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Informationsbeitrag - der Topdrop


Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Was ein Subdrop ist, wissen die meisten bereits. Von einem Topdrop hörten bisher jedoch nur die wenigsten. Es gibt ihn und man darf ihn, genau wie den Subdrop, nicht unterschätzen.

 

Ein Absturz im BDSM oder auch Drop/Tropfen genannt, beschreibt eine Überforderung eines Spielpartners während einer Session, in der etwas schief gegangen ist. Ein emotionaler Absturz bedeutet folglich, dass einer der beiden, während oder nach der Session überraschend und unerwartet, von extrem intensiven und negativen Gefühlen wie Angst, Traurigkeit und Ohnmacht überrollt wird.

 

In so gut wie allen Foren und Communitys redet man über den Subdrop. Man findet jedoch nur sehr wenige Beiträge über den Topdrop. Viele denken immer noch, einem Dom kann sowas gar nicht erst passieren. Jedoch ist der Dom kein "Übermensch". Natürlich stürzen auch Doms ab. Es sind schliesslich auch Menschen und darum nicht gänzlich davor sicher. In den meisten Fällen erleben Subs einen solchen emotionalen Absturz. Ein Absturz des Doms wird daher meistens nicht so dramatisiert, wie Abstürze von Subs. Dies hat scheinbar klare Gründe.
Doms sind in der aktiven Rolle. Mit ihnen kann also nie das geschehen, was sie mit einem anderen machen dürfen. Es ist daher immer zu erwarten, dass der Dom niemals abstürzen kann. Er würde sich selbst ja nie in eine Situation bringen, die er nicht gewollt hat.
Doch dies ist so nicht ganz richtig.

 

Der Dom kann abstürzen, weil die Sub abgestürzt ist. Von einem Absturz der Sub erfährt der Dom prinzipiell erst im Nachhinein, weil die Sub meistens nicht reden kann und wird. Manchmal wird ihm aber auch erst Tage später bewusst, dass ihm da etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Er stellt fest, dass er doch nicht unfehlbar ist. Es folgen Vorwürfe an sich, die Situation nicht richtig eingeschätzt zu haben und glaubt, der Sub ernsthaften Schaden zugefügt zu haben. Er fürchtet, sie als Freund, Spielpartner oder vielleicht gar als seine Liebe verloren zu haben. Er beginnt an sich zu zweifeln, weil er offenbar nicht genügend Kontrolle über sein Handeln hatte. Da ein Dom jedoch stets nur Gutes (Führung der Session und Befriedigung der Bedürfnisse) für sich und seine Sub wollte, wird er mit seinem eigenen Versagen konfrontiert und es droht, ihn abstürzen zu lassen.

 

Der Dom kann ebenso abstürzen, weil er sich in seinem Rausch der Lust plötzlich mit einem Teil von sich konfrontiert sieht, welchen er mit sich, durch moralische Gründe, nicht in Einklang bringen kann. Zum Beispiel, dass man einen anderen Menschen so nicht behandelt.

 

Bei einem Dom kann sich ein Absturz dahingehend auswirken, dass er die emotionale Verbindung zum Partner verliert. Es entstehen Selbstzweifel, er wird unsicher, fühlt sich schuldig und es droht der Vertrauensverlust in sich als Person. Dieser Topdrop wird immer schlimmer, je länger man sich alleine darüber das Gehirn zermartert. Die meisten Doms versuchen, Abstürze vor sich und der Sub zu überspielen. Dies, weil traurigerweise viele immer noch davon ausgehen, solche Gefühlsabhandlungen stehen einem Dom nicht zu.

 

Egal wieviel Erfahrung und Fürsorge man mitbringt, ist man nie davor sicher. Das wichtige ist, danach miteinander zu reden. Macht euch keine Schuldvorwürfe. Geht beispielsweise zusammen essen und seit füreinander da. Denkt immer daran, dass der andere trotz allem ein guter Mensch ist, der auch Fehler machen kann. Gebt euch ein Gefühl der Sicherheit. So kann dieses schwarze Kapitel gut überstanden werden.

Geschrieben

Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe mir darüber noch nie Gedanken machen müssen und ich finde es toll, das du es angesprochen hast.

Geschrieben

Sehr interessant, mir war das nicht bewusst und es ist gut zu wissen, dass es das geben kann. 

Geschrieben

Ebenfalls vielen Dank für diesen wirklich gut geschriebenen und informativen Beitrag, das kann man nicht oft genug sagen.

So interessant hier im Forum mancher Meinungsaustausch sein mag, ich schätze solche informativen Beiträge auch sehr !

Geschrieben

Ein Sub der schon einiges erlebt hat und eine Dom die ihre ersten Schritte macht.

