Jump to content

Abschiede, wie geht ihr damit um? Was machen sie mit euch?


daisy-gaga

Empfohlener Beitrag

vor 21 Minuten, schrieb original-LuDa:

Interessant. Scheinbar kann ich mich noch immer nicht deutlich genug mitteilen. Liegt wohl daran, dass ich meinen Weg stets gehe, auch wenn alle um mich herum zur Umkehr raten. 🤗

Na ja, ich bin ja auch ein Korinthenkacker, der ständig mit 'ner Goldwaage rumrennt, um "jedes Wort" damit genau zu bestimmen. Aber ich denke, dass Du Dir selbst noch klarer werden könntest und dass es für Dich (und für Dein Umfeld) damit besser, leichter und "fröhlicher" werden würde.

Alles Gute, @original-LuDa

So. Abschied, wie gehe ICH damit um. Ich habe überlegt, ob ich dazu hier was schreibe, bin aber noch unschlüssig.

Es geht um meine Männerfreundschaft (nix mit BDSM oder Sex oder so was) mit R., die mich über die Hälfte meines Lebens begleitet hat. Wir haben uns vor ziemlich genau 50 Jahren kennengelernt (wir waren damals beide 18 J) und wir haben uns über Jahre hinweg gegenseitig geholfen und wir waren uns gute Zuhörer und auch kritische Zuhörer.

Das lief so gut 20 oder 25 Jahre wirklich richtig gut, ist dann aber immer mehr einseitig geworden, das heißt, dass er immer mehr Thema wurde und im Mittelpunkt stand und ich immer öfter in die Röhre guckte (war nix drin zu sehen, in der Röhre). Das ging so weit, dass ich ihn einmal anrief und ich ihm erzählte, dass es mir schlecht ginge und ob ich übers Wochenende zu ihm kommen könne. Ich war dann von Fr bis So Abend bei ihm und zum Abschluss ist und dann aufgefallen, dass wir uns tatsächlich nur um ihn „gekümmert“ haben und ich von meinen Problemen überhaupt nichts erzählt habe bzw. erzählen konnte. Dieses Muster der Einseitigkeit hat sich dann immer mehr ausgebreitet, bis ich ihn konkret darauf aufmerksam gemacht habe. Daraufhin gab es ein paar Treffen, bei denen er sich wirklich Mühe gegeben und sich zurückgenommen hat, das war aber auch nichts, da war dann irgendwie das Leben raus aus unserem Zusammensein.

Und dann gab es ein letztes Treffen bei ihm in Hannover. Ich war extra zu ihm hin gefahren, um ihn auf Widersprüche zwischen seinem Reden und seinem Handeln aufmerksam zu machen. Es war an einem Samstag und wir hatten für uns bis um 5 Uhr Zeit, dann kam seine neue Freundin zu ihm (/ zu uns) zu Besuch. Wir haben dann noch zu dritt bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen, ich hab mich dann (wie verabredet) bald auf den Heimweg gemacht. Ab da meldet sich R. nicht mehr und antwortet auch nicht mehr auf meine Nachrichten oder Fragen.

So weit, so (un)gut. Dieses letzte Treffen ist jetzt gut 3 oder 4 Jahre her. Mir ist vollkommen klar, dass sich R. nicht mehr zurückändern kann, dass es dieses ausgewogene Gleichgewicht mit ihm nie mehr geben wird. In den letzten 15 oder 20 Jahren ist R. ein verbitterter, selbstgerechter Mann geworden, mit dem ich eigentlich nichts mehr anfangen kann.

Trotzdem denke ich immer wieder an ihn und an unsere gemeinsamen Erlebnisse und ich merke immer wieder, dass er mir fehlt. Diese Sache rumort immer wieder in mir. Hier gelingt mir einfach nicht das Loslassen, das Trennen, der Abschied.

Jetzt habe ich doch die ganze Geschichte erzählt. Zur Ergänzung noch: ich weiß erst seit gut drei Jahren, dass ich anders ticke als das neurotypische Volk. Eine meiner Eigenarten ist, dass ich sehr genau auf Formulierungen achte und dann schon das eine oder andere Mal eine Aussage wirklich wörtlich nehme. Umso geringer sehe ich die Chance, dass ich mich mit R. wieder gut verstehen könnte. Aber trotzdem schaffe ich den Absprung nicht.

Mist! Jetzt ist mein Beitrag tatsächlich so lang geworden! Dabei mag ich so lange Beiträge gar nicht!

Der 🦔 schüttelt über sich selbst den Kopf.

vor 8 Minuten, schrieb daisy-gaga:

Vielen Dank für eure Beiträge. 

Mir ist klar das Abschied kein einfaches Thema ist. 

Meine Großeltern starben noch bevor ich eingeschult wurde. Ich habe nur sehr wenige Erinnerungen an sie. Das sie aus meinem Leben verschwunden waren, bemerkte ich kaum.

Als ich 15 war, starb eine Klassenkameradin von mir bei einem Autounfall. Rückblickend war meine Strategie damals Verdrängung. Als meine Schwester an Krebs starb war ich 22. Auch hier war meine Strategie Verdrängung. 

