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Gesundheit und Risiken im BDSM


Empfohlener Beitrag

Geschrieben

In letzter Zeit musste ich auf verschiedenen Foren, Blogs und Messengers mit Schrecken feststellen, dass sehr viele Doms nicht wirklich wissen, was sie mit ihrem Handeln anrichten können. Da ich das Thema Gesundheit und Risiken als etwas sehr wichtiges erachte, habe ich zur Auffrischung mal die häufigsten genannten Verletzungen beim Spanking zusammen getragen, da es eine der am meisten angewendeten Praktiken im Spiel und für Bestrafungen ist.

Hinschlagen kann man eigentlich überall, wo viel Fett oder Muskeln sind. Typische Regionen sind daher der Po und die Oberschenkel. Ebenso sind die Schultern, Waden, Fussohlen und Oberarme denkbare Bereiche. Hier sind insbesondere leichte und weiche Instrumente gut geeignet.

Gefährlich wird es überall dort, wo Knochen, Gelenke, Sehnen oder grössere Gefässe direkt unter der Haut liegen. Hierzu zählen besonders:

Die Hüftknochen -> Hier verlaufen die Nerven und Blutgefässe für die Beine, welche schon bei leichter Gewalteinwirkung Schaden nehmen können.

Der Steiss -> Er kann bei grösserer Gewalteinwirkung brechen.

Der Nacken -> An keiner anderen Stelle des Körpers zweigen so viele Nerven ab wie hier.

Die Nieren -> Die Nieren sitzen unter dem untersten Rippenbogen. Sie können durch Gewalteinwirkung den Dienst versagen.
Ein Stringtanga begrenzt eigentlich recht gut den Bereich, unterhalb dessen man schlagen kann. Wer dennoch wild um sich schlagen möchte, der sollte dem Spielpartner einen Schutz um die Nieren binden. Das war auch bei Auspeitschungen auf Sträflingsgaleeren üblich.

Besondere Behutsamkeit erfordern sensible Regionen wie die Genitalien, Brüste oder das Gesicht.
Bei einer Ohrfeige muss man darauf achten, dass der Schlag nicht ins Auge geht und den vorstehenden Nasenknorpel oder das Ohr trifft. Dabei droht die Gefahr eines Trommelfellrisses bishin zum Hörverlust.
Sofern man überhaupt mit Kraft schlägt und sich nicht mit dem demütigenden Effekt einer Ohrfeige begnügt, sollte man mit der zweiten Hand den Kopf des Sub halten. Damit wird dieser vom Schlag nicht zur Seite geworfen, was sonst schnell zu einem sogenannten "Schleudertrauma" führen kann. Die Folgen sind Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel, Sehstörungen oder Ohrengeräusche.

 

Gefährlich sind Schlaginstrumente, die verhältnismässig schwer sind. Es ist dabei egal ob dick und starr oder dünn und flexibel. Die Schlagwucht dringt sehr tief ins Gewebe ein und kann es zum reissen bringen. Die Folgen reichen von Narben bis zu inneren Blutungen.

Es kann natürlich immer etwas schief gehen. So minimiert man jedoch das Risiko eines irreparablen Schadens. Einmal passiert ist passiert und kann nicht wieder rückgängig gemacht werden. Der Spielpartner ist etwas vom wertvollsten und man hat die Verantwortung, seine körperliche und geistliche Gesundheit zu bewahren.

 

Wie sind eure Gedanken zum Thema?

Geschrieben (bearbeitet)

Vielen Dank für diese sehr gute Zusammenfassung. Deinen Vorletzten Satz kann ich nur unterstreichen, es geht um das gemeinsame Spiel!
 

bearbeitet von FETMOD-FF
Off Topic entfernt.
Geschrieben

Finde diese Zusammenfassung gut, bei ohrfeigen halte ich immer mit einer Hand den kopf fest und schlage in der regel da wo es nicht so schnell zu Verletzungen kommen kann, wie po oder oberschenkel.
Natürlich kann immer was passieren, das ist sich mit Sicherheit auch jeder bewusst.

Ich muss aber sagen wenn ich auf partys zugeschaut habe, fand ich immer sehr verantwortungsvolle doms dort.

Natürlich kann es in Forum auch sein das dort doms schreiben sie entweder noch nicht lang dabei sind oder mehr von der Theorie kommen.

Danke aber für diesen Diskussions Ansatz.

Gruß Herbert

Geschrieben

Ich hoffe das lesen auch die "Möchtegern-Doms", denen es sonst egal ist. Vielen Dank auf jeden Fall das du dir die Zeit genommen hast und das so gut beschrieben hast. Ich als Sub hoffe das sich das möglichst viele zu Herzen nehmen.

Geschrieben

Ich sehe vor allem auch das "Vorbild" Porno als extrem heikel an.

Öfters habe ich mich schon gefragt ist denen alles egal oder sind die einfach Fake.

Doch das weniger Härte auch ein schönes Spiel ergibt habe ich auch nicht von Anfang an gewusst.