Gerade ein Mal ein Gefühl für die Peitsche entwickelt und dann war es einfach passiert, eine kräftige Strieme.

Das war dann ein richtiger Absturz.

Doch in einer Konstellation ich will es dir zu liebe machen war es öfters eine heikle Sache wer nun auf wem aufpassen muss. Die Dom auf´s "Handwerkliche", doch ich was das im Gefühlsbereich auslöst.

Geschrieben

❤️ Aftercare ist für beide soo wichtig. Toll, dass du auf dieses Thema aufmerksam machst! 

Geschrieben

Sehr gut geschrieben  und gut das Thema berührt, denn jeder sollte bedenken, dass er mit einem Menschen umgeht, egal welche Rolle er/sie einnimmt ....es sind immer Emotionen und jede Menge Vertrauen dabei...diese können verwundet, verletzt oder enttäuscht werden. Ich denke so sollte jeder achtsam mit seinem Gegenüber oder Partner umgehen, auch in der Zeit danach.

Geschrieben

Vielen Dank für eure Worte.

Das es hier eher um einen Meinungsaustausch als denn um Informationen geht, ist mir durchaus bewusst. Jedoch finde ich gerade reine Informations Beiträge ebenso wichtig. Ein Neuling traut sich unter Umständen vielleicht noch nicht dazu, aktiv an einem Gedankenaustausch mit zu machen.  

Geschrieben

Guten Abend,

auch von mir als Dom ein ganz herzlicher Dank, für diesen großartigen Beitrag!

Möge dieser Thread besonders bei den Tops Bewusstsein dafür schaffen, dass wir Tops/ Doms keinesfalls irgendwelche "Übermenschen" sind, die ständig alles im Griff haben.

Ich selbst bin glücklicherweise damit gesegnet, jederzeit meine eigene Gefühlswelt nicht nur zu erkennen, sondern auch darüber offen mit den mir Vertrauten sprechen zu können. Gegenüber nicht vertrauten Menschen kann ich mich klar abgrenzen. Empathie und Ehrlichkeit fangen immer bei einem selbst an. Nur wer zu sich selbst ehrlich ist und seine eigenen Gefühle kennt, kann auch anderen gegenüber ehrlich und empathisch sein.

Geschrieben

@Dominus_Tuo wirklich gut geschrieben, schön würde bei der Thematik ja eher befremdlich wirken. 

 

Ich selbst, als FemSub, kenne ja nur die Seite des Subdrops. Davon hört und liest man ja definitiv wesentlich mehr. (Vor allem in Sub-Gruppen, und da auch hauptsächlich weibliche Drops.) 

Meine FemDom hatte bisher (zum Glück für uns beide) keinen Drop, aber sie ist mir gegenüber auch sehr offen bezüglich ihrer Gefühlslagen und würde einen Drop nicht "verschleppen".

 

Jetzt kamen mir beim Lesen aber noch einige Gedanken und Fragen durch den Kopf. Hoffentlich okay, wenn ich die einfach mit in den Ring werfe:

 

Männer und Frauen sind in ihren Gefühlsäußerungen ja meistens unterschiedlich gestrickt.

In meiner Sub-Gruppe z. B. erlebe ich oft, dass die männlichen Subs eher sehr zurückhaltend sind, während die weiblichen Subs wesentlich mitteilungsfreudiger bezüglich ihrer Emotionen sind. 

Wie sieht das bei den Doms aus? Gibt es da, abgesehen von den individuellen Unterschieden, auch erkennbare Tendenzen zwischen den Geschlechtern im verbalen Umgang mit den Emotionen?

Und kann es sogar vorkommen, dass ein Domdrop verschwiegen wird, weil befürchtet wird, dass mit dem Eingestehen eines Drops die Dominanz gegenüber dem Sub Schaden nimmt oder verpufft? 

 

Das soll jetzt bitte nicht wertend verstanden werden. Ich würde es nur gerne besser verstehen. 

Geschrieben

Sowas ist mir völlig fremd... ich rede regelmäßig mit meinen Sklaven.. wir habe am Ende des we auch immer ein psychisches Gespräch wo wir wir das we reflektieren.. darüber reden was gut war was nicht.. was man anders oder besser machen könnte.. wie das Gefühlsleben war ..wie es psychisch gewirkt hat .. und auch wenn wir uns nicht sehen schreiben wir regelmäßig

Geschrieben (bearbeitet)

@BlackAngel, Ob es Dir persönlich fremd ist, oder nicht, steht hier ja gar nicht zur Debatte. Ich persönlich habe tatsächlich auch noch keinen Absturz erleben müssen, weder bei meiner sub, noch bei mir selbst. Dennoch geht es darum, sich für den Fall der Fälle vorzubereiten.

Und was bedeutet bitte "psychisches Gespräch"?

