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Können auch Subs die Regeln des Konsens brechen?

Der Verstoß gegen Vereinbarungen zum Konsens ist nicht selten ein Desaster für eine Partnerschaft im BDSM, egal dieser aus voller Absicht oder aus Versehen geschieht. Wenngleich in den allermeisten Fällen diese Regelverletzungen vom dominanten Partner zu verhaften sind, kann es jedoch auch dazu kommen, dass Unterwürfige den Konsens übertreten. Unsere Autorin Sienna Saint-Cyr bringt Licht ins Dunkel.

 

Verstöße gegen die Konsensregeln im BDSM

Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass es sich um einen schweren Verstoß handelt, wenn ein/e Dom/me die vorher vereinbarten Regeln ignoriert. Sei es, dass eine Session nicht beendet, sondern weiter oder härter gespielt wird, dass ein Safeword einfach ‚überhört‘ wird oder andere Warnsignale ‚übersehen‘ werden. Fast alle kennen solche Fälle zumindest vom Hörensagen und wissen, wie schwerwiegend dies sein kann.

Der umgekehrte Fall allerdings, nämlich dass ein/e Sub sich über Vereinbarungen im Kontext von BDSM hinwegsetzt und Absprachen mit dem/der Dom/me verletzt, spielt in Diskussionen über Konsens oft keine Rolle. Dass es nicht thematisiert wird, liegt wahrscheinlich am Rollenverständnis. Viele nehmen an, der Dom oder die Domme habe schließlich die Macht und könne somit derartiges einfach unterbinden oder gar dass der/die Sub eine eher passive Rolle hat und somit solche Grenzen nicht aktiv überschreiten könne.

Durch zahlreiche Gespräche mit dominanten Personen habe ich jedoch erfahren, dass auch diese unter den Regelverletzungen leiden. Eine Sub küsst ihren Dom, obwohl es anders vereinbart wurde. Das Gleiche gilt für Umarmungen, Kuscheln oder Kitzeln, was viele Doms ebenfalls untersagen. Diese Beispiele klingen nicht so schrecklich und sind sicher nicht vergleichbar mit manchen Missbrauchsszenarien in die andere Richtung, dennoch sind auch die Grenzen von Doms und Dominas zu beachten – und zwar immer. Der Verstoß gegen Regeln ist automatisch immer ein Übergriff. Es ist ein Verhalten, das signalisiert, dass man sich nicht an vereinbarte Grenzen halten will und die eigenen Bedürfnisse über die des anderen stellt. Auch kleine Verstöße darf man nicht einfach ignorieren, nur weil man sie für harmlos und ungefährlich hält. 

 

Problemfall Bratty-Sub

Es gibt Beziehungsdynamiken im BDSM, in denen kleinere Grenzverletzungen zum Spiel gehören. Hier muss man vor allem Partnerschaften nennen, in denen der/die Sub eine aufsässige Rolle spielt. Der besondere Reiz dieser Spielart liegt für die Teilnehmer darin, dass die Sub ihren Dom mehr oder weniger ständig herausfordert. In diesem Fall ist sie eine Brat (zu deutsch Gör oder Miststück) und auf Fehlverhalten wird innerhalb des Spiels reagiert, und zwar mit Mitteln des Spiels. Ob und welche Grenzen es einzuhalten gilt, muss natürlich auch hierbei individuell vereinbart werden.

 

Subtile Zustimmungsverletzungen durch Subs?

Es ist immer problematisch, Vereinbarung über den Konsens im BDSM einfach über Bord zu werfen. Auch wenn es sich nur um subtile Verstöße gegen Regeln handelt, nimmt man damit hin, dass auf den Gefühlen eines Partners herumgetrampelt werden kann. Nur weil man davon ausgeht, dass Dom und Domina stark genug sind, auf sich selbst aufzupassen und eine/n übergriffige/n Sub in die Schranken weisen zu können, darf man nicht einer Seite einen Freifahrtschein ausstellen. Konsens und Vertrauen sind keine Einbahnstraße, sondern sind von allen Partnern zu beachten. Nur so kann eine gute D/s-Beziehung im BDSM funktionieren. 

 

Sienna Saint-Cyr schreibt für Fetisch.de und bloggt über Kink, Polyamorie, Body Image und viele andere Themen. Übersetzt von Tomasz Bordemé, Autor und Blogger, der über BDSM und Erotik schreibt.

 

Egal, ob du Dom, Domina, Sub, Sklavin oder Sklave bist: Lass uns in einem Kommentar wissen, wie deine Meinung zum Problem Grenzverletzungen durch Subs ist!

