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Die Charakter-Lüge: Warum die Suche nach Tiefe oft an der Oberfläche scheitert


So****

Empfohlener Beitrag

@TaliX

Hey Tali, war jetzt auf mich persönlich bezogen, was ich mit "analogem" Kennenlernen geschrieben habe. Ich bin auch nicht demisexuell, auch wenn ich Intelligenz und tiefsinnige Gespräche sehr schätze.

Aber ob mich jemand wirklich "abholt" hängt dann bei mir halt vom Gesamteindruck ab und der setzt sich halt aus so vielem zusammen und ich für mich zumindest stelle fest, dass ich das nicht aus dem geschriebenen in einem Chat herausextrahieren kann, ob ich die Person ansich symphatisch genug finde, dass ich sie treffen möchte oder mit ihr sogar eine Beziehung eingehen möchte.

Aber jeder tickt anders und wenn Du anhand von langen, tiefsinnigen Konversationen per Chat schon genug Informationen für Dich erkennen kannst, die jemanden interessant oder langweilig oder abstoßend machen, dann ist das ja auch der perfekte Weg für Dich, so zu handeln.

Vor 13 Minuten , schrieb Sunstone_1983:

@TaliX Ich würde sogar behaupten, im Schriftverkehr kann man den Gegenüber besser kennen lernen, weil viele Ablenkungen fehlen.
Und wenn man dann nicht chattet, sondern E-mails oder sogar richtige Briefe schreibt, nimmt man sich auch gezwungenermaßen mehr Zeit für die Texte.

Man muss sich halt nur zwingen, richtig zu schreiben und nicht den WhatsApp-Stil.

Kommt darauf an, wie gern man zwischen den Zeilen liest. Aber es gibt wirklich faszinierende Zeitdokumente. Im Rahmen einer Universitätsveröffentlichung sind einmal die Briefe eines Vorfahren von mir aus dem Zweiten Weltkrieg im Besetzungsgebiet erschienen, die er an meine Vorfahrin schrieb.
Aber so groß war nicht mal meine Neugier bis jetzt...Vlt frage ich einmal meine Tante, ob die noch eine Kopie hat.

Wäre auf jeden Fall interessante als diese furchtbare Aufforderung als Eisbrecher "Beschreibe dich in 5 Emojis", igittigittigitt. Ohne Emoji für viktorianischen Blaustrumpf mit blutiger Hutnadel, einem Familienfluch, mysteriösen Geräuschen in der Nacht und der Heimsuchung durch einen vermeintlich tertiären Syphillanten mag ich da gar nicht erst mit anfangen...

Das sind nur vier Emojis. Was wäre das fünfte?

Also, die Aufforderung ist ja dämlich, Aber deine Antwort macht ja neugierig.

Vor 10 Minuten , schrieb Sunstone_1983:

Das sind nur vier Emojis. Was wäre das fünfte?

Also, die Aufforderung ist ja dämlich, Aber deine Antwort macht ja neugierig.

Schwanke zwischen Agatha Christies Fuguezustand/Verschwinden, Laudanum und dem Insistieren auf die Verwendung von Sperma als Geheimtinte von diesem einen Agenten des Vorläufers des MI5...

Während mein Gegenüber Pfirsich Aubergine 69 Wassertropfen und, vermutlich aus Versehen, brasilianische Nationalflagge raushaut

vor einer Stunde, schrieb TaliX:

 

Schwanke zwischen Agatha Christies Fuguezustand/Verschwinden, Laudanum und dem Insistieren auf die Verwendung von Sperma als Geheimtinte von diesem einen Agenten des Vorläufers des MI5...

Während mein Gegenüber Pfirsich Aubergine 69 Wassertropfen und, vermutlich aus Versehen, brasilianische Nationalflagge raushaut

🍑🍆6️⃣9️⃣💧🇧🇷

Vor 9 Minuten , schrieb Zaubermaus666:

🍑🍆6️⃣9️⃣💧🇧🇷

Das sind aber sechs Emojis:
🍑🍆💧🇧🇷

Gerade eben, schrieb Sunstone_1983:

 

Das sind aber sechs Emojis:
🍑🍆💧🇧🇷

Hab kein Schild mit 69 gefunden 🤫, sag es aber nicht weiter.

Ich verstehe nicht, wo dein Problem ist. Verlangst du von einer Frau, dass sie ihre Sicherheit aufgibt, damit du sie besser und schneller kennen lernen kannst? Wie hast du die Frauen bisher angeschrieben?
Mal daran gedacht, dass diese Frauen schlechte Erfahrungen gemacht haben könnten und deswegen lieber sich zurückhalten?