Geschrieben

Man lernt jeden Tag dazu. Wenn man denn will 😉

Geschrieben

Als Dom hat man eine verdammt große Verantwortung der Person gegenüber die sich einem bedingungslos unterwirft. Das vergessen viele. Ich Wertschätze meine Partnerinnen und habe stets großen Respekt vor meinen Spielgefährtinnen. Das sollte jeder für sich einmal reflektieren und sich vor Augen halten, bevor er mit einem Menschen „spielt“

Geschrieben

Super Treat - kurz und ehrlich .

Ich ergänze mal um das Thema Seilbondage:

- Keine Schlingen, schon gar nicht um den Hals. Kein Knoten darf rutschen (Palstek, Kreuzknoten)

- kein Knoten auf Gelenke, Nervenknoten oder Hauptadern (nicht innen ans Handgelenk, Leiste, Achselhöhle, ....)

- auf Atmung und warme Hände/Füße achten (Kreislauf / Zirkulation testen)

- niemals, wirklich NIEMALS das Bunnie im Seil allein lassen.

 

 

Geschrieben

Vielen Dank für deinen Beitrag Natalie-Enrik. Ich bin immer froh über Ergänzungen. 

Gut zusammen gefasst 👍

Geschrieben

Guter Hinweis Seanthiar

Danke für deinen Beitrag 👍

Geschrieben

Vielen Dank auch für diesen Thread @Dominus_Tuo, nicht zuletzt, weil mit Deinen Beiträgen auch das Niveau in diesem Forum wesentlich angehoben wird.

Darüberhinaus ist der Beitrag von Seanthiar sehr, sehr wichtig! Ein verantwortungsvoller Dom fragt immer nach eventuellen gesundheitlichen Einschränkungen.

Und zu guter Letzt meine ganz persönliche Erfahrung und Empfehlung:

Ich probiere grundsätzlich und ausnahmslos ersteinmal ALLES an mit selbst aus, bevor ich es meiner sub antue. Ich habe mich selbst schon mit Kerzenwachs beträufelt, mir selbst Wäscheklammern an verschiedene Körperstellen gehängt und um das Gefühl für Schlaginstrumente  und deren Wirkung zu bekommen, empfehle ich die eigenen Waden. Die sind gut im Selbstversuch erreichbar und man kann dort nicht viel kaputt machen. Und wer bei der sub mal "so richtig durchziehen" will, sollte es wirklich mal bei sich selbst getan haben.

Die Präzision beim Schlagen übe ich mit einem bauschigen Kopfkissen, dass zwar die "Einschläge" sichtbar behält, sich aber weitgehend selbst wieder aufbauscht. Dann kann man nämlich auch üben die Schläge möglichst gezielt nebeneinander zu setzen. Während das mit einer guten Reitsportgerte noch einigermaßen gut zu bewerkstelligen ist, waren meine Anfänge mit dem Rohrstock schon wesentlich schwieriger. Erst wenn ich die Schläge auf dem Kopfkissen gezielt dahin bekomme, wo ich sie hinhaben will, wage ich mich an die lebende sub.

Geschrieben (bearbeitet)

Danke, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Ich handhabe es gleich. Dom der alten Schule nennt sich sowas. Ich würde mich selber jetzt nicht als alt bezeichen. Jedoch hatte ich zwei Jahre lang "Unterricht" bei einem erfahrenen Mentor.

Er brachte mir die nötigen Sichtweisen bei. 😉

 

Schlussendlich ist es aber jedem selber überlassen, wie er es für sich auslegt. Solange dabei niemand zu Schaden kommt.

bearbeitet von Gelöschter Benutzer
Geschrieben (bearbeitet)
Am 17.11.2020 at 10:48, schrieb Dominus_Tuo:

  Besondere Behutsamkeit erfordern sensible Regionen wie die Genitalien, Brüste oder das Gesicht.

Bei einer Ohrfeige muss man darauf achten, dass der Schlag nicht ins Auge geht und den vorstehenden Nasenknorpel oder das Ohr trifft. Dabei droht die Gefahr eines Trommelfellrisses bishin zum Hörverlust.
Sofern man überhaupt mit Kraft schlägt und sich nicht mit dem demütigenden Effekt einer Ohrfeige begnügt, sollte man mit der zweiten Hand den Kopf des Sub halten. Damit wird dieser vom Schlag nicht zur Seite geworfen, was sonst schnell zu einem sogenannten "Schleudertrauma" führen kann. Die Folgen sind Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schwindel, Sehstörungen oder Ohrengeräusche.

