
Über mich
Dominanz bedeutet für mich mehr als Macht.
Ich habe BDSM nicht erst gestern für mich entdeckt. Und je länger ich mich damit beschäftige, desto weniger interessiert mich die Vorstellung, Dominanz ließe sich daran messen, wie hart jemand sein kann, wie viele Regeln er aufstellt oder wie selbstverständlich er Gehorsam erwartet.
Mich interessiert das Dahinter. Der Mensch hinter der Rolle. Das, was sichtbar wird, wenn die Fassade bröckelt, wenn Worte irgendwann nicht mehr reichen und man sich nicht länger hinter dem verstecken kann, was man glaubt darstellen zu müssen.
Dominanz ist für mich kein Beweis von Stärke. Zumindest keiner, den man anderen vorführen müsste. Sie zeigt sich für mich vielmehr darin, Verantwortung übernehmen zu können, aufmerksam zu sein und einem anderen Menschen Raum zu geben, ohne ihn dabei aus dem Blick zu verlieren. Zu führen, ohne den anderen kleinmachen zu müssen. Grenzen zu erkennen, ohne sie erst ausgereizt zu haben. Und zu verstehen, dass Vertrauen nichts ist, was einem zusteht, sondern etwas, das entsteht.
Mich reizt die Begegnung zweier Menschen, die beide für sich stehen können und sich dennoch bewusst dafür entscheiden, etwas voneinander zuzulassen, das im Alltag oft keinen Platz findet. Eine Begegnung, in der Kontrolle abgegeben werden darf, ohne dass Selbstbestimmung verloren geht. In der Stärke und Verletzlichkeit keine Widersprüche sind, sondern sich gegenseitig erst möglich machen.
Denn auch Dominanz hat eine verletzliche Seite. Wer führt, muss nicht unberührbar sein. Wer Verantwortung übernimmt, darf Bedürfnisse haben. Und wer die Hingabe eines anderen Menschen annimmt, sollte begreifen, was für ein Geschenk darin liegt.
Mich interessiert nicht die Unterwerfung um ihrer selbst willen. Mich interessiert, was zwischen zwei Menschen entstehen kann, wenn sie sich wirklich aufeinander einlassen. Wenn Macht nicht zum Selbstzweck wird, sondern zu etwas, das beide gemeinsam gestalten. Wenn Lust nicht beim Körper aufhört und Nähe nicht dort endet, wo das Spiel vorbei ist.
Vielleicht ist das ein ziemlich anspruchsvoller Wunsch für eine Welt, in der Rollen manchmal schneller verteilt sind als echtes Interesse entsteht.
Aber ich suche keine Rolle, die ich möglichst überzeugend spielen kann. Ich suche eine Begegnung, in der ich dominant sein darf, ohne Menschlichkeit ablegen zu müssen. Und in der eine Frau sich hingeben kann, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
Nicht, weil sie jemanden braucht, der über ihr steht. Sondern weil sie einem Menschen begegnet, bei dem sie sich bewusst dafür entscheiden kann, sich ihm anzuvertrauen.
Und vielleicht beginnt genau dort das, was mich an BDSM wirklich fasziniert.
Grenzen sind keine Tabus.
Tabus sind: Illegales (Tiere, Kinder, Drogen), Blut, Nadeln, Vomit und was in die Toilette gehört.