Ich finde schon, dass man ziemlich viel über eine Person lernen kann, auch wenn man nur miteinander schreibt. Und ich spreche da aus eigener Erfahrung.

(bearbeitet)

divergenz zu tun hat

vor 20 Stunden, schrieb jackXjacqueline:

(Jack:)

Eigentlich meide ich mittlerweile Themen die offensichtlich mit KI erstellt wurden, aber hier finde ich die Fragestellung interessant.

Die Kritik ist verständlich, das Problem ist aber nunmal plattformimmanent und daher kaum zu lösen. Die Kontaktaufnahme auf Online-Portalen ist zwangsläufig in erster Linie schriftbasiert. Die Sache dabei ist: das ist für uns Menschen nicht die natürliche Art zu kommunizieren. Dafür hat sich zuvor Sprache entwickelt, mit der wir uns austauschen. Die Verschriftlichung derer ist aber per se mangelbehaftet, weil Schrift eben nicht in der Lage ist, alles zu transportieren, was relevant ist wenn wir mit jemandem reden und diesen kennen lernen möchten, wenn er uns direkt gegenüber sitzt: Mimik, Gestig, Intonation etc. All das sind Elemente, die Schrift eben nicht wiedergeben kann. Was Emotionen angeht, so behelfen wir uns hier mit mehr oder weniger aussagekräftigen modernen Hieroglyphen: Emojis. Kurzum: Wir mögen in der Lage sein, anhanddessen, was jemand in geschriebener Form von sich gibt, grob einzuschätzen wie derjenige tickt, müssen uns aber bewusst machen, dass das bestenfalls nur die halbe Wahrheit ist und wir uns auch schnell täuschen können. Allein schon, dass beispielsweise ohne besagte Emojis manche Aussage vielfältig gedeutet werden kann, je nachdem, was der andere auch herauslesen möchte: Der eine bemerkt vielleicht den Sarkasmus und schmunzelt, der andere tut dies nicht und reagiert mit Verärgerung. Ein Autist nimmt mich schlicht beim Wort, jeder andere kann mehr oder weniger intuitiv deuten, was zwischen den Zeilen steht. Die Gefahr, dass wir rein per Text aneinander vorbei reden, ist also sehr hoch. Und, um damit den Bogen zu spannen: Den Charakter eines Menschen kann ich demnach allein über die Schriftform nicht gänzlich erfassen. Das ist aber quasi das einzige Instrument, was uns im ersten Moment hier zur Verfügung steht.

Ich vermag es nicht, allein anhand von Texten ein vollumfängliches Urteil über jemandes Charakter abzugeben. Ich kann natürlich aussagekräftige Fotos, sofern vorhanden, mit in die Gleichung nehmen und eine optische Einschätzung treffen. Ausdruck, Kleidung, Makeup & Co. liefern mir hier wertvolle zusätzliche Informationen. Mit den Jahren habe ich so manche Selbstaussage aber auch "lesen" gelernt, wobei ich immer offen lasse ob ich damit richtig liege, aber anhand von bestimmten Äußerungen gibt mir mein Bauchgefühl basierend auf meiner gesammelten Lebenserfahrung eine gewisse Voreinschätzung. Und eben jene Voreinschätzung ist der Filter, der bei mir bestimmt: bin ich bereit den anderen auch real kennen zu lernen, sein Charakter im wahren Leben zu erfassen, oder nicht. Ich schließe nicht aus, dass mir auf diese Weise vielleicht so manch einer durch die Lappen geht, mit dem es gut klappen könnte. Andererseits lehrt mich meine Erfahrung aus über vierzig Lebensjahren, dass ich meist doch nicht so falsch liege. Am liebsten sind mir daher immer noch Zufallsbekanntschaften, die nicht online zustande kommen. Hier habe ich den anderen direkt vor mir, das verbale wie nonverbale, und die Art und Weise wie man hier ins Gespräch kommen kann ist eine völlig andere: Mails sind durch den Zeitversatz immer eine Art Monolog mit Bedenkzeit, ein Chat geht schon mehr in Richtung spontaner Dialog, ist aber auf seine Weise stark verkürzt und es kann daraus eben nicht die Dynamik entstehen, wie es in der analogen Welt automatisch stattfindet.

