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Hingabe oder Grenzüberschreitung, wer trägt die Verantwortung?


Ve****

Empfohlener Beitrag

(bearbeitet)
vor 2 Stunden, schrieb Verdana-42:

Bei meiner ersten BDSM-Session bin ich über meine persönlichen Grenzen hinausgegangen, und auch mein damaliger Dom hat diese Grenzen überschritten. Die Erfahrungen aus dieser Session haben bei mir zu erheblichen psychischen Belastungen geführt, unter denen ich lange Zeit massiv gelitten habe. Glücklicherweise sind diese Folgen heute nicht mehr präsent.
Zu Beginn hatte ich ein falsches Verständnis davon, was BDSM für mich bedeuten sollte. Ich ging davon aus, dass solche Erfahrungen dazugehören würden und ich sie aushalten müsse, um in diesem Bereich bestehen zu können. Dabei wollte ich vor allem stark sein und mir selbst beweisen, dass ich auch schwierige Situationen bewältigen kann. Ich habe meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse deshalb nicht ausreichend wahrgenommen oder ernst genommen.
Rückblickend muss ich sagen, dass meine erste Session leider eine einzige Katastrophe war. Sie entsprach weder dem, was ich mir erhofft hatte, noch dem, was eine verantwortungsvolle und vertrauensvolle BDSM-Dynamik ausmachen sollte. Heute sehe ich diese Erfahrung differenzierter und weiß, dass Stärke nicht bedeutet, eigene Grenzen zu ignorieren oder alles ertragen zu müssen. Vielmehr gehört es dazu, die eigenen Grenzen zu kennen, sie klar zu kommunizieren und darauf vertrauen zu können, dass sie respektiert werden.

Ich glaube, diese Erfahrung machen viele Menschen. Wenn Menschen anderen Menschen viel Macht geben wollen, muss man sich aber auch die Frage stellen, wieso der Gegenpart diese Macht wünscht. Dahinter stecken halt nicht nur die edelsten Gründe. Letztendlich sucht man sich Partner selbst aus. Die eigene Verantwortung bei der richtigen "Partnerwahl" lässt sich nicht durch Absprachen schmälern. 

Das sehen wir schon bei nicht sexuellen Themen. Selbst nach stundenlangen Diskussionen bei Paaren vergisst ER den Abwasch dann doch wieder und IHRE Socken liegen auch schon wieder auf dem Boden. Wir Menschen denken einfach nicht in solchen Deals.

 

Wenn man nicht zusammenpasst, retten Absprachen gar nichts. Ich glaube, das oft viel zu wenig Zeit in das Kennenlernen und das wirkliche Verstehen des "Partners" investiert wird. Dann stehen Missverständnisse und verschiedene Vorstellungen und Wünsche im Raum. Ausgesprochen oder nicht. Und so begeben sich Menschen dann in verletzliche Situationen. Die Gründe dafür können regelrecht banal sein. Die Lust auf ein Abenteuer zum Beispiel. Solche Abenteuer sind aber bis zu einem gewissen Grad auch ein Spiel mit dem Feuer, was ja nicht selten Kick ist. Da wird es einfach kompliziert. Auch beim Thema Verantwortung. 

 

Ich finde es schwierig, wenn der Eindruck erweckt werden kann, dass unangenehme Erfahrungen dann allein an einer Person liegen. Ich kann nun ja nur generell sprechen. Deinen Einzelfall kenne ich natürlich nicht und ich finde so eine Erfahrung auch nicht schön. Ich finde es nur schwierig, wenn heute viele Leute sexuell sehr offen leben und schnellen Sex bevorzugen und sich dann über die verletzliche Situation beschweren, in welche sie sich selbst regelmäßig bringen. Zumal wir bei Berichten üblicherweise nur eine Seite der Medaille kennen.

Du bezeichnest den Mann lediglich als Dom. Könnte es sein, dass du dich jemanden ausgeliefert hast zu dem du eigentlich gar keine echte emotionale Basis und Vertrauen hattest?

bearbeitet von FrecherDachs

Hallo, so eine Session muss genau besprochen werden. Nix sollte man machen nur um zu gefallen, auch wenn du Devot bist, bist du immer noch du selber und du bestimmst ob du das willst. Ein guter Dom wird ein nein sofort respektieren. Ein Code Wort muss sein und unter allen Umständen respektiert werden und das ganze wird sofort abgebrochen. Ein guter Dom sollte dich so gut kennen das er an deiner Körpersprache sieht ob es dir gut geht oder nicht ist seine Verantwortung.