 

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    Teil 2 Das lange Gespräch über Konsens Gegenseite

    Notizen vor dem Gespräch (sein inneres Protokoll) Mittwoch. Frühling. Viel Licht. Ich habe Wasser auf den Tisch gestellt. Kein Wein. Kein Signal. Wasser. Leise Jazzmusik läuft im Hintergrund. Nicht SM-Party. Eher Café. Oder Fahrstuhlmusik. Dezent. Gut für tiefe Gespräche. Die Sonne spiegelt sich auf dem Holzfußboden meines Wohnzimmers. Nicht, weil ich romantisch sein will. Sondern weil ich hoffe, dass Klarheit mir hilft, ruhig zu bleiben. Sie war nicht meine erste SM-Beziehung. Und genau deshalb wusste ich, dass ich vorsichtig sein musste. Nicht jede Erfahrung macht einen besser. Manche machen nur sicherer. Andere nur schneller. Sie war anders. Nicht laut. Nicht fordernd. Intelligent. Hübsch. Dezent zurückhaltend. Fast schüchtern. Und irgendwann merkte ich, dass ich sie nicht nur als Spielpartnerin betrachtete, sondern als jemanden, mit dem Beziehung möglich wäre. Ich wollte das neutral betrachten. Aber man kann das nicht. Ich stecke ja selbst mittendrin. ⸻ Ich hatte Respekt. Großen. Nicht vor ihrer Stärke. Sondern vor ihrer Offenheit. Sie war noch etwas unerfahren. Nicht naiv. Einfach unerfahren. Ich fand das eher berührend als problematisch. Und das ist kein Makel. Das ist Verantwortung. Meine. Und ehrlich gesagt auch ein bisschen Angst, etwas falsch zu machen. Ich wollte sie nicht überfahren. Aber ich wollte auch nicht zögerlich wirken. Nicht unsicher. Nicht halb. Ich wusste: Wenn ich jetzt falsch dosiere, verliere ich entweder ihr Vertrauen oder mich selbst. Und ich war mir nicht sicher, wovor ich mehr Angst hatte. ⸻ Ich hatte recherchiert. Nicht aus Unsicherheit. Eher aus Sorge, etwas Wichtiges zu übersehen oder zu vergessen. Ich hatte zwölf gute Fragen vorbereitet. Dann suchte ich online, was man in SM-Beziehungen noch fragen sollte. Fand drei weitere. Dann noch drei. Dann fielen mir wieder selbst welche ein. Und plötzlich fragte ich mich: Sind fünfzehn Fragen zu wenig? Oder schon zu viele? Ich wollte ihr keine Angst machen. Aber ich wollte auch nicht banal wirken. Nicht so tun, als wäre das hier „einfach“. Am Ende entschied ich mich für fünfzehn schriftliche Fragen und ein paar zusätzliche mündliche. ⸻ Ich bin erwachsen. Ich war auch vorher schon lange erwachsen. Aber jetzt zweifelte ich nicht mehr daran. Ich weiß, dass ich zu den ruhigeren Männern mit Lebenserfahrung gehöre. Nicht laut. Nicht cool im klassischen Sinn. Aber klar. Ich habe ein paar wirklich gute SM-Skills. Diese laute „Ich-hab-recht-Dominanz“ war nie meine. Vielleicht konnte ich sie auch einfach nie gut spielen. Aber Dominanz sollte man nicht spielen müssen. Sondern fühlen. Manche Dinge wollten bei mir nie richtig wachsen. Nicht aus Mangel an Interesse, sondern weil sie mir nicht entsprachen. Shibari zum Beispiel. Da war ich am Anfang. Sie auch. Mir gefiel