Wie es im umgekehrten Fall ist, da kann ich nur spekulieren. Ein Freund meinte letztens dazu, dass man uns, mich und meine Sklavin, erleben müsste um uns wirklich zu verstehen. Und natürlich merke ich, wie ich anhand meiner Texte vermutlich aufgefasst und leider auch regelmäßig missverstanden werde. Ich möchte aber niemandem Honig ums Maul schmieren, nur um gut anzukommen. Ich bleibe mit meiner direkten Art authentisch, meist völlig frei von Emojis, auch wenn das dazu führt, dass manche vielleicht dadurch einen völlig falschen Eindruck von mir und meinem Charakter erlangen.

Ja, das mit der natürlichen Art zu kommunizieren hat schon was, vor allem für mich als Naturbursche. Aber trotzdem komme ich mit dem geschriebenen und gelesenem Austausch beim Einstieg, beim Kennenlernen bedeutend besser klar als mit Treffen. Das ganz besonders, wenn das in typischer Kennenlern-Atmosphäre stattfindet, also auf Partys, im Restaurant oder auch auf einem Spaziergang. ← Diese Szenarien sind doch typisch, oder?

Ich bin mir ganz sicher, dass das mit meiner Neurodivergenz zu tun hat. [Zur Erklärung: Neurodivergenz beinhaltet Besonderheiten in der Hirnverschaltung wie bei Hochsensibilität, ADHS (und ADS), Autismus usw.] Ich denke, dass solche neurodivergenten Charaktere früher (vor der Zeit des schriftlichen Austausches) als Eigenbrötler die pfiffigen Erfindungen gemacht habe, die dann später die Menschheit nach vorne gebracht haben. Aber für Leute, die solche besonderen Eigenschaften haben (wie ich), ist die schriftliche Form wirklich eine enorme Hilfe beim Kennenlernen. Wer das Thema nett bebildert vertiefen möchte, dem lege ich die Lektüre „SCHATTENSPRINGER Band 2“ von Daniela Schreiter ans Herz. Wundervoll klar und vielschichtig beschrieben und erklärt.

Wenn ich so überlege, hat meine Vorliebe der Schriftform für mich gleich zwei sehr wertvolle Gründe: zum einen gibt mir das Schreiben und Lesen genügend Zeit und Muße, alles zu erfassen, was gesagt (bzw. geschrieben) wurde. Zum anderen eröffnet es mir die Möglichkeit, die (für mich leider unmöglichen) Party-Löwen (und ähnliche Charaktere) von Vornherein gleich auszusortieren, das erspart beiden Seiten viel Einsatz und Stress.

Aber ich denke, dass nicht gleich alle, die die Schriftform beim Kennenlernen lieben, automatisch neurodivergent sind. Vielleicht ein bisschen oder ein kleines bisschen, aber die Übergänge sind ja wundervoll fließend und ich vermute auch, dass sie nicht starr, sondern flexibel sind. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. 

Also für mich bleibt es dabei: jedem das Seine!😍😍😍

Liebe Grüße vom 🦔

bearbeitet von Igel
vor 24 Minuten, schrieb Igel:

Aber ich denke, dass nicht gleich alle, die die Schriftform beim Kennenlernen lieben, automatisch neurodivergent sind. Vielleicht ein bisschen oder ein kleines bisschen, aber die Übergänge sind ja wundervoll fließend und ich vermute auch, dass sie nicht starr, sondern flexibel sind. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. 

Es gibt introvertierte Menschen und dazu gehöre ich, die nicht gut mit Menschen klar kommen. Menschen sind mir schnell zu viel, zu anstrengend und auch zu kompliziert. Ich wähle bewusst Menschen aus, die mir gut tun. Ich kann mit ihnen Zeit verbringen ohne das es mir zu viel wird, ganz im Gegenteil. Es sind aber nur sehr wenige Menschen. 

Ich habe meine ganzen Freunde/Beziehungen im Internet gefunden. Weil mir das leichter fällt. Und ja, ich schreibe auch lieber erst hin und her, als mich sofort zu Treffen. Aber zu lange schreiben mag ich auch nicht, da ich dazu neige, mir ein Bild von diesen Menschen zu machen und hinterher werde ich nur enttäuscht, wenn das Bild nicht der Realität entspricht oder es doch nicht passt. Ich brauche auch den direkten Kontakt zum Menschen um ihn wirklich einschätzen und lesen zu können. Das funktioniert rein durch das schreiben nicht. Kann auch gar nicht funktionieren. Ich lasse nicht jeden an mich ran, daher ist es mir sehr wichtig, den Menschen richtig kennenzulernen und das dann eben bei einem Kaffee oder Spaziergang. Daher mag ich weder mich gleich sofort treffen, noch ewig lang hin und her schreiben.

