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Psychische Probleme vs. kinky-Verhalten


Empfohlener Beitrag

Liebe Community,

aus aktuellem Anlass denke ich gerade über die Fragestellung nach:

Wie differenziere ich psychische Probleme von Kinks bei meinem Gegenüber? Und wie gehe ich mit dem Ergebnis um?

Ich hatte selbst mehrfach Kontakt zu Frauen mit psychischen Problemen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Probleme auch deren Kinks beeinflussen, wenn nicht sogar begründet haben. Zum Teil scheinen mir Kinks sogar als Ablenkung von Problemen zu dienen. Einen guten Umgang  mit solch "toxisch psychisch getriebenen Kinks" habe ich bisher nicht gefunden. Natürlich könnte man solche Kinks konsequent ablehnen, würde damit allerdings den gesamten Menschen ablehnen. Gern würde ich Eure Meinung zu dem Thema lesen und hoffe, dass der Thread gesittet bleibt.

Ich denke das geht Hand in Hand und eine Unterscheidung ist schwer... viele (ja nicht alle) Kinks kommen doch durch Traumata oder ähnliches, nicht? Gerade wenn Sub sich aufs Blut schlagen lassen will und da Selbstverletzung naheliegend ist... Ich denke allerdings in der Vanilla Welt merkt man ja auch wenn der Datepartner Depressionen hat etc. Mit genügend Empathie lässt sich das bestimmt heraus finden und für sich selbst entscheiden ob man die Beziehung weiter aufrecht erhält....
Ich denke es kommt auch darauf an wie diese Person damit umgeht. Ich selbst habe psychische Probleme bin aber seit über 10 Jahren in Therapie und habe für mich Wege gefunden mit Dingen umzugehen und vor allem auch mich immer wieder selbst ein zu schätzen. Ich finde es wichtig dass man damit offen umgeht und beide sich im klaren sind dass Kinks kein Therapie Ersatz sind und miteinander immer wieder in Kommunikation treten wie es einem geht beim ausleben. Ich persönlich bespreche diese Dinge auch in der Therapie und dort kann auch der Partner/die Partnerin zu Gesprächen dazu geholt werden, sofern die The***uten es anbieten. Kinks können eine "gesündere" Hilfe sein als selbstverlätzung, man sollte dass aber dennoch mit den Profis besprechen. Beziehungen an sich können hilfreich sein für die Stabilität einer psychisch erkrankten Person, genau so besteht aber auch das Risiko die Stabilität einer psychisch erkrankten Person zu verringern, weswegen alle Beteiligten sich regelmäßig austauschen sollten und professionellen Rat suchen sollten. Je nach Erkrankung muss abgewägt werden wie damit umgegangen wird, so pauschal lässt sich da leider nicht viel als Rat finden. Wenn es jemandem zu viel ist mit einer psychisch erkrankten Person eine Beziehung egal welcher Art einzugehen, dann ist dass auch vollkommen in Ordnung und verständlich. Die erkrankte Person muss sich damit auseinandersetzen und wenn notwendig mit Profis zusammen besprechen wie sich dass auf deren Kinks auswirkt und was gesund ist und was schädigend und in welchem Maße, ob sich etwas verändern kann nach einer Eingewöhnung oder nicht. Da gibt es vieles was zu beachten ist und man muss in der Beziehung zueinander offen damit sein, ob etwas zu viel Verantwortung ist oder nicht und ob man nach Kompromissen schaut oder nicht. Ich denke wenn eine psychisch erkrankte Person in professioneller Hilfe ist und gelernt hat sich selbst einzuschätzen, kann es gut funktionieren, aber es ist Personen abhängig, was genau die Erkrankungen sind und wie man damit umgeht, ob diese durch bestimmte Kinks verbessert werden oder verschlimmert und wenn einer von beiden nicht bereit ist offen und ehrlich darüber zu reden und auf Teufel komm raus versucht seinen Willen durch zu setzen, muss auch ( so schwer es auch manchmal ist) überlegt werden ob die Beziehung so noch weiter gehen kann oder ob sie beendet werden muss.

Ich habe beruflich mit Traumatisierten zu tun und will daher ergänzen, dass das Bedienen einer Praktik in diesem Zusammenhang zT völlig okay sein kann,  und zT aber auch Traumatisierte die Grenze manchmal nicht selbst einschätzen können. Dann besteht die Gefahr einer behandlungsbedürftigen Retraumatisierung und insofern würde ich im Zweifelsfall auf Nummer sicher gehen und gewisse Dinge ablehnen - wenn eben nicht ganz klar ist, ob es deinem Gegenüber gut tut. Das ist aber sehr individuell und kann so pauschal nicht hier im Forum beantwortet werden.

Ganz wichtig ist es auch darüber offen ins Gespräch zu gehen und so zu versuchen herauszufinden was okay ist und was nicht.

  vor 1 Stunde, schrieb DeniManko:

Ich denke allerdings in der Vanilla Welt merkt man ja auch wenn der Datepartner Depressionen hat etc. 

Ausklappen  

Das glaube ich weniger! Zumindest am Anfang....

Wenn ich nicht möchte, dass mein Umfeld/das Date von meinen Problemen erfährt, dann fällt das auch kaum jemanden auf!

Wenn man die nötige Empathie besitzt, dann kann es durchaus sein, dass man, nach einer gewissen Zeit, hinter die Fassade schauen kann.

(bearbeitet)
  vor 4 Stunden, schrieb FingerArtist:

Wie differenziere ich psychische Probleme von Kinks bei meinem Gegenüber? Und wie gehe ich mit dem Ergebnis um?

Ausklappen  

Ich kann es doch nur in sofern erfassen, in dem mir mein Gegenüber mitteilt ob es psychische Baustellen hat und mich interessiert erstmal nicht ob die Kinks der Person mit den möglichen psychischen Baustellen zu tun haben. Mich interessiert der Mensch als Gesamtpaket und klar erwarte ich beim Kennenlernen, dass man mich an den vorherigen Lebenserfahrungen und dem IST Zustand beteiligt.

Ich selbst hatte einen Top, der zu Beginn unserer Beziehung „vergessen“ hat mir mitzuteilen dass er Bipolar ist. Das empfand ich erst dann als grenzüberschreitend als er meine eigenen Grenzen missachtet hat und er mich unter Alkeinfluss mehrfach schlug. Der Alkohol war seine Art der Selbstregulation. Diese Art der D/S Konstellation war zum Scheitern verurteilt. 

Ich finde Menschen, die wissen dass sie psychische Probleme haben und Hilfe benötigen, sollten diese im professionellen Rahmen suchen/ annehmen. Ich bin keine The***utin und sehe es auch nicht als meine Aufgabe mein Gegenüber zu „retten“, weil dies nicht funktioniert. Hilfe zur Selbsthilfe und ob ein Kink/Fetisch durch ein Traumata entsteht oder entstanden ist 🤷🏻‍♀️ keine Ahnung, kann und will ich nicht beurteilen da es in einen professionellen the***utischen Rahmen besprochen werden sollte und nicht in Küchenpsychologie, genauso will und kann ich nicht beurteilen ob es betroffenen Menschen hilft BDSM/ Kink/ Fetisch auszuleben oder nicht. Meinem damaligen Top wurde von seinem The***uten abgeraten BDSM weiter auszuleben, da es für seine Psyche nicht hilfreich ist. 

Was ich persönlich wichtig finde ist, wenn man selbst merkt dass man psychische Schwierigkeiten hat, welcher Art auch immer, sich mit diesen zu befassen und die Themen anzugehen und nicht versuchen sollte mit Ablenkungsstrategien und/oder Rauschmitteln die Probleme auszublenden oder zu vergessen. 

bearbeitet von Schneeflöckchen

Ist ein zweischneidiges Schwert. SM zuleben ist für mich das beste Gegenmittel gegen meine Depressionen. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, was passiert, wenn's mit der Beziehung nicht so gut läuft. Dann gibt es leider, neben den Beziehungsproblemen, gratis noch 'ne Depression, wegen Dopaminmangel.

Mir fällt da spontan ein gewisser Christian Grey ein, der seine Traumata mit BDSM kompensiert (oder es versucht) hat.

Vielen Dank für die rege Beteiligung.

Mehrfach wurde hier das Mitteilen von psychischen Problemen seitens des (potentiellen) Partners genannt. Das setzt ein hohes Maß an Selbstreflexion voraus, da die Person ihre Probleme kennt und viel wichtiger, als solche akzeptiert haben muss. 

Ich hatte in der Vergangenheit den Fall, dass meine Partnerin der Meinung war, nicht psychisch krank zu sein. Gerade Depressionen lassen sich am Beginn einer Beziehung nicht immer erkennen, da sie durch die Glücksgefühle am Beginn einer Beziehung in der Hintergrund gedrängt werden. Die Probleme werden erst später sichtbar, wenn sich die Hormonspiegel wieder normalisiert haben. Dann wird es ungemütlich.

Den Umgang mit einer Person, die eine akzeptierte, kontrollierte und unter Umständen professionell begleitete psychischen Erkrankung besitzt, kann ich mir in Abhängigkeit vom Einzelfall vorstellen. 

Tja, das ist ganz schwierig.
Wo hört der Kink auf, wo fängt die Störung, egal welcher Art an?
Da gibt es so die ein oder andere Person, wo ich mir die Frage auch gestellt habe.

Da kann man nur auf die eigenen Werte Rücksicht nehmen, auf abweichendes Verhalten achten und auf sich selbst aufpassen. Und oder die Bremse ziehen, wenn man sich nicht wohlfühlt.

Wer glaubt keine Störung zu haben, der werfe den ersten Stein... sollte jemand keine Störung haben in der heutigen Zeit, frage ich mich eher "Was stimmt mit der Person nicht ?" Verblödet, naiv, gefühlstot, überhaupt mal gelebt oder einfach nur "blind" (im übertragendem Sinne).

Ich sehe Störungen nicht als etwas verkehrtes an, sie sind Spuren der eigenen Vergangenheit und des Lebensweges. Ereignisse, Erlebtes, Resultate, ob nun aus einem selbst heraus oder von aussen. Und oftmals nur ein Zeichen, das etwas nicht verarbeitet wurde, das man etwas ändern muss in seinem Leben oder einfach das Ventil nicht gefunden hat.

Wie man damit umgeht ist die Frage und egal was man macht, solange es einem dadurch besser geht, ist alles erlaubt.

Wer unter seiner Störung leidet, hat "nur" (ja ist nicht einfach) noch nicht herausgefunden, wie damit umzugehen ist und was getan werden muss...

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