Wenn Du nicht gerade approbierte Diplom-Psychologin bist, hängst Du Dich mit der Verwendung solcher Begriffe meiner Meinung nach deutlich zu weit aus dem Fenster. Korrekt wäre im Übrigen der Begriff "psychologisches Gespräch".

bearbeitet von Gelöschter Benutzer
unötiges Zitat, beeinträchtigt den Lesefluss
Geschrieben

Ich habe genug Erfahrung um das so nenen zu können.. egal was du denkst ... und mein Sklave leidet oft unter emotionalen Problemen was unsere Partnerschaft na klar auch beeinflusst.. ich habe doch Gedanken nicht also kann mir sowas auch nicht passieren 

Geschrieben

@Dominus_Tuo

Schöner Beitrag! Sehr gut geschrieben!  Chapeu! Und ja: den "Top-Drop" gibt es wirklich und auch Ja: Es wird kaum darüber diskutiert. Aber genau das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Am Ende des Tages kommt es darauf an, eine Sprache zu finden, in der man sich verständigen kann. "Miteinander reden" ist eine Floskel, eine alte Sau, die immer wieder durch das gleiche alte Dorf getrieben wird. Nu:: Wenn ein Part nicht zuhören will oder nur das versteht, was sie/er verstehen will, kann man in Sachen Kommikation auch nicht weiterkommen.

Wir alle sind auch "nur" Wesen aus Fleisch und Blut.

Ich bin mal mit einem Maledom ins Gespräch gekommen, der mir erzählte, er sei Chemiker. Fand ich zunächst interessant. Dann kam heraus, daß er tagein, tagaus Spanplatten in eine Beizlösung taucht. Chemiker, Genau!

Ich habe mal eine Femdom kennengelernt, die damals mal knapp über 20 war. Natur- und alltagsdominant versteht sich. Führungspersönlichkeit, versteht sich. Ergebnis: Sie hat in der Systemgastronomie gearbeitet und  ihre sogenannte  "Dominanz" aus der Tatsache geschöpft, daß sie als Einzige die in diesem Land geläufige Muttersprache einigermaßen fehlerfrei spricht und sich mit ihrer Kundschaft verständigen kann. Nicht, daß sie in den Heimatländern ihrer "Untergebenen" schon mangels  der Möglichkeit, sich zu verständigen sofort unter die Räder gekommen wäre. Dominanz?? Femdom? Lächerlich

Warum operiere ich keine Herzklappen? Ganz einfach: Ich weiß nicht, wie sowas geht. Ich lasse doch keine Pferde los, wenn ich nicht sicher bin sie nicht wieder einfangen zu können. Ich kenne BDSMler, die das anders sehen und da wohl ein anderes Temperament haben.  Nur: Der nächste Tag ist ein neuer Tag und die Karten werden dann neu gemischt. Die Welt sieht dann ganz anders aus. Ich selber halte mir jedenfalls immer einen Rückzugsweg offen.

Angeblich hat  "Sir" Winston Churchill mal gesagt: "Was ich an den Amerikanern so schätze ist, daß sie alles richtig machen....Nachdem sie alles andere ausprobiert haben". Wenn Sub abstürzt, hat Dom nichts mehr schönzureden.

Ich kenne beide Seiten im BDSM und bin schon auf beiden Seiten abgestürzt. Auf Wiederholungen lege ich keinen Wert. "Res ad triarios venit", heißt es. "Die Sache kommt zu den Triariern".  Und was dann? 

Meine Erfahrung, meine Meinung: Im BDSM passiert IMMER etwas in der Tiefe. Aber ich lasse mich da gerne belehren und korrigiere mich gerne bei Bedarf. Bis auf weiteres halte ich allerdings meine Linie. Und bislang ist da noch niemand zu Schaden gekommen.

 

@Mr_Tenacity:  Nichts für ungut: Eine diplomierte Psychologin braucht keine Approbation solange sie sich nicht um das Seelenheil ihres Gegenübers zu kümmern hat. Nicht jede Psychologin ist auch The***utin.

 

@BlackAngel: Es gibt in dieser Republik keine Sklaverei, also gibt es auch keine "Sklaven".  Wie bitte?  "Psychiches Gespräch"??  Was soll denn das genau sein? Siehe oben: Thema "Herzklappen"!!

 

Gehabt Euch wohl!

Viking

 

Geschrieben

Für die, die sich mal ernsthaft mit 'aftercare' beschäftigt haben (hab ich hier nur in einem Beitrag gelesen), ist diese Situation kein 'böhmisches Dorf'. Nur hat dabei, wie so oft, 'bdsm' keinen Alleinvertretungsanspruch. Das ist eine psychische Krisensituation, in die jeder geraten kann.

hG

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