das zunächst nicht. Ich wirkte unbeholfen. Zu wenig souverän. Aber gemeinsam zu wachsen hatte plötzlich wieder einen eigenen Reiz. ⸻ Ich hatte mit ihr diese Chance. Alles noch einmal neu zu erleben. Nicht als Anfänger. Aber auch nicht als jemand, der nur wiederholt. Als Beobachter. Als jemand, der durch ihre Augen noch einmal alles neu sehen durfte. Ich empfand das als großes Geschenk. Und hoffte sehr, dass sie vieles wenigstens einmal ausprobieren würde. Und ich wollte nichts kaputt machen. Gleichzeitig wusste ich genau, was ich dieses Mal wollte. Ich hatte aus Fehlern gelernt. Aus zu viel Tempo. Aus zu wenig Klarheit. Aus falscher Rücksicht. Aus zu viel Tragen. Ich war bereit für eine neue Runde in der Welt der Beziehungen. ⸻ Ich wollte, dass sie bei mir aufblühen kann. Nicht funktionieren. Nicht gefallen. Ich wollte ihr genug Freiraum lassen, trotz der Enge, die sie brauchte. Sie war bezaubernd. Und liebenswert. Und sensibel auf eine stille Art. Ich hatte Drehbücher im Kopf. Für Szenarien. Für Sessions. Für Dynamiken. Für Aufgaben. Aber dieses erste Gespräch gehörte nicht dazu. Das musste offen bleiben. Unfertig. Echt. Sieben Seiten lagen auf dem Tisch. Sicherheit für einen sicheren Dom? Oder ein Zeichen von Unsicherheit? Ich beschloss, es als Vorbereitung zu sehen. Oder redete mir das zumindest ein. Wahrscheinlich war es beides. ⸻ Die eine Frage, die ich mündlich stellte Nicht auf dem Papier. Nicht vorbereitet. Aber wichtig. Was soll ich tun, wenn ich merke, dass ich etwas will, das dir gerade nicht gut tut – auch wenn du Ja sagen würdest? ⸻ Warum ich trotzdem frage Weil Fantasie ohne Fundament auf Dauer nicht tragen kann. Und weil Erfahrung ohne Demut und Reflexion gefährlich wird. Ich frage nicht, um zu führen. Ich frage, um tragen zu können. Und ich weiß: Wenn ich es jetzt richtig mache, kann etwas wachsen. Nicht perfekt. Aber ehrlich. ⸻ Ergänzung – das Tagebuch Ich hatte für sie ein Tagebuch vorbereitet. Ich wusste bereits, dass sie Tagebuch schreibt. Aber dieses war anders. Es sollte nichts ersetzen, sondern ergänzen. Nicht romantisch. Eher sachlich. Vielleicht sogar ein bisschen wissenschaftlich. Kein Ort nur für Gefühle, sondern auch für Beobachtung. Für Zusammenhänge. Für Wiederholungen. Nicht, um etwas zu messen. Sondern um etwas zu verstehen. Um zu sehen, was sie wann mag. Wie sich Dinge verändern. Wie Nähe sich aufbaut und wieder abflaut. Nicht, um Wellen zu erzwingen. Sondern um zu erkennen, wann sie von selbst höher werden. Und was ihnen Raum gibt. Ein Vergleich nicht im Sinne von Bewertung, sondern im Sinne von Erinnerung: War es beim letzten Mal anders? Oder bilde ich mir das nur ein? Das Konzept existierte schon, bevor ich sie kannte. Nicht für sie gemacht. Aber offen genug, sie aufzunehmen. In der Hoffnung, dass sie den Sinn dahinter erkennt und bereit ist, es eine Zeit lang auszuprobieren. 15 Likes· vor 9 Monaten