Mal abgesehen, dass Du die Zähnchen vergessen hast:

Mit dem Schleudertrauma verhält es sich genau gegenteilig. Dieses entsteht, wenn absorbierte Kraft "festgehalten" wird. Beispielsweise durch den Gurt eines Autositzes. Den Kopf mit der zweiten Hand festzuhalten sorgt genau für ein solches Trauma! Ansonsten gilt nämlich das Prinzip: "Wo der Kopf hingeht, dahin folgt der Körper." --- Mit voller Kraft ausgeführte "Backpfeifen" übt man übrigens auf dem Hals. Aus dem Grund, weil das Dreieck zwischen Ohr, Auge, Zahn so klein ist. Die Seite des Halses ist mit der flachen Hand hingegen leichter zu treffen - und ist entgegen Deiner Beschreibung nicht überaus krass mit Nerven durchsetzt.

Zum anderem schätzt man die Gesamtkonstitution einer zu spankenden Person vorher ein. Ist es eine kräftige oder eher zierliche Gestalt. Zudem kann man bestimmte Erkrankungen erfragen, bspw. ob es irgendeine Art Gewevsschwäche bei der Person oder in der Familie vorliegt. Denn schon ein leichtes Spankerli reicht dann bei einer solchen Person aus - und schon kann sich eine fette Einblutung und spätere Nekrose entwickeln, bei der dann ein Arzt schliesslich ein grosses Stück Fleisch aus dem Körper schneiden muss!

Und abseits dieser Vorerkrankungen: Titten sind nicht anfälliger für Verletzungen bei Spanking, nur weil es Titten sind! Gesundheitlich ist es kein Problem (weibliche) Brüste mit voller Kraft zu klatschen.

Ergänzend zum Kopf:

Wenn man sich mit beiden Beinen auf den Kopf stellt, sollte man darauf achten, dass man nicht auf dem Kiefer steht. Der seitlich gedrehte Kopf sollte auf der unteren Seite auf einer flachen Oberfläche liegen.

bearbeitet von Gelöschter Benutzer
Geschrieben

Den Beitrag von @Berlino sehe ich ausgesprochen kritisch. Darin werden extreme Spielarten beschrieben, die ich persönlich ablehne. Ich bin sehr gut ausgebildete Führungskraft in Feuerwehr und Katastrophenschutz und habe im Zuge dessen eine umfangreiche sanitätsdienstliche Ausbildung durchlaufen. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich nur dazu raten solche Spielarten nur dann einzusetzen, wenn man selbst sehr gut weiß, was wann, wo und wie im menschlichen Körper passiert. Und man sollte im Zweifelsfalle als Top den Arsch in der Hose haben, unverzüglich den Rettungsdienst zu rufen, wenn einem eine Situation außer Kontrolle gerät.

Besonders hervorheben möchte ich diese Passage:

vor 6 Stunden, schrieb Berlino:

Die Seite des Halses ist mit der flachen Hand hingegen leichter zu treffen - und ist entgegen Deiner Beschreibung nicht überaus krass mit Nerven durchsetzt.

Das ist so vollkommener Unsinn, denn insbesondere die Barorezeptoren an den im vorderen Bereich des Halses liegenden Halsschlagadern können auch bei kurzzeitigem Druck überreagieren. Es muss nicht passieren, aber möglicherweise kommt es bei Druck, der auch durch einen sekundenbruchteile kurzen Schlag ausgelöst werden kann, zum sogenannten Karotis-Sinus-Reflex. Der Karotis-Sinus-Reflex ist ein akut lebensbedrohlicher Zustand, kann also mit dem Tod enden. Bei Würge"spielen" ist diese Gefahr duch die zeitlich länger dauernde Einwirkung noch bedeutend größer. Der genannte Reflex kann aber beispielsweise auch bei Boxern nach einem K.O.-Schlag auftreten.

Seid euch bitte darüber im Klaren, dass einige "Spiel"arten, zum "Spiel" auf Leben und Tod werden können.

Geschrieben

Ein Arzt oder eventuell Krankenpfleger soll das schon wissen

Geschrieben

@Neurodiversity

Richtig, aber die Anzahl der BDSMler, die keinerlei rettungsdienstliche, oder medizinische Ausbildung haben und demzufolge gar nicht wissen können, was sie da mit dem eigenen Körper, oder dem eines anderen Menschen anstellen dürfte erheblich überwiegen. Das zeigt allein die bloße Anzahl vollkommen unwissender Beiträge in Foren wie diesen.

Ärzte, Rettungsdienstler und Pflegekräfte in Notaufnahmen stehen oft nur noch kopfschüttelnd da und oft hört man die Frage: "Wie kann man nur so dumm sein?"

Aber wenn der Rettungswagen, möglicherweise auch die Polizei vor der Tür stehen, oder man unter Schmerzen in der Notaufnahme liegt, ist es bereits zu spät. Genau deshalb muss in Foren immer wieder eindringlich vor den Gefahren gewarnt werden. Und wenn ich auch nur einen einzigen medizinischen Notfall durch meine Warnungen verhindern kann, hat sich mein Beitrag bereits gelohnt.

Geschrieben

@Mr_Tenacity
Mann sollte sich nicht von jeder behandeln lassen ;)

Geschrieben

Wiedermal ein Text von Ihnen dem ich zustimme. Und ebenso traurig bin, dass dies nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist

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