(bearbeitet)
vor 38 Minuten, schrieb slavejaykay:

Es gibt introvertierte Menschen und dazu gehöre ich, die nicht gut mit Menschen klar kommen. Menschen sind mir schnell zu viel, zu anstrengend und auch zu kompliziert. Ich wähle bewusst Menschen aus, die mir gut tun. Ich kann mit ihnen Zeit verbringen ohne das es mir zu viel wird, ganz im Gegenteil. Es sind aber nur sehr wenige Menschen. 

Ich habe meine ganzen Freunde/Beziehungen im Internet gefunden. Weil mir das leichter fällt. Und ja, ich schreibe auch lieber erst hin und her, als mich sofort zu Treffen. Aber zu lange schreiben mag ich auch nicht, da ich dazu neige, mir ein Bild von diesen Menschen zu machen und hinterher werde ich nur enttäuscht, wenn das Bild nicht der Realität entspricht oder es doch nicht passt. Ich brauche auch den direkten Kontakt zum Menschen um ihn wirklich einschätzen und lesen zu können. Das funktioniert rein durch das schreiben nicht. Kann auch gar nicht funktionieren. Ich lasse nicht jeden an mich ran, daher ist es mir sehr wichtig, den Menschen richtig kennenzulernen und das dann eben bei einem Kaffee oder Spaziergang. Daher mag ich weder mich gleich sofort treffen, noch ewig lang hin und her schreiben.

Das hast Du schön beschrieben, gefällt mir echt gut, an vielen Stellen funkelt so schöne Selbsterkenntnis und Eigenliebe durch!

Genau so sehe und erlebe ich es auch! Und ja, natürlich ist dieses schriftliche Vorab-Kennenlernen für mich auch nur so eine Art Vorstufe, ein Zwischenschritt, den ich aber sehr schätze (siehe auch meine Beiträge weiter oben).

bearbeitet von Igel

@Igel Ich wollte mit meinem Beitrag auch nicht ausdrücken, dass das Geschriebene per se ausscheidet. Mein Anliegen war es, die Defizite aufzuzeigen, die Texte und damit verbunden ein Kennenlernen im Online-Bereich aufweisen, im Vergleich zum persönlichen Gespräch. Natürlich gibt es valide Gründe, die Schriftform zu bevorzugen, völlig egal, wie man geartet ist. Ich weise vermutlich auch hier und da besondere Eigenschaften auf, wie jeder Mensch. Da möchte ich mich gar nicht klassifizieren, sondern erwähne lieber das, was ich eindeutig benennen kann (Autodidakt, zum Beispiel).

Ich persönlich habe auch nichts gegen einen schriftichen Austausch zum Einstieg. Nur: wenn ich wirklich Interesse anhand des Profils an jemandem habe, ist es schon mein Anliegen, alsbald ins persönliche Gespräch zu kommen, sei es durch ein erstes Telefonat (was dann auch noch mal ein persönlicher Echtheitscheck ist) und wenn Sympathie da ist, sich zu verabreden. Ich schreibe zwar gerne und viel, nur bin ich nicht an langen Chats interessiert, die dann, wie so häufig vorgekommen, am Ende zu nichts führen. Das ist vom Zeitaufwand her auch ineffektiv, in einem zehnminütigen Telefonat kann ich wesentlich mehr und mich auch direkter austauschen als in einem einstündigen Nachrichtenhinundher in einem Messenger. Und ja, mein Vorfilter kann dazu führen, dass manch einer vielleicht durchs Raster fällt nur aufgrunddessen, wie er sich schriftlich äußert. Bei jemandem, der z.B. eine starre Sichtweise vertritt, die anhand meines Wissensstands auch noch uninformiert oder ideologisch geprägt ist, kann ich mir ziemlich sicher sein: wir würden uns auch im realen Leben nicht verstehen. Oder eben Menschen, die Begriffe verwenden, die der Verächtlichmachung dienen: wenn es nicht bewusst geschieht, ist es mindestens unreflektiert. Kurzum: ich muss den Eindruck haben, dass ich es mit einem intelligenten, aufgeklären Menschen zu tun habe, der durchaus hier und da eine andere Sichtweise als ich vertreten kann, solange er in der Lage ist, mir gute, sachlich fundierte Gründe dafür zu nennen. Jemand, der zum Beispiel gegen etwas ist, aber gar nicht genau weiß, was dieses etwas eigentlich ist, nur, dass man dagegen zu sein hat, scheidet zum Beispiel aus. Zusammengefasst: Ich mag Menschen, die sich noch selber Gedanken machen und nicht blind das Denken übernehmen, was gerade in Mode ist.

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