    Das lange Gespräch über Konsens

    (ihr Tagebucheintrag, rückblickend) Mittwoch. Frühling. Viel Sonne, aber noch nichts grün. März. Einer dieser Tage, die harmlos aussehen und später sagen: Ich war wichtig. Das Besondere heute: Ich bin zum ersten Mal bei ihm zu Hause. Gestern war unser sechstes Date. Heute sitze ich an seinem Tisch. Das ist ein Unterschied, den man nicht erklären muss. Ich erinnere mich an seinen Pullover. Und ich weiß noch genau, wie er roch. Nicht nach Parfum. Eher nach frisch, vielleicht Sport-Duschgel und Kaffee. Nach ihm. Ein Geruch ohne Absicht. Und genau deshalb schwer zu vergessen. Unscheinbar. Grau oder blau. Einer von denen, die nichts versprechen. Und dann doch bleiben. Bis jetzt waren es einfache Dinge gewesen. Ein Essen. Spaziergänge. Dieses leise Lachen zwischendurch. Er wirkte nett. Freundlich. Wach. Damals dachte ich: angenehm. Heute weiß ich: aufmerksam. Nach ungefähr zwei Stunden bin ich bei ihm in der Wohnung. Und irgendetwas verschiebt sich. Nicht abrupt. Nicht unangenehm. Ernst. Auf dem Tisch steht Wasser. Nicht Wein. Nur Wasser. Daneben liegt ein Block. Und sieben ausgedruckte Seiten. Sieben Seiten sind viel, wenn man denkt, man kennt jemanden schon ein bisschen. Sieben Seiten sind sehr viel, wenn es um Nähe geht. Er sagt, er wolle meine Grenzen verstehen. Nicht abklopfen. Nicht testen. Verstehen. In dem Moment denke ich noch, dass das vielleicht ein bisschen übertrieben ist. Heute denke ich: Es war präzise. ⸻ (Rückblende. Tagebuch, ein paar Tage vorher.) Wir hatten bereits Sex. Fesseln. Nähe. Dieses spielerische Vertrauen. Es war leicht gewesen. Schön. Ich hielt das für den Anfang von Kontrolle. Heute sehe ich: Es war der Anfang von Verantwortung. ⸻ Seite aus dem neuen Tagebuch (eingeklebt. Seine Fragen oben, meine Antworten darunter.) ⸻ 1. „Was bedeutet für dich ein echtes Ja?“ Antwort: Hingabe. Abgeben. Wenn ich nicht überlege, ob ich gefallen muss. Wenn mein Körper schneller ist als mein Kopf. Wenn ich nicht denke: Man macht das halt so. Randnotiz, eine Woche später: Ich habe gemerkt, dass mein Ja früher oft höflich war. Das hier war das erste, das geprüft werden durfte. ⸻ 2. „Woran würdest du merken, dass du innerlich Nein sagst, aber trotzdem mitgehst?“ Antwort: Ich werde still. Ich mache Witze. Ich werde funktional. Randnotiz: Dass ich das so klar wusste, hat mich überrascht. Dass er danach nicht weiterfragte, auch. ⸻ 3. „Was fühlt sich für dich sicher an, wenn du Kontrolle abgibst?“ Antwort: Eine ruhige Stimme. Klare Anweisungen. Dass jemand merkt, wenn sich mein Atem verändert. ⸻ 4. „Was bedeuten Gelb und Rot für dich?“ Antwort: Gelb heißt: langsamer, bewusster, nachfragen. Rot heißt: sofort stoppen. Randnotiz: Ich habe gemerkt, wie erleichtert mich diese Klarheit gemacht hat. ⸻ 5. „Welches Abbruchsignal wollen wir?“ Antwort: Ein Wort: Gurkensalat. (oder Rot) Zusätzlich ein Zeichen, falls ich nicht sprechen kann. Etwas fallen lassen. Ein klares Geräusch. ⸻ 6. 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Was er sich wünscht Antwort: Dass ich wach bleibe. Dass ich mich entwickle. Und ein paar Dinge, die er ehrlich für sich will. Randnotiz: Dass er das aussprechen konnte, hat Vertrauen erzeugt. ⸻ 14. Regelmäßige Gespräche Antwort: Ja. Nicht nur, wenn etwas schiefgeht. Auch, wenn alles gut ist. ⸻ 15. Ergänzende Fragen Antwort: Was bleibt privat. Was ritualisiert wird. Was nie selbstverständlich sein darf. ⸻ (Heute. Eine Woche später.) Jetzt weiß ich: Er wusste, dass Macht nur dann leicht wird, wenn sie vorbereitet ist. Und dass Freiheit nichts mit Spontaneität zu tun hat, sondern mit Sicherheit. ⸻ Der Moment danach Als wir fertig sind, legt er den Block beiseite. Und holt ein Buch. Schwarz. Schön. Schwer in der Hand. Bestimmt teuer. Nicht protzig. Eher sorgfältig. Kein leeres Notizbuch. Vorne hat er Regeln hineingeschrieben. Sauber. Klar. Mit Mühe. Mit Struktur. Mit Kreativität. Nicht wie Befehle. Eher wie ein Rahmen, der nicht wackelt. Die ersten Seiten gehören dem Grund. Begriffe. Bedeutungen. Farben. Seine Verantwortung. Meine Freiheit. Nicht verhandelbar. Aber verlässlich. Weiter hinten eine Skala. Nicht vulgär. Nicht technisch. Eine Landkarte für Empfindung. Damit Worte nicht fehlen, wenn sie gebraucht werden. Damit nichts verschwimmt, nur weil es intensiv ist. Dann Seiten für den Zyklus. Nicht kontrollierend. Sondern achtend. Fast wissenschaftlich. Um Zusammenhänge zu verstehen, statt sie zu ignorieren. Und dann leere Seiten. Viele. Für Beobachtungen. Für Reaktionen. Für Tage, an denen nichts Besonderes passiert. Für Zweifel. Für Freude. Für Dinge, die nichts mit ihm zu tun haben. Dieses Buch will mich nicht ersetzen. Es will mich begleiten. Er sagt nicht viel. Er legt es mir einfach hin. ⸻ (Rückblende.) Letzter Eintrag in meinem alten Tagebuch Ich schreibe das hier, weil sich etwas schließt. Ich bin jetzt seine Sub. Nicht, weil ich kleiner geworden bin. Sondern weil der Raum größer ist. Mein altes Tagebuch endet hier. 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