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Ich verdiene Submission


Eiskalt

Empfohlener Beitrag

Heute Morgen bin ich über eine Aussage gestolpert, die sich irgendwie festgesetzt hat. Eigentlich war es nur eine kleine Gegenüberstellung: „Ich bin dominant“ und „Ich übernehme Dominanz“. Zwei Sätze, die auf den ersten Blick gar nicht so unterschiedlich wirken. Und trotzdem hat die zweite Formulierung in meinem Kopf plötzlich etwas verändert. Noch bevor ich überhaupt weiter zugehört hatte, fing mein Kopf an, den Gedanken weiterzuspinnen. Was passiert eigentlich, wenn man die Perspektive einmal komplett umdreht? Aus „Ich bin Sub“ wird „Ich gebe Submission“. Und irgendwo dazwischen tauchte plötzlich dieser bewusst provokante Satz auf: „Ich verdiene Submission.“

Ich musste ein bisschen darüber schmunzeln, weil der Satz zunächst fast anmaßend klingt. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum er mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Denn wenn ich ihn einmal nicht als Anspruch verstehe, sondern als Gedankenexperiment, verändert sich plötzlich etwas. Dann könnte ich mich als Sub fragen: Verdient Dom meine Unterwerfung? Was ist Dom bereit zu geben? Was ist Dom bereit zu tragen, zu übernehmen, vielleicht auch auszuhalten? Was tut Dom dafür, dass ich meine Submission nicht einfach gebe, sondern sie diesem Menschen geben möchte?

Und wenn ich die Perspektive noch einmal drehe, wird es fast ein bisschen unbequem: Verdient Sub meine Führung? Was ist ein Mensch bereit zu geben, wenn er mir seine Verletzlichkeit, sein Vertrauen und seine Submission anvertraut? Was mache ich mit dieser Verantwortung? Bin ich bereit, nicht nur die Führung zu genießen, sondern auch das Gewicht zu tragen, das damit verbunden ist? Denn vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus einer Rolle eine Handlung wird.

„Ich bin dominant“ klingt nach einer Eigenschaft. Nach Identität. Nach etwas, das man ist. „Ich übernehme Dominanz“ klingt dagegen nach einer Entscheidung. Nach etwas, das man tut, und vielleicht vor allem nach etwas, für das man Verantwortung übernimmt. Vielleicht funktioniert es mit Submission genauso. „Ich bin submissiv“ beschreibt eine Rolle. „Ich gebe Submission“ beschreibt eine Handlung. Eine bewusste Entscheidung. Und plötzlich liegt darin viel mehr Eigenverantwortung, als es das Wort zunächst vermuten lässt.

Wir sortieren uns so schnell in Rollen ein: dominant, submissiv, führend, folgend, gebend, nehmend. Vielleicht brauchen wir diese Begriffe auch, um uns selbst ein bisschen besser zu verstehen. Aber sobald man sie in Handlungen übersetzt, werden sie persönlicher. Dann geht es nicht mehr nur darum, welche Position ich gerne einnehme, sondern darum, was ich mit dieser Position mache.

Und genau da wird es für mich interessant. Denn Submission ist nichts, das mir zusteht. Sie ist etwas, das mir ein anderer Mensch gibt. Freiwillig. Und vielleicht ist die interessantere Frage deshalb gar nicht: „Verdiene ich Submission?“ Sondern: „Bin ich jemand, dem ein anderer Mensch seine Submission anvertrauen möchte?“

Genauso wenig geht es vielleicht darum, ob jemand einfach „Dominanz verdient“. Vielleicht ist die spannendere Frage: „Verdient dieser Mensch meine Führung?“ Nicht im Sinne eines Anspruchs und auch nicht als Belohnung, sondern als Frage nach Vertrauen, Haltung und Verantwortung. Kann ich diesem Menschen meine Führung geben, ohne mich selbst dabei zu verlieren? Kann der andere darauf vertrauen, dass ich mit seiner Submission verantwortungsvoll umgehe? Und kann ich darauf vertrauen, dass meine Führung angenommen und getragen wird?