Es gehörte aber auch zu meiner Strategie mich nicht zu sehr auf meine Mitmenschen einzulassen. So würde ein Abschied, ganz gleich für wie lang, oder aus welchen Gründen auch immer, leichter fallen. Heute fällt mir da spontan der Begriff Verlustängste zu ein. 

In meiner Therapie habe ich das alles so nach und nach durchblickt. Seither lasse ich mich auf Menschen ein, die ich mag. Der Abschied gehört aber immer dazu. Viele begleiten uns nur ein Stück auf unserem Weg. Heute genieße ich dieses gemeinsame Stück. kommt dann der Abschied, schmerzt es zwar dennoch, aber was bleibt sind die vielen schönen gemeinsamen Momente in meiner Erinnerung. 

Das ist ein Teil meines Weges, damit umzugehen. Trifft mich ein Abschied mal härter, dann lasse ich auch Tränen zu. Allerdings lieber für mich allein. Danach spreche ich dann über meine Gefühle mit meinen engeren Freunden, vor allem aber mit meiner besten Freundin. Wir haben einen ganz besonderen Draht zu einander. 

Daisy, das ist ja schon was für's Herz. ❤️❤️❤️❤️❤️❤️ vom 🦔

Ich weiß, das ist jetzt echt fies, muss aber bei diesem Thema immer daran denken:

Aaaaabschied ist ein schaaaafes Schwert...


ECHT GRUSELIG!!!!

(bearbeitet)

bild geht so nicht sorry

 

bearbeitet von BlackSavannah
vor 2 Stunden, schrieb BlackSavannah:

bild geht so nicht sorry

 

Was hattest du denn vor?

Bin sehr isoliert aufgewachsen und hab nie wirklich irgendwie Wurzeln schlagen können. Weiss auch nicht, wie es ist, jemanden sein ganzes Leben lang zu kennen. Auch sehr viel Pech gehabt, das Leute die mir wichtig waren, gestorben sind. Denke es ist bei mir allgemein so, das ich inzwischen viel zu leicht loslassen kann. Mich umdrehe und gehe ohne zurück zu blicken. Etwas, woran auch ich versuche zu arbeiten....

Abschied  bedeutet auch Neubeginn 

Es schließt sich eine Tür und es öffnen sich neue. 
Nach einer gewissen Zeit der Trauer die Abschied  mit sich bringt wen ein Mensch mir nahesteht ,  kommt irgendwann die Akzeptanz und Dankbarkeit für diesen Menschen der mich ein Stück des Weges begleitet hat. 

Anders sieht es aus wenn es ein erleichterter Abschied ist von Menschen die mir nicht gut getan haben.  Von toxischen Beziehungen . Egal welcher Art, es muss nicht immer ein Partner sein Der Weg der Heilung dauert lange. 
Das sich Öffnen für neue Begnungen dauert seine Zeit. 
Dann gibt es die endgültigen Abschiede wenn ein guter Freund, ein Ehemann, die Tochter verstirbt. Diese Endgültigkeit macht demütig. Dass das Leben immer schneller verrinnt mit dem Alter. 
ich lerne zu schätzen was Ich habe. Pflege Freundschaften,  gute Bekannte und   Familie mit mehr Gelassenheit. . 

Manche begleiten uns sehr lange, manche verweilen nur kurz. Aber sie alle haben Spuren auf der Seele hinterlassen. 

Abschiede,auf welcher Art auch immer, ist immer unschön, aber gehören leider zum Leben dazu.
Mal tut es mehr weh und mal weniger.
Mehr nunmal dann, wenn uns die Person viel bedeutet hat.
Ich finde man muss den Schmerz dann einfach zulassen. Es ist ja ein Zeichen , das man Gefühle hatte. Ich bin kein Freund von verdrängen. Der Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“ stimmt schon irgendwie. Klar die Narben bleiben , aber der Schmerz klingt ab. Vielleicht nicht ganz , aber er lässt nach.
Man sieht nach einer Zeit Dinge auch reflektierter als am Anfang des Abschieds.
Zu sagen, ich lass niemanden mehr nah an mich ran um nicht verletzt zu werden, bedeutet im Umkehrschluss nicht mehr zu fühlen wie schön es sein kann,sich auf jemanden einzulassen.
Menschen sind nicht beliebig austauschbar.
Wichtig ist nur , das man aus der Vergangenheit seine Schlüsse zieht.Niemanden mehr an sich ranzulassen sollte nicht der letzte Schluss sein.
Gefühle = Leben
  • 5 Monate später...
(bearbeitet)

da ich menschlich gesehen eher Asozialer Typ bin und wenig Feindkontakte hatte , zu meiner Familie die ich eigentlich über alles stellte - feststellen musste das die bereitschaft zu helfen (mit Tat & €uronen) nur eine Einbahnstraße war - und seit 7Jahren den Kontakt gebrochen habe ... würde es nicht so schmerzlich rüberkommen wenn was passiert - wenn sich irgendwann eine Feindkontakt mich apzeptieren tut wie ich bin , hätte Sie meine 100% Vertrauen ...

