BDSM.
Jemanden, der "Ja" sagt, wo Verletzlichkeit offensichtlich wird, all das Urmenschliche, das Unaussprechliche, das, was nirgendwo seinen Platz findet, obwohl es da ist, nach Antwort und Erwiderung sucht, antworten und erwidern möchte, in Begegnung, in gegenseitigem Erkennen und Annehmen. Und überall ist nur das Rohe, das Fleischliche, das Bewertende, das Benutzende auffindbar, das losgelöst nichts mit dem eigentlichen Menschlichen und Möglichen zu tun hat.
Ich habe vor rund drei Jahren begonnen, mich mit BDSM zu befassen. Zuerst war ich idealistisch und der Hoffnung, jeder verstünde hierunter dasselbe. Eine nahezu unverschämt intime grenzüberschreitende Annäherung zweier autarker Individuen, die zumindest in Momenten von Näheerlebnissen endet. Nun bin ich drei Jahre weiter und reichlich desillusioniert. Zumeist geht es schlicht um "hart ficken" und um - in meinen Augen - unreife Formen der Zwischenmenschlichkeit.
Männer inszenieren sich als erfahren und kompetent im Führen, anscheinend ohne ein Gegenüber spüren zu können. Frauen ordnen sich diesen unter ohne einen Blick auf die Qualität dessen, was ihnen zuteil bzw. nicht zuteil wird. Und das ist alles?
Ein Gegenentwurf: BDSM als das obengenannte, eine Form von den Alltag und die Oberfläche hinter sich lassender Intimität, in der zwei Gegenpole, die für sich genommen beide stark, wach und lebendig sind, sich gegensätzlich sein lassen und sich fürsorglich einander annehmen, der dominante Part den submissiven in seiner eingeräumten Schwäche, der submissive Part den dominanten in seiner Bedürftigkeit danach, die Schwäche des Gegenübers zu brauchen.
Beide im Streben nach der Lust des anderen und der eigenen. Als auch nach echter Begegnung im Ganzen. Gegensätzlich, jedoch gemeinsam und ergänzend.
Recht abstrus auf rohen Plattformen wie diesen.