Vor 3 Minuten , schrieb Verdana-42:

Meiner Ansicht nach sollte BDSM niemals dazu dienen, früh erlernte Leidensmuster zu reproduzieren oder das Ertragen von Schmerz als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen bewusst gewählter, einvernehmlicher Hingabe und einem tief verwurzelten Bedürfnis, Belastungen auszuhalten, weil man es bereits in der Kindheit gelernt hat.
BDSM sollte auf gegenseitigem Vertrauen, Selbstbestimmung, klaren Grenzen und einem verantwortungsvollen Umgang miteinander basieren. Es kann einen geschützten Rahmen bieten, in dem Kontrolle abgegeben und eigene Bedürfnisse erkundet werden dürfen, ohne dabei die Verbindung zu sich selbst zu verlieren.
Hingabe sollte eine freie Entscheidung sein und keine unbewusste Überlebensstrategie. Denn weder Schmerz noch Unterwerfung sollten notwendig sein, um sich wertvoll, geliebt oder angenommen zu fühlen.

Richtig

vor 6 Minuten, schrieb Verdana-42:

 

Meiner Ansicht nach sollte BDSM niemals dazu dienen, früh erlernte Leidensmuster zu reproduzieren oder das Ertragen von Schmerz als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen bewusst gewählter, einvernehmlicher Hingabe und einem tief verwurzelten Bedürfnis, Belastungen auszuhalten, weil man es bereits in der Kindheit gelernt hat.
BDSM sollte auf gegenseitigem Vertrauen, Selbstbestimmung, klaren Grenzen und einem verantwortungsvollen Umgang miteinander basieren. Es kann einen geschützten Rahmen bieten, in dem Kontrolle abgegeben und eigene Bedürfnisse erkundet werden dürfen, ohne dabei die Verbindung zu sich selbst zu verlieren.
Hingabe sollte eine freie Entscheidung sein und keine unbewusste Überlebensstrategie. Denn weder Schmerz noch Unterwerfung sollten notwendig sein, um sich wertvoll, geliebt oder angenommen zu fühlen.

Es ist vermutlich auch schwierig zu sagen woher bestimmte Kinks so kommen und es braucht dann auch Reflexion ob man etwas genießt oder erträgt, weil man es zu ertragen erlernt hat. 
Beispiel Peoplepleaser in dem Kontext. 

Aber das geht dann auch schon weit ins Psychologische.  

Vor 12 Minuten , schrieb Verdana-42:

Meiner Ansicht nach sollte BDSM niemals dazu dienen, früh erlernte Leidensmuster zu reproduzieren oder das Ertragen von Schmerz als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen bewusst gewählter, einvernehmlicher Hingabe und einem tief verwurzelten Bedürfnis, Belastungen auszuhalten, weil man es bereits in der Kindheit gelernt hat.
BDSM sollte auf gegenseitigem Vertrauen, Selbstbestimmung, klaren Grenzen und einem verantwortungsvollen Umgang miteinander basieren. Es kann einen geschützten Rahmen bieten, in dem Kontrolle abgegeben und eigene Bedürfnisse erkundet werden dürfen, ohne dabei die Verbindung zu sich selbst zu verlieren.
Hingabe sollte eine freie Entscheidung sein und keine unbewusste Überlebensstrategie. Denn weder Schmerz noch Unterwerfung sollten notwendig sein, um sich wertvoll, geliebt oder angenommen zu fühlen.

Das können 99% der Menschen aber niemals „leisten“ weil zu bindungstraumatisiert.

Vor 37 Minuten , schrieb Verdana-42:

Ich finde deinen gesamten Beitrag wirklich großartig. Du sprichst wichtige Aspekte an und regst dazu an, die eigene Dynamik, die Beweggründe und die emotionale Grundlage einer solchen Konstellation kritisch zu hinterfragen.
Und ja, in meinem Fall war es tatsächlich so. Rückblickend habe ich mich jemandem anvertraut und mich in gewisser Weise ausgeliefert, obwohl die notwendige emotionale Basis und das tiefgreifende Vertrauen eigentlich nicht vorhanden waren. Das zu erkennen, ist ein wichtiger Teil der eigenen Reflexion. Gerade deshalb finde ich deine Gedanken so wertvoll und deinen Beitrag ausgesprochen gelungen.

Vielen Dank für deine lieben Worte. :)

Es ist mir tatsächlich ein Anliegen, die Eigenverantwortung zu betonen. Wenn Menschen Schuld grundsätzlich nur an anderer Stelle suchen, betoniert das mit der Zeit eine Opfer-Mentalität. Und ja, natürlich gibt es Opfer. Aber in den allermeisten Fällen haben Menschen viel mehr Einfluss auf Glück und Unglück in ihrem Leben als es diese Opfer-Denkmuster als Erkenntnis zulassen.

Menschen die so argumentieren, nehme ich nämlich regelmäßig als sehr frustriert oder verletzt wahr. Das scheint einfach nicht der Weg zum inneren Frieden und Glück im Leben zu sein.