Vielleicht entsteht genau dort etwas Besonderes. Nicht dadurch, dass einer einfach Dom und der andere einfach Sub ist, sondern dadurch, dass beide bewusst entscheiden, wem sie etwas geben. Sub gibt Submission. Dom übernimmt Führung. Und beide tragen Verantwortung für das, was ihnen der andere anvertraut.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich den Gedanken „verdienen“ inzwischen gar nicht mehr so anmaßend finde. Denn vielleicht bedeutet „verdienen“ hier nicht: „Ich habe einen Anspruch darauf.“ Vielleicht bedeutet es eher: „Ich möchte jemand sein, dem man das freiwillig geben möchte.“

Und damit wird die Frage plötzlich auf beiden Seiten interessant: Verdient Dom meine Unterwerfung? Und verdient Sub meine Führung? Was lässt uns entscheiden, wem wir uns unterwerfen, wem wir vertrauen und wen wir führen möchten? Ist es Haltung, Präsenz und Integrität? Verlässlichkeit? Die Fähigkeit, Sicherheit zu geben und Verantwortung zu übernehmen? Die Fähigkeit, sich selbst so weit zurückzunehmen, dass der andere Raum bekommt? Oder entsteht diese besondere Dynamik vielleicht erst im Zusammenspiel zweier Menschen, die einander wirklich sehen?

Ein Perspektivwechsel bedeutet manchmal, die eigene vertraute Position für einen Moment zu verlassen. Nicht, weil man sie aufgeben muss und auch nicht, weil die eigene Sichtweise plötzlich falsch wäre. Sondern einfach, um einmal von der anderen Seite darauf zu schauen. Um sich zu fragen: Was würde ich mir von dem Menschen wünschen, dem ich meine Submission gebe? Und gleichzeitig: Was müsste ein Mensch in mir erkennen, damit er mir seine Submission anvertrauen möchte?

Vielleicht komme ich dabei zu einer ganz anderen Antwort. Vielleicht stelle ich irgendwann fest, dass dieser Gedanke überhaupt nicht zu mir passt. Vielleicht bleibt auch einfach nur ein kleiner „interessanter Stein“ zurück. Aber vielleicht ist genau das der eigentliche Wert solcher Gedanken. Nicht, dass sie uns unbedingt zu einer neuen Meinung bringen, sondern dass sie uns für einen Moment aus der gewohnten Position herauslösen. Einen Gedanken einmal auf den Kopf stellen. Ihn von allen Seiten betrachten. Und dann neugierig sein, was darunter zum Vorschein kommt.

Vielleicht bleibt deshalb am Ende für mich gar nicht die Frage hängen, was ich verdient habe. Sondern eine andere: Was sind wir bereit zu geben, zu übernehmen oder loszulassen, wenn wir den Blick einmal weg von dem richten, was wir uns wünschen?

Anmaßend – oder ein spannender Perspektivwechsel?

Wann verdient Dom unsere Unterwerfung? Und wann verdient Sub unsere Führung? Vielleicht gibt es darauf keine allgemeingültige Antwort. Vielleicht liegt die Antwort genau dort, wo zwei Menschen entscheiden, dass sie einander etwas anvertrauen möchten, das man nicht einfordern kann. Submission kann man nicht verlangen. Führung kann man nicht erzwingen. Beides kann nur freiwillig gegeben und angenommen werden.

Ein Gedanke, eine Erfahrung, eine Perspektive – schreibt mir. Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen.

Ich kann meine Perspektive nicht einfach wechseln und will es auch nicht. Dass Submission dem gegeben wird , der es sich verdient hat, trifft auf mich als Person nicht zu. Alles was ich bewußt entscheide, wird über kurz oder lang in einem Desaster enden. Das kann natürlich auch sehr ansprechend sein, ist aber für mich in Verbindung zu Menschen einfach nicht angebracht. 

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