Natürlich kann es für weibliche Bottoms auch ein "zu soft" geben, aber nach dieser erbarmungsvollen Strenge wie im Eingangstext berichtet wird, der mit Femdoms assoziiert wird, zeigen weibliche Bottoms kaum Interesse, das mag es schon auch geben, aber bei Männlicher Bottom - Weiblicher Top ist das schon die Norm.

vor 26 Minuten, schrieb FeuerHerr:

("die hat ihren Mann im Griff" usw.

Im Moment habe ich eher wenig Zeit, aber an solche Sprüche dachte ich auch und dass diese eigentlich im Vergleich der anderen Verteilung als recht "harmlos" wahrgenommen werden. Ebenso wie Inge steht "unterm Pantoffel" von Klaus. Na, dann hat sie ihn halt gut im Griff! 🤭👍 Anders herum würde man schon skeptischer...

vor 29 Minuten, schrieb FeuerHerr:

Es ist deswegen einfacher einer Frau Stärke zuzuschreiben, wenn Sie Kontrolle zeigt und augenscheinlich übergriffig ist.

Interessant und deine möglichen Begründungen dafür klingen logisch. 

vor 30 Minuten, schrieb FeuerHerr:

Ob und warum so ein Generalverdacht berechtigt ist, möchte ich jetzt hier nicht zum Thema machen. Aber Fakt ist, dass dieser besteht und die Wahrnehmung von Aussagen/Handlungen die von Männern vorgenommen werden, sehr viel kritischer ist. 

Das wollte ich jetzt tatsächlich auch nicht "allzu sehr" thematisieren...😉 Nur, dass ich diesen auch erkenne. 

 

Ich finde bisher zumindest alle Ansichten interessant. Die Historie kann ich gut nachvollziehen. Aber heute sind wir doch bei Gleichberechtigung. Nicht in jeder Hinsicht, da ist noch etwas Aufholung nötig, aber eben grundsätzlich. 

Den "Generalverdacht"  finde ich daher schon grenzwertig oder Männer tendenziell und mutmaßlich schneller als "toxisch" zum Beispiel zu sehen. Am Ende dürfte sich das unter den Geschlechtern doch nichts nehmen. Auf eine verschiedene Art, das mag natürlich sein. 

Vor 25 Minuten , schrieb Handcuffs_1985:

Danke für die Verallgemeinerungen, die genau das, was im Eingangspost steht bestätigen - und Male Doms, auf die es nicht zutrifft, ungerechtfertigt mitverurteilen...

Das Wort "tendenziell" steht da nicht umsonst.
Man kann sich auch gerne mal Statistiken zu sexuellen Übergriffen/***en anschauen und selbst nachlesen wie die Verteilung der Geschlechter in Fragen Opfer/Täter ist.
Ist alles recht eindeutig dokumentiert. Und wer sich die Mühe macht sich mit Soziologe und Psychologie und gesellschaftlich vorherrschenden Rollenbildern und wie diese immer noch Einfluss auf die Erziehung und die unterschiedlichen Erwartungshaltungen an die Geschlechter sind wird schnell merken, dass da ein Schuh draus wird. Aber das muss man (wissen) wollen.
Auch, dass Frauen immer auf die Rolle der Hausfrau reduziert wurden ist nichts, was auf einmal verpufft nur weil Alice Schwarzer mal vor Jahrzehnten ein bisschen auf die Kacke gehauen hat.
Genausowenig wie Rassismus in Amerika nach Ende der Segregation auf einmal aus den Köpfen der (weißen) Menschen verschwindet bleibt auch (latenter) Sexismus und patriarchale Strukturen über Generationen erhalten.
Und abbauen tun die sich nicht von selbst. Aber nochmal: das muss man halt wollen

Vor 35 Minuten , schrieb Handcuffs_1985:

Danke für die Verallgemeinerungen, die genau das, was im Eingangspost steht bestätigen - und Male Doms, auf die es nicht zutrifft, ungerechtfertigt mitverurteilen...

Und in aller Deutlichkeit: das Problem sind nicht Frauen, die dich "mitverurteilen", sondern die Erfahrungen die sie machen (müssen), die sie überhaupt in diese Position bringen. Frauen haben nämlich überhaupt keine Lust dazu kritisch, skeptisch und vorsichtig gegenüber Männern sein zu müssen, aber offenbar gibt es Notwendigkeit dafür.
Wenn dich das stört dann setze da an wo das Problem entsteht und hilf mit diese Strukturen abzubauen. Win win

vor 6 Minuten, schrieb jpxiii:

Und abbauen tun die sich nicht von selbst.

Das ist schon logisch, dass dies nur durch uns geht @jpxiii

Ich habe gerade im bdsm viele wertschätzende Doms kennengelernt, die eben anhand einzelner Aussagen schon Richtungen nachgesagt haben bekommen, die unbegründet oder spekulativ waren. 

Und darum geht es mir eigentlich. Zum bdsm kommen doch die meisten bewusst. Konsens. Und Femdoms habe ich da nie  grundsätzlich weniger kritisch betrachtet. Ob ein Ausnhemen von Subs auf verschiedene Art und Weise usw. Da gibt es ebenso viele "schwarze Schafe". Nur wird die Thematik dort viel seltener angesprochen. 

Als aufzeigen zu wollen, was vermeintlich (anhand von Kleinigkeiten) alles Red Fleg Doms sind. Und das in meinen Augen so letzendlich oftmals schlicht nicht hinkommt. 

Dass es insgesamt noch mehr übergriffige Männer gibt, mag sein. Es ist nur nichts, was ich unbedingt im bdsm erkenne. 

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