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ADHS als Sub – wie geht ihr damit in eurer D/s-Dynamik um?


Sarah_74656

Empfohlener Beitrag

vor 2 Stunden, schrieb Chanice_Chris:

Gerade bei ADHS kann ein direktes positives Feedback einen zusätzlichen Motivationsschub geben. Wir nutzen das bewusst, damit regelmäßig kleine Erfolgserlebnisse und dieser gewünschte Dopamin-Kick entstehen. Dadurch steigt bei ihr auch die Bereitschaft bzw. der Wille, den Fokus zu halten und Aufgaben konsequenter durchzuziehen.

Soweit ich weiß, tun Dopamin-Kicks jeder Art den ADHSlern gut, sie können sich dann besser konzentrieren, sind antriebsstärker und klarer. Das hat mit Google eben auch bestätigt.

Demnach könnte für ADHS-subs eine solche Art von Umgang, wie Du es beschreibst, @Chanice_Chris, tatsächlich eine gute Hilfe sein. 

Wie ist das denn mit Dir, @Bratty_Lo, kannst Du das nachvollziehen? Erlebst Du das ähnlich? 

Gamification funktioniert bei sehr vielen ADHSlern und dürfte sich im BDSM Kontext und vor allem in einer D/S Konstellation umsetzen lassen - es kann allerdings sein, dass irgendwann das Gesamtinterese an einem Spiel / App verloren geht, sollte also im Hinterkopf behalten werden. Innerhalb einer D/s Dynamik kann ich keine Beispiele geben. Allerdings aus meinem Alltag (wo ich mich quasi manchmal auch selbst ein wenig "befehlige" xD). Achso zur Info: AuDHS hier, also eine Kombination ADHS + Autismus mit wechselnden Phasen, was gerade mehr "da" ist. 

Zu Gamification:

Ich habe bsp. für Wasser trinken eine App, bei der ein Otter immer mehr im Wasser schwimmt - am Anfang des Tages steht er natürlich trocken da. Je mehr Gläser / Mengen ich eintrage, desto mehr darf er schwimmen. 
Es gibt auch spezielle ADHS Apps, wo du dann Charaktere leveln kannst, Erfolge frei schaltest etc.

Im Kontext von BDSM kenne ich bisher nur die Obedience App oder wie die heißt und es gibt wohl noch eine, deren Namen ich vergessen habe, wo ein Aufgaben / Belohnungssystem aufgebaut werden kann. Im Little Kontext kenne ich Sternchen oder Sticker als Belohnungen. Viele ADHS Menschen sammeln auch gerne Dinge, dass kann sich zu nutze gemacht werden. 

Das "reicht" allerdings ggf. nicht, wenn das "Erfolgsfeedback" anders erfolgen muss als schriftlich irgendwo hinterlegt. Ich mag es bsp. auch, wenn beim "Anklicken" des Hakens (Erledigt)  das Handy vibriert. Für meine autistisch, schwierigen Aufgaben, gerade an ADHS "Startschwierigkeits" tagen belohne ich mich auch mal mit Eis oder Naschereien, die nur dafür da sind. Und ja, manchmal fühle ich mich wie ein eigener Dom ;) - dieses Bild in meinem Kopf hilft dann allerdings tatsächlich so ein wenig. 

Achtung, kein wissenschaftliche Infos, aber grob aus meinem Kopf: ADHS Medikamente funktionieren auch so, dass Dopamin / Noradrenalin beeinflusst wird. Hier liegt ein Mangel / Schwierigkeiten bei der Verarbeitung vor. Ergo, ADHS Köpfe sind für Dopamin ggf. enorm empfänglich, können viel schneller " ins schneller, höher, weiter " kommen als andere und sich ggf. hierbei auch übernehmen. Das ist vielleicht im Alltag auch zu bedenken - gerade, wenn das Gehirn in einen Hyperfokus versinkt und wirklich alles andere einfach vergessen wird. ;) Ich glaube, ein Dom, der hier ab und an Check Ins macht oder erinnert, ist vielleicht da auch ganz praktisch - so wird Essen und Trinken nicht vergessen :D

Ebenfalls hilft es wirklich diese Reibungspunkte, die generell existieren, ausfindig zu machen und diese ggf. auch so hinzunehmen wie sie sind und  nicht zu bestrafen. In meinem Netzwerk gibt es einige Menschen mit ADHS und hier strafe ich in der Session bestimmt nicht, weil der Kopf plötzlich abgelenkt war - weil bsp. Fernseher eingeschaltet war, ein Satz einen Ohrwurm losgetreten hat oder irgendetwas plötzlich gegoogelt werden muss. Ich werde ebenfalls auch nicht dafür bestraft, wenn ich aus der Session kopfmäßig draußen bin, weil mein Gehirn von Einkaufsliste, zu Ohrwurm mit Kobolden im Trenchcoat, zu Dummdomgeschichten über die aktuelle Situation der Welt zu irgendeinem anderen Herzenmenschen wandert und wieder zurück. Teilweise laufen dann noch x weitere Gedanken nebenher. Ich habe daher für mich auch rausgefunden -> manchmal braucht es starke Reize, damit ich endlich mal für eine Stunde oder mehr einfach abschalten kann und Pause bekomme. Manchmal muss ich reingelockt werden. Und manchmal ist es mit autistischer Überreizung einfach viel zu viel. 

Ich würde auch mal behaupten, dass es hilft, den allgemeinen Alltag mit ADHS auch zu erleichtern - je nachdem, wo es Schwierigkeiten gibt. Kalender und Wecker sowie Timer wurden genannt. Aber auch feste Plätze für Gegenstände. Sammelboxen / Sammeleimer für bestimmte Dinge. Ggf. Gegenstände doppelt kaufen, damit diese nicht ewig gesucht werden und Mensch dann zu spät zum Event kommt etc.Schritt für Schritt Anleitungen, Aufteilungen bezüglich Haushalt gut sichtbar in den entsprechenden Räumen aufhängen bzw. so, dass es irgendwie immer gesehen wird. Und den ein oder anderen Gegenstand mitten im Weg verzeihen, weil das vielleicht die einzige Möglichkeit ist, daran zu denken die Pfandflaschen wegzubringen...  Je mehr hier abgedeckt ist -> desto mehr Kapazitäten für die Dynamik. Und desto eher funktioniert auch Dynamik im Alltag :)

Regeln / Rituale im Alltag würde ich persönlich ebenfalls mehr an das ADHS anpassen als zu erwarten, dass es notfalls mit Brutalität funktioniert was ich mir überhaupt nur ausdenke... Hier wäre ggf. auch zu bedenken, dass die Sachen mit der Zeit keinen Dopaminkick mehr geben könnten und dann langweilig werden. Und die Motivation sinkt, etwas umzusetzen. Eine gewisse Flexibilität wäre also wohl auch eine Vorraussetzung. Routinen aufbauen kann auch länger dauern - da wünsche ich mir selbst regelmäßig tatsächlich eine Domperson, die mit Androhung irgendwo herum steht. xD 

Mit der Zeit lernt Mensch auch die Eigenarten des ADHS vom Gegenüber kennen und kann sich danach ausrichten - es wird einfach irgendwann quasi offensichtlich, wo ich Erwartungen reinstecken darf und wo nicht. Wo vielleicht ADHS zugeschlagen hat... und wo nicht. 

In Punkto Kommunikation -> checkt auch die Anfälligkeit bezüglich Zurückweisungsangst. Einige ADHSler sehen selbst in vermeintlichen Kleinigkeiten eine Zurückweisung an sich als Person "du bist nicht gut genug" oder "du bist kein/e gut/e Sub". Misslungene Aufgaben, nicht einzuhaltende Regeln wegen dem ADHS etc. lösen das ggf. ebenfalls aus. Und das könnte die Person mit ADHS ganz schön beuteln. Sowas sollte dann, aus meiner Sicht, geklärt werden und anders gelöst werden. 

Und zu guter letzt: ADHS ist ein Spektrum, was für einen Menschen funktioniert, funktioniert nicht zwangsweise für andere. Wenn noch andere Neurodivergenzen mit drin sind, wird es noch interessanter, das Ganze auszuloten. 

Genau deshalb habe ich jetzt auch ohne D/s Dynamik meinen Input dazu gegeben - weil es etwas dabei haben könnte, was doch noch angepasst nutzbar ist. Über den Tellerrand schauen kann hier einfach durchaus sinnvoll sein. Ungewöhnliche Methoden, die funktionieren, sind immer noch Methoden, die funktionieren. :) Wie auch das genannte Beispiel mit der Leine, das stellenweise sogar als Video schon geteilt wurde bei nicht kinky Menschen xD

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