Jump to content

Sugar&Spice Part 1


Empfohlener Beitrag

Der Text ist heiß!

Um weiterlesen zu können benötigst Du einen Account.
Jetzt kostenlos registrieren!

Jetzt registrieren

Das neue Weinkontor hat erst eine Woche geöffnet. Gelegen in ruhiger Seitenstraße wäre es Dir gar nicht aufgefallen, wenn Dir nicht dieser Mann in der Schönhauser den Flyer in die Hand gedrückt hätte. Möglicherweise handelte es sich um den Eigentümer selbst. Ein eher nicht besonders auffälliger Typ, jedoch besaß er einen markanten Blick, der Dich für mehr als einen Moment nicht losließ. Dazu eine sonore, tief im Bass verhaftete Stimme.

Schnell war er vergessen. Den Flyer wolltest Du bereits dem nächsten Mülleimer schenken, aber ein Weinhandel beinahe auf Deinem täglichen Laufweg in Nähe des Umsteigebahnhofs war doch sehr praktisch. Eigentlich warst Du keine besondere Trinkerin, aber bei Gelegenheit... . Weinverkostung zur Eröffnung. Schwerpunkt Spanien und die neue Welt. Mit Tapas. Mit Musik. Du mochtest die eher schweren roten Gesellen mit Tanninerblast, Pfeffer auf der Zunge, Gerbstoffschüttungen hinten heraus, Aromenecho am Gaumen widerhallend, lang ausdauernd und angenehm anregend und Alltags umnebelnd. Beerige Kopfnoten. Ein wohl austariertes Parfum für die Zunge. Oder leichtgängige, etwas kühle, nicht zu trockene Weiße für sonnige Abende im eigenen Garden-in-a-nutsshell im Altbau-Disney von Prenzl'berg.

Warum nicht hingehen und kosten? Merkwürdiger Weise war das Datum durchgestrichen und handschriftlich auf nächsten Sonnabend korrigiert. Na ja, kurzfristig verschoben, weil Freitag keiner kommen wollte.

Sonnabend verlief hektischer als geplant. Obwohl die Kinder nicht da waren; pubertäre Plagen, wenn auch keine sieben sondern nur zwei. Zu lange geschlafen, ewig saubergemacht, immer in Gedanken an die vermaledeite Schule, dann streikte die Waschmaschine und als Du Dich endlich noch kurz mit einem erfrischend duftenden Pfefferminztee hinaus setzen wolltest an diesem vorher noch herrlichen Herbsttag, da setzte just in dem Moment der Wetterwahnsinn mit Regen und Wind ein. Du fühltest Dich unvermittelt nicht nur dem Herbst des Lebens sondern seinem Hochwinter nahe. Allein und etwas perspektivlos im Regenschleier Deiner Gedanken gefangen.

Kommt mir Wein gerade recht. Er lässt mich an den Sommer denken. Und im Zweifel ist er gutes Antidepressivum. Zum Wein gehört - Wetter hin oder her - ein passendes Kleid. Im verblassenden Spätjahr eher Senf und Bordeaux, weniger Kardinalrot, passend zum gezupften Blondschopf mit den gefühlten, allerersten Silberfäden der Serpentinen des Lebenslaufs. Und das Kleid verlangte nach passenden Schuhen, die beides taten, Dein Bein betonen und dem Wein mehr Wegstrecke in Deiner Blutbahn verschaffen. Oder schwarzen, enganliegenden Stiefeln.

Du kamst etwas zu spät, Relikt der ehemaligen Privilegien einer Frau in durchorganisierter Zeit. Außer Dir waren nur 3 andere Gäste und der Mann aus der Fußgängerzone anwesend. Er, zwei weitere Männer und neben Dir noch eine Frau. Begrüßung. Ein Glas Crémant d'Alsace zum Willkommen. Gläser klingen. 'Prost,

Das Vorgeplänkel zog sich hin, Du schieltest hungrig zum Buffet. Eine theoretische Einführung. Aufhorchen! Es solle eine Blindverkostung werden, um Vorurteile auszusondern. Eine Augenbinde, ein gereichtes Glas, ein Schluck, Schmecken, ein passendes Häppchen spanischer Provenienz, Abgabe der Meinungen. Nun denn. Dann halt so. Hoffentlich wird es noch ungezwungener, dachtest Du.

Plötzliche Sonnenfinsternis. Das samtene Band umschloss Deine Augen. Jäher Protest wollte in Dir aufwallen. "Keine Angst", flüsterte jedoch es jedoch tieftöhnend in Dein Ohr. Dein Trommelfell hallte noch über Minuten nach. Ein Flüstern wie aus dem Mariannengraben der Tonleiter, dickste Wände des Widerwillens ohne weiteres durchdringend. Cher, ... "He woke the woman in me".

Costal Fog Red Zinfandel, wohlaustarierte 12,5 % tanzten auf deiner Zunge. Der häufige Seenebel ließ der Glukose Lebensraum. Brachte Salz in die Erde, hemmte die Bitterkeit der Böden unter sonst kalifornischer Sonnenglut. Eine leichte Eröffnung. Etwas Serrano in Olivenpaste mit Erdnusscrunch.

Es folgten beerige Bomben, Shiraz aus dem Barossa, Cabernet Sauvignon aus Blomfontein. Flüssige Pfeffernüsse im Merlot aus dem Sonoma Valley. Stetes Wechselspiel, Fleischbällschen mit Mojo Rojo. Madrigal mit geliertem Aprikosensenf. Die salzige Sardine, wie ihr glatter, gründlich entschuppter Leib zwischen Deinen Lippen vor und zurück glitt. Wie Du intensiv das herzhafte Aroma des Silberlings in Dir aufnahmst. Nur Ohren, Mund und Nase transportierten die Aromen von Wein und Tapas in Dein Hirn. Nichts lenkte ab vom sinnlichen Genuss. War da eine Berührung an Deinem Arm?

Zustimmendes, genießerisches, fachsimpelndes Gemurmel ergab einen Klangteppich, der Dich zusammen mit dem Alkohol ganz leicht und entspannt werden ließ. Im Hintergrund seufzte klagend ein portugiesischer Fado von der Festplatte.

Garnacha aus La Mancha, Gran Riserva, letztes Aufgebot der Roten Armee. Seine Hand streifte unmerklich Deinen Hals, ein Schlenker und Dein linker Busen erlitt oberflächlichen Lackschaden. Rings um Dich wellte sich der Klangteppich. Wo Wortbrei gewesen war, tummelten sich nun Glucksen, Lachen, Seufzen, mattes Protestieren. Die Luft wurde dick. Schweißperlchen genossen die Aussicht Deiner Stirn.

Ein Tropfen des heißen Spaniers verblieb auf Deinen Lippen. "Ich tupfe ihn auf", sagte ER. War es eine Zunge, die die Serviette mimte. Was war hier los? Schwer wälzte sich Dein Verstand.

Ein Genuss, diese Zeilen zu lesen.
Vielen Dank dafür. Ich freue mich auf den zweiten Teil, den ich ja schon gesehen habe.

×
×
  • Neu erstellen...