Falls ich tatsächlich jemanden zum positiven Umdenken animiere, wäre das doch eine schöne gute Tat für den Tag.

Vor 1 Stunde, schrieb Aldursauge:

Es ist vermutlich auch schwierig zu sagen woher bestimmte Kinks so kommen und es braucht dann auch Reflexion ob man etwas genießt oder erträgt, weil man es zu ertragen erlernt hat. 
Beispiel Peoplepleaser in dem Kontext. 

Aber das geht dann auch schon weit ins Psychologische.  

Ja, das finde ich einen echt wichtigen Punkt. Gerade die Grenze zwischen etwas wirklich genießen und sich an etwas angepasst zu haben, weil man gelernt hat, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, kann ja ziemlich subtil sein. Besonders bei Peoplepleasern stelle ich mir das schwierig vor, weil man vielleicht irgendwann gar nicht mehr so genau unterscheiden kann, was man selbst möchte und was man tut, um anderen zu gefallen. Und gleichzeitig muss natürlich nicht hinter jedem Kink irgendein psychologisches Thema stecken. Ich finde, da braucht es einfach eine ehrliche und wertfreie Auseinandersetzung mit sich selbst, ohne direkt alles analysieren oder pathologisieren zu müssen.

Vor 1 Stunde, schrieb Verdana-42:

Ja, das finde ich einen echt wichtigen Punkt. Gerade die Grenze zwischen etwas wirklich genießen und sich an etwas angepasst zu haben, weil man gelernt hat, die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, kann ja ziemlich subtil sein. Besonders bei Peoplepleasern stelle ich mir das schwierig vor, weil man vielleicht irgendwann gar nicht mehr so genau unterscheiden kann, was man selbst möchte und was man tut, um anderen zu gefallen. Und gleichzeitig muss natürlich nicht hinter jedem Kink irgendein psychologisches Thema stecken. Ich finde, da braucht es einfach eine ehrliche und wertfreie Auseinandersetzung mit sich selbst, ohne direkt alles analysieren oder pathologisieren zu müssen.

Wenn man gar nicht mehr unterscheiden kann was man selbst mag und was der andere Part mag, gibt es vielleicht die einfache Antwort, dass es keinen Unterschied gibt? Kann das nicht auch eine zufriedenstellende Schlussfolgerung sein?

Ist die Frage nicht, ob man glücklich in der (Lebens-)Situation ist?

Ich glaube, mit solchen nachträglichen Differenzierungen kann man sich das Leben sehr unglücklich reden.

Dann wirft man dem Partner z.B. schnell vor, dass er zu wenig tut, obwohl man diese Signale nie gesendet hat. Mein Problem dabei ist, dass es schnell einen starken Beigeschmack hat, wenn man erst "lernen" muss, dass man sich ungerecht behandelt fühlt.

vor 6 Stunden, schrieb Verdana-42:

Ich ging davon aus, dass solche Erfahrungen dazugehören würden und ich sie aushalten müsse, um in diesem Bereich bestehen zu können. Dabei wollte ich vor allem stark sein und mir selbst beweisen, dass ich auch schwierige Situationen bewältigen kann. Ich habe meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse deshalb nicht ausreichend wahrgenommen oder ernst genommen.

Es tut mir leid zu hören,  dass du so eine schlimme Erfahrung machen musstest.

Wie soll man seine Grenzen und Bedürfnisse in einer ersten Session schon kennen? Das ist doch unmöglich. Da nützen auch Gespräche vorher nur wenig.

Das ist wieder eine ganz andere Situation als im EP. Wenn der Dom erfahren war, wäre es seine Pflicht gewesen, dich langsam und vorsichtig an BDSM heranzuführen. Hier liegt die Verantwortung in meinen Augen eindeutig und vollständig beim Dom. Es ist möglich eine Session so aufzubauen und so empathisch zu sein, dass auch ein Neuling nach menschlichem Ermessen nicht überfordert wird.

Wenn ihr beide keine Ahnung hattet, ist es wieder etwas anderes.

vor 9 Stunden, schrieb Rosenrot82:

Für mich liegt alles in einer Hand. Der Dom trägt für alles die alleinige Verantwortung.  Er bestimmt meine Grenzen und Tabus und trägt für jede Handlung und die Konsequenz daraus 100% Verantwortung.  



ein Meer voller Red Flags..

vor 5 Minuten, schrieb Windgust:

Für dich. Für andere ist es ihr BDSM.


Ok...also wenn  ihr Dom  sagt.."tue was illegales" und sie sagt dann bei der  Polizei..
"Ich trage keine Verantwort..mein  Dom  ist für alles verantwortlich.."

Ja ist halt ihr BDSM...ne ist klar..


                                     

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