Dies ist ein beliebter Beitrag. Da**** Geschrieben vor 4 Stunden Der Text ist heiß! Um weiterlesen zu können benötigst Du einen Account. Jetzt kostenlos registrieren! Jetzt registrieren Dies ist ein beliebter Beitrag. Der Abgrund Ich falle. Nicht plötzlich. Nicht ungebremst. Es ist eher ein Sog – erst kaum spürbar, dann immer stärker. Er zieht mich an, nimmt mir Stück für Stück den festen Boden unter den Füßen. Ich weiß, dass ich mich festhalten könnte. Immer wieder taucht irgendwo eine Kante auf, nach der ich greifen könnte. Doch ich tue es nicht. Mein Verstand schreit. Halt. Halt dich fest. Was tust du da? Ich höre ihn. Natürlich höre ich ihn. Aber ich höre nicht auf ihn. Etwas anderes ist lauter geworden. Geborgenheit. Verlangen. Vertrauen. Und dann ist sie da. Mitten im Sog. Ich weiß nicht, woher sie gekommen ist. Vielleicht war sie schon die ganze Zeit dort. Vielleicht habe ich sie nur vorher nicht sehen können. Sie schlingt ihre Arme um mich, hält mich fest – nicht um meinen Fall zu verhindern, sondern um sicherzustellen, dass ich nicht allein falle. Ihre Stimme ist ruhig. Fast nur ein Flüstern. „Keine Angst. Vertrau mir. Ich passe auf dich auf.“ Und plötzlich wird der Abgrund stiller. Nicht weniger tief. Nur weniger beängstigend. Wir fallen gemeinsam. Immer tiefer. Vorbei an den letzten Stellen, an denen ich mich hätte festhalten können. Ihre Berührungen sind zunächst kaum mehr als ein Hauch. Zart, beinahe vorsichtig, als könnte selbst eine falsche Bewegung etwas in mir zerbrechen. Eine Hand auf meiner Haut. Ihre Lippen an meinem Hals. Ihr Atem an meinem Ohr. Und irgendwo zwischen diesen kleinen Berührungen beginnt etwas in mir nachzugeben. Meine Schultern entspannen sich. Mein Atem verändert sich. Der Griff meines Verstandes wird schwächer. Er schreit noch immer. Halt dich fest! Aber diesmal klingt seine Stimme weit entfernt. Denn sie führt mich. Nicht mit Gewalt. Nicht mit Hast. Sondern mit dieser ruhigen, selbstverständlichen Sicherheit, die mir sagt, dass ich mich fallen lassen darf. Ihre Berührungen werden zu einer Melodie. Erst einzelne Töne. Dann eine Linie. Dann ein Rhythmus. Ich spüre, wie mein Körper darauf antwortet, noch bevor mein Kopf begreift, was geschieht. Ich will etwas sagen. Vielleicht sie bitten, langsamer zu machen. Vielleicht genau das Gegenteil. Doch kein Wort findet seinen Weg über meine Lippen. Also schweige ich. Und lasse die Musik weitergehen. Der Sog wird stärker. Die Klippen ziehen an mir vorbei. Mein Verstand versucht noch einmal, nach Halt zu greifen. Doch diesmal strecke ich meine Arme nicht nach einer Kante aus. Ich strecke sie nach ihr aus. Meine Finger finden sie. Und ich halte mich fest. Nicht am Abgrund. An ihr. Das ist der Moment, in dem ich begreife, dass Fallen nicht immer bedeutet, die Kontrolle zu verlieren. Manchmal bedeutet es, jemandem genug zu vertrauen, um sie für einen Augenblick abzugeben. Die Musik wird lauter. Mein Atem schneller. Mein Körper zittert. Ich verliere mich in jedem Ton, jedem Atemzug, jeder Berührung. Bis irgendwann nichts anderes mehr existiert. Kein Gestern. Kein Morgen. Kein Denken. Nur dieser eine Moment. Sie. Ich. Der Sog. Der Abgrund. Und dann— Stille. Ich weiß nicht, wie lange ich dort gewesen bin. Vielleicht Sekunden. Vielleicht eine Ewigkeit. Ich weiß nur, dass ich nicht gefallen bin. Denn als meine Kraft nachlässt, ist sie noch immer da. Sie fängt mich auf. Ihre Arme schließen sich um mich, warm und behütend. Ich sinke gegen sie. Zitternd. Erschöpft. Völlig losgelöst. Und während mein Atem langsam wieder ruhiger wird, höre ich nichts außer ihrem Herzschlag. Die Musik ist vorbei. Aber ihr Nachklang ist noch da. Auf meiner Haut. In meinem Atem. Tief unter meiner Haut. Ich murmle ein leises „Danke“, kaum hörbar. Sie antwortet nicht. Sie muss es auch nicht. Denn in diesem Moment verstehe ich etwas. Der Abgrund war nie das, wovor ich Angst hatte. Es war die Frage, ob jemand da sein würde, wenn ich falle. Und jetzt weiß ich es. Egal, wo der Sog endet. Egal, wie tief der Abgrund ist. Egal, wie viele Möglichkeiten zum Festhalten an mir vorbeiziehen. Ich muss nicht immer kämpfen. Manchmal darf ich loslassen. Denn sie ist da. Beschützend. Wärmend. Mich führend. Und wenn ich falle— falle ich nicht allein.
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