ich bin sehr Tierlieb ... vor fast genau 2 Jahren ereignete sich ein Drama - ein Hund  kam über den Zaun und zerfleischte mein Kater - der Hund überlebte auch nicht weil meine Bengalin sich anschließend um Ihn kümmerte , es war ein grausiger Tatort und ging keine 10Minuten ... der Hundebesitzer wohnte weiter weg zur Miete und wir beschlossen -  beide bei mir zu beerdigen , er kommt jeden 15.3 zu mir und  wir machen die Grabstelle schön , 

diesen Tag war das härteste was ich in meinem Leben erlebt hatte - wohl 2 liebe knuddeltiere die einfach aus Spaß/erschrockenheit Ihr Leben ließen ... 

bearbeitet von Stefan76
Am 15.9.2025 at 18:45, schrieb Igel:

So. Abschied, wie gehe ICH damit um. Ich habe überlegt, ob ich dazu hier was schreibe, bin aber noch unschlüssig.

Es geht um meine Männerfreundschaft (nix mit BDSM oder Sex oder so was) mit R., die mich über die Hälfte meines Lebens begleitet hat. Wir haben uns vor ziemlich genau 50 Jahren kennengelernt (wir waren damals beide 18 J) und wir haben uns über Jahre hinweg gegenseitig geholfen und wir waren uns gute Zuhörer und auch kritische Zuhörer.

Das lief so gut 20 oder 25 Jahre wirklich richtig gut, ist dann aber immer mehr einseitig geworden, das heißt, dass er immer mehr Thema wurde und im Mittelpunkt stand und ich immer öfter in die Röhre guckte (war nix drin zu sehen, in der Röhre). Das ging so weit, dass ich ihn einmal anrief und ich ihm erzählte, dass es mir schlecht ginge und ob ich übers Wochenende zu ihm kommen könne. Ich war dann von Fr bis So Abend bei ihm und zum Abschluss ist und dann aufgefallen, dass wir uns tatsächlich nur um ihn „gekümmert“ haben und ich von meinen Problemen überhaupt nichts erzählt habe bzw. erzählen konnte. Dieses Muster der Einseitigkeit hat sich dann immer mehr ausgebreitet, bis ich ihn konkret darauf aufmerksam gemacht habe. Daraufhin gab es ein paar Treffen, bei denen er sich wirklich Mühe gegeben und sich zurückgenommen hat, das war aber auch nichts, da war dann irgendwie das Leben raus aus unserem Zusammensein.

Und dann gab es ein letztes Treffen bei ihm in Hannover. Ich war extra zu ihm hin gefahren, um ihn auf Widersprüche zwischen seinem Reden und seinem Handeln aufmerksam zu machen. Es war an einem Samstag und wir hatten für uns bis um 5 Uhr Zeit, dann kam seine neue Freundin zu ihm (/ zu uns) zu Besuch. Wir haben dann noch zu dritt bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen, ich hab mich dann (wie verabredet) bald auf den Heimweg gemacht. Ab da meldet sich R. nicht mehr und antwortet auch nicht mehr auf meine Nachrichten oder Fragen.

So weit, so (un)gut. Dieses letzte Treffen ist jetzt gut 3 oder 4 Jahre her. Mir ist vollkommen klar, dass sich R. nicht mehr zurückändern kann, dass es dieses ausgewogene Gleichgewicht mit ihm nie mehr geben wird. In den letzten 15 oder 20 Jahren ist R. ein verbitterter, selbstgerechter Mann geworden, mit dem ich eigentlich nichts mehr anfangen kann.

Trotzdem denke ich immer wieder an ihn und an unsere gemeinsamen Erlebnisse und ich merke immer wieder, dass er mir fehlt. Diese Sache rumort immer wieder in mir. Hier gelingt mir einfach nicht das Loslassen, das Trennen, der Abschied.

Jetzt habe ich doch die ganze Geschichte erzählt. Zur Ergänzung noch: ich weiß erst seit gut drei Jahren, dass ich anders ticke als das neurotypische Volk. Eine meiner Eigenarten ist, dass ich sehr genau auf Formulierungen achte und dann schon das eine oder andere Mal eine Aussage wirklich wörtlich nehme. Umso geringer sehe ich die Chance, dass ich mich mit R. wieder gut verstehen könnte. Aber trotzdem schaffe ich den Absprung nicht.

Mist! Jetzt ist mein Beitrag tatsächlich so lang geworden! Dabei mag ich so lange Beiträge gar nicht!

Der 🦔 schüttelt über sich selbst den Kopf.

Zum Thema Abschied, Nachtrag.

Habe mir meinen alten Text (s. o.) jetzt, nach einem halben Jahr wieder angeschaut - und muss feststellen, dass sich da bei mir in diesem speziellen Fall (also mit R.) was geändert hat: Dieser Abschied drückt und schmerzt jetzt nicht mehr so, es ist mir egaler geworden. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass ich durch das Verschriftlichen dieser Gefühle mehr Ordnung und mehr Objektivität in diese Sache bekommen habe.

Also danke @daisy-gaga für Deinen Denkanstoß mit diesem Thread!

×
×
  